Full text: Manuscripta chemica in quarto

EINLEITUNG 
Hiernechstl war hochstberührter herr landgra ff Mauritivs ein guter M edicus. In stu- 
dio Alchymice wahr Er höchst erfahren, und hatte den Drebbeliumz sowohl, als R0- 
bertum a Fludd3 wohl geleßen. Aus den vegetabilibus extrahirte Er die kräftigsten 
waßer, Oehle, Spiritus, Essenzen, extracte vnd dergleichen. Die Mineralia trans- 
mutirte Er öfters zum gebrauch der Medicorum. Hierdurch erwarb Er sich einen 
fiirtrefflichen Ruhm. Er bedienete sich aber in diesem studio insonderheit des ge- 
lehrten Hartmanni4 und Rhenani.5 Quercetanus,6 königlicher französischer Leib- 
Medicus, ein mann, welcher sich um Medicinam Hermeticam höchst verdient ge- 
macht, rühmet in seinem Buche Pharmacopcea Hermetica restituta7 genant, daß Er 
keine trefflichere und beßer versehene OffenS in Italien, Frankreich, Teutschland 
und andern ländern gesehen, als welche in dem hochfürstlichen Schloß zu Cassel zu 
sehen; gestaltsam darinnen, außert denen gemeinen, über 1000. Extracte magisteria 
und prceparationes Chymicce befindlich wären. Dieße waren insgesamt auff gnä- 
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Johann Christoph KALCKHOFF, Hassia literata [1. Sektion], Homberg 1706/07, ä 31, 133r-134r, 
20 Ms. Hass. 71 (Autograph). Zu Kalckhoff s. STRIEDER, 7, Kassel 1787, S. 1-18. 
Im Nachlaßinventar des Landgrafen von 1632 unter [Nr. 574]: Drebbel, Cornelis Jacobszoon: Ein 
kurtzer Tractat von der Natur der Elementen ..., Leyden 1608 [oder Folgeaufl]. 
Ebenda Nr. 25: Fludd, Robert: Utriusque cosmi maioris scilicet et minoris metaphysica, physica at- 
que technica historia, 2 Bde., Oppenheim 1617-1624. 
Dr. Johannes Hartmann (1568-1631), seit 1592 Professor der Mathematik in Marburg, 1607 Dr. 
med., 1609 Professor Chymiatriae, der erste in Europa. Sein Hauptinteresse galt der Pharmakolo- 
gie, der paracelsischen Iatrochemie. 1621 Leibarzt von Landgraf Moritz. 
Dr. Johannes Rhenanus, 1610 zum Dr. med. in Marburg promoviert, danach Arzt in Kassel, Auf- 
sicht über das chemische Laboratorium des Landgrafen, dessen Leibarzt seit 1621. 
D. i. Dr. Joseph Duchesne (ca. 1544-1609), paracelsistischer Arzt am Hof von Heinrich IV. in Paris, 
vermittelte den Besuch des Landgrafen dort (1602). Mosanus besuchte ihn 1604 in Paris. Im glei- 
chen Jahr kam er nach Kassel, wo er mit Moritz und seinen Alchemikern diskutierte. Zu ihm s. 
Heiner BORGGREFE in: Moritz der Gelehrte (1997), S. 368. 
Joseph DUCHESNE, Pharmacopoea Dogmaticorum Restituta pretiosis selectisque Hermeticorum 
floribus abunde illustrata, Paris 1607. 
Noch vorhanden: Museumslandschaft Hessen Kassel (vormals Staatliche Kunstsammlungen), Inv. 
F 112, s. Heiner BORGGREFE in: Moritz der Gelehrte (1997), S. 361. 
XI
	        

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