Full text: Manuscripta chemica in quarto

Einleitung 
Wenn Schleswiger Makulatur verwendet worden ist, stand zu vermuten, daß Pla- 
tenschleger nicht allzu weit davon entfernt zu suchen sei. Und richtig, eine Anfra- 
ge im Archiv der Kulturstiftung Schleswig-Flensburg76 ergab, daß er 1589-1597 
Stadtschreiber von Schleswig war. Allerdings: Woher er die Handschriften hatte 
und wie und wann sie nach Kassel kamen, ist unklar. Klösterliche Provenienz im 
südwestlichen Ostseeraum, das läßt sich sagen und über dynastische Verbindun- 
gen - Moritzens Tante, die gelehrte Herzogin Christine von Schleswig-Holstein- 
Gottorf (1543-1604)77, könnte die Bände nach Kassel geschickt haben; und der 
Landgraf hatte mit seinem Vetter, Herzog Adolf von Holstein, engen Kontakt. 
Sein sKunstbüchleine wurde in Kassel mehrfach kopiert.78 Sehr sonderbar aber 
ist es, daß alle fünf Handschriften nicht im Nachlaßinventar des Landgrafen Mo- 
ritz von 1632 nachzuweisen sind. Dieses Rätsel bleibt ungelöst. 
Neben dem oben erwähnten Bergbau im Waldeckischen war der in seinen eige- 
nen niederhessischen Landen und in der Grafschaft Katzenellenbogen für Land- 
graf Moritz von besonderer Bedeutung,79 auch für seine Laborarbeiten. So hat 
ein großer Teil der im Register unter schemische Rezepteä gesammelten Texte 
mit dem Bergbau, der Verhüttung und mit Metallproben zu tun. Da sich diese 
Montan-Rezepte und -Experimente oft nicht von den sonst üblichen Laborarbei- 
ten trennen lassen, wurde auf ein gesondertes Lemma verzichtet. Wer diese Texte 
sucht, muß alle schemischen Rezeptea durchsehen. 
Ein Blick auf die tatsächlich beeindruckende Zahl von Paracelsus-Einträgen im 
Register belegt, daß Alchemie und Medizin am Kasseler Hof vom Paracelsismus 
geprägt waren: Allein in den Quarthandschriften gibt es 265 Nennungen. Dabei 
gilt es zu beachten, daß ich mich nicht auf das unsichere Terrain begäbe zu ent- 
scheiden, ob überall, wo Paracelsus darauf steht, auch Paracelsus drin ist. Im Re- 
gister wird kühn versucht, zwischen paracelsisch und ps.-paracelsisch bzw. para- 
celsisch(?) zu unterscheiden. Dies ist eine unverbindliche Vorordnung des 
76 
77 
BROSZINSKI, Klösterlich Alchemie, S. 844. 
Astrid OTTO, Schreibende Frauen vom 16. bis 20. Jh. in Kassel und Nordhessen (Schriftenreihe 
des Archivs der Deutschen Frauenbewegung, 12), Kassel 1999, S. 43-45. 
4C Ms. chem. 95, 2r-47r; 4o Ms. chem. 60B, 2, 30r-60r u. 4o Ms. chem. 60m 4, 130r-131r. 
Carl KÖBRICH, Chronik des hessischen Berg-, Hütten- und Salzwesens, in: Archiv für hessische 
Geschichte und Altertumskunde, N.F. 19, 1936, S. 275-326; ferner: Karl WIGAND, Chronik des 
hessischen Bergbaus, hrsg. vom Bergbaulichen Verein Kassel, Kassel 1956, darin S. 74-106 über 
Eisenhütten und Metallvorkommen; s. ferner: Dieter STOPPEL, Auf Erzsuche. Zur Geschichte des 
Silber-, Kupfer- und Schwerspatbergbaus im Raum Biedenkopf-Dillenburg, Haltern 1988; ferner: 
Fritz SPRUTH, Die Bergbauprägungen der Territorien an Eder, Lahn und Sieg. Ein Beitrag zur In- 
dustriearchäologie (Veröffentlichungen aus dem Bergbaumuseum [Bochum], 6), Bochum 1974; 
schließlich: Wilfried HACKER, Geowissenschaften und Bergbaugeschichte in der Dreiländer-Re- 
gion Hessen, Thüringen, Niedersachsen. Eine Bibliographie der Landschaft zwischen Diemel 
und Schleuse, Borkener Senke und Rhume, Göttingen 2007 [auch als PDF-Datei]. 
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