Full text: Manuscripta chemica in quarto

Einleitung 
der Baumeister Wilhelm Vernuken, der Hofmaler Hans Schroer, der Hofkapell- 
meister und Oeconomus Christoph Cornet, der Vizekapellmeister Andreas 
Ostermaier, dazu Hofdiener und Beamte in der Landgrafschaft - alle kannten 
sich gegenseitig, wußten über des anderen Arbeit Bescheid und wurden vom 
Landgrafen höchstpersönlich kontrolliert. Da machte er auch nicht vor einer Re- 
zeptsammlung67 halt, mit der offenbar sein Vater gearbeitet hatte, fügte Wilhelm 
IV. ihr doch eigenhändig einen Schlüssel zur verwendeten Geheimschrift bei. Mo- 
ritz mißfielen zahlreiche Rezepte, und so schrieb er neben einige nicht immer ge- 
sellschaftsfähige Randbemerkungen, etwa: (4r) da wirdt nichts auß; (ST) darnach 
zum fenster hinauß; (6V) geschwind wirdt windt; (7r) Lex im ars. 
Unklar ist geblieben, auf welchem Wege die zwölf Handschriften in den Besitz 
des Landgrafen gelangt sind, in denen sich ein Laborant Lenhart Krehoff aus Ei- 
senach als Schreiber nennt.68 Und wo er das nicht tut, erkennt man ihn sogleich an 
seiner unbeholfenen Schrift und seiner abenteuerlichen Orthographie. Er ist auch 
an der Verhüttung von Erzvorkommen im Waldeckischen beteiligt, den Eschwe- 
ger Barbier und Wundarzt Lorenz Meisner, einen umtriebigen Alchemiker,69 
scheint er gekannt zu haben, zumindest einmal war er in Nordhausen") Im Stadt- 
archiv von Eisenach ließ sich Krehoff nicht nachweisen, da die meisten Akten 
beim Stadtbrand von 1636 vernichtet worden sind. Die Hoffnung, daß die Alche- 
mica über die Schwester des Landgrafen, Christine, Herzogin von Sachsen-Eisen- 
ach (1578-1658), nach Kassel gelangt seien,71 hat getrogen, denn die Durchsicht 
der 420 Briefe Christines an ihren Bruder72 blieb erfolglos. 
Auch die Herkunft von vier außerordentlichen mittelniederdeutschen Hand- 
schriften73 ist nur teilweise geklärt. Sie sind zwischen 1490 und 1505 mit Sicher- 
heit in ein und demselben Kloster entstanden, denn die Faktur der Handschriften 
ist identisch, die Pergamentfragmente, die als Koperte dienen, entstammen der- 
selben Handschrift, einige Schreiber sind mehrfach vertreten. Und sie tragen den 
gleichen Vorbesitzer-Vermerk Frederick Platenschleger; auch eine um 1590 ent- 
standene LeDouX de Claves-Handschrift74 ist von ihm signiert. Und das ist in die- 
ser Sache von entscheidender Bedeutung, denn deren Einbanddeckel bestehen 
aus zusammengeleimter Druckmakulatur eines Schleswiger Druckes von 1596.75 
67 40 Ms. chem. 59, 1r-94r. 
68 40 Ms. chem. 2, 14,20, 25, 41, 43, 55, 6O[2_ 3, 60B, 3, 6Ü[9, 2, 84, 95. 
69 Zu Meisner s. neuerdings: TELLE, De prima materia lapidis, S. 20-26. 
70 40 Ms. chem. 20, 50V. 
71 BROSZINSKI, Klösterliche Alchemie, S. 829. 
72 StA Marburg, Best. 4a 40, Nr. 15. 
73 40 Ms. chem. 5, 9, 10, 93, dazu kommt das 100 Jahre jüngere 40 Ms. chem. 26. 
74 40 Ms. chem. 26. 
75 Fünff schöne Medicisehe Tractat, vor nie in Truck kommen  durch Constantinum Galliculum 
Misnicum ... in Truck verfertiget, Schleswig: Nicolaus Wegner 1596 
XXIII
	        

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