Full text: Manuscripta chemica in quarto

Einleitung 
reiche medizinische Texte und vor allem Rezepte in Symbiose mit der Alchemie 
leben. Hier wie dort sind dann neben den Rezeptautoren gelegentlich auch die 
Patienten aufgeführt. 
Am engsten verbunden mit den Handschriften war Christoph Cornet (1580- 
1635).53 Er wurde in Kassel als Sohn eines aus Ypern stammenden, in Kassel und 
Schmalkalden tätigen Malers geboren, war Kapellknabe in Kassel und Schüler 
des Collegium Mauritianum; Kapellmeister Georg Otto unterrichtete ihn und 
Heinrich Schütz; 1605/06 wurde er vom Landgrafen nach Venedig zu Giovanni 
Gabrieli geschickt, und er erscheint ab 1608/09 als Hofschuloeconomus in Kassel. 
Daneben hatte er nicht-musikalische Schreibarbeiten zu erledigen; zu diesen ge- 
hörte auch das Inventarisieren von Handschriften. Er war damit so etwas wie ein 
Bibliothekssekretär des Landgrafen. In 19 alchemischen Handschriften sind Spu- 
ren seiner Tätigkeit erhalten, alle kenntlich ihres etwas gedrückten, aber sonst 
versierten Schriftcharakters wegen. 1619 wurde er als Nachfolger Georg Ottos 
Hofkapellmeister, nachdem es Moritz nicht gelungen war, Schütz aus Dresden zu- 
rückzugewinnen; daneben hatte Cornet jedoch weiterhin Pflichten als Oberkam- 
merdiener. Nach der Abdankung des Landgrafen 1627 wurde er nicht in der nun 
ausgedünnten Kapelle weiterbeschäftigt, er war aber weiterhin für Moritz tätig. 
1635 starb er in Kassel an der Pest. Seine nur handschriftlich überlieferte, hoch- 
rangige geistliche Chormusik zeigt deutlich venezianischen Einfluß wie bei Hein- 
rich Schütz, dem er lebenslang freundschaftlich Verbunden blieb. Cornets vielsei- 
tige Tätigkeit in Kassel ist typisch für kleinere Höfe: Jeder machte jedes, und in 
Notzeiten, wenn die Musik zurücktreten mußte, wurde das Personal so weit wie 
möglich in der Verwaltung untergebracht. Der bislang nur wirklich Eingeweihten 
bekannte Komponist Christoph Cornet verdient wahrlich auch an dieser Stelle 
eine Würdigung54 
Bei weitem die meisten Handschriften jedoch erwarb Landgraf Moritz aus profes- 
sioneller Quelle: Am 186159655 verkauft der Bergschreiber Balthasar Marold, 
Sohn des 1596 verstorbenen Dr. Ortolph Marold, dem Landgrafen Moritz die Bi- 
bliothek seines Vaters gegen Überlassung des Grebengutes in Elgershausen bei 
Kassel bei jährlichen Zinsleistungen. Ein gutes Geschäft für den Landesherrn! 
Dr. Ortolph Marold, geb. 1526 in Schmalkalden, gest. 1595 ebenda, war Leibarzt 
des Grafen Georg Ernst von Henneberg in Schmalkalden und, nachdem die Herr- 
schaft Schmalkalden 1583 durch Erbschaft an Hessen-Kassel gegangen war, von 
Landgraf Wilhelm IV.; er wohnte aber weiterhin in seiner Heimatstadt, wo er als 
53 
54 
H. BROSZINSKI in: zMGG Personenteil 4, 2000, Sp. 1629-1631. 
In Selbstverlagen erschienen sind bisher: CORNET, Canzon ä 8, Part. u. St., Köln: Becker [1989]; 
CORNET, Venite exultemus Domino. Ps. 95 für 3 vierst. Chöre, hrsg. von Hans Darmstadt, Kassel 
2001. 
StA Marburg, Best. 17e Elgershausen, Nr. 9: Abschrift der Urkunde, 9.11.1600. 
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