Full text: Manuscripta historica

EINLEITUNG 
teurer Marquis de Luchet (1776-1786) neben zahlreichen anderen Ämtern mit 
dem des 1. Bibliothekars ausstattete. Friedrich Christoph Schmincke (1766- 
1780, 1791-1795), der Sohn Johann Hermanns und Amtsnachfolger Arcken- 
holtzf, wurde zum 2. Bibliothekar zurückgestuft und zog sich ganz auf die Be- 
treuung der Handschriftensammlung zurück. Nun begann das, was später als 
die „Revolution der Casselschen Bibliothektf bezeichnet wurde und für be- 
trächtliches Aufsehen in der deutschen Gelehrtenrepublik sorgte. Der Dilettant 
Luchet überzeugte den Landgrafen von seinem „Französischen Systemüß und 
machte so mit einem Schlag alle bisherigen Katalogisierungsbemühungen zu- 
nichte. Der gleichzeitige Umzug der Bibliothek vom Marstall in das neuerbaute 
Museum Fridericianum machte das Chaos Vollständig. Erst nach dem Tode 
Friedrichs II. 1785 und dem darauf folgenden Exodus seiner französischen 
Günstlinge wurde mit dem Verdienstvollen Friedrich Wilhelm Strieder (1765- 
l807, 1814-1815) ein Mann zum Bibliothekar bestellt, der als Bibliothekssekre- 
tär unter Luchet mit Ingrimm das laienhafte Treiben hatte ertragen müssen und 
nun voller Eifer die Neukatalogisierung in Angriff nahm. Er führte den Anfang 
des 18. Jahrhunderts angelegten Zettelkatalog" weiter und legte einen monu- 
mentalen, 80 Bände umfassenden systematischen Standortkatalog an, der von 
Zeitgenossen hoch gerühmt wurde. Beide Kataloge wurden bis 1939 fortgeführt, 
beide sind erhalten. Sie bildeten die Grundlage für den Wiederaufbau des im 2. 
Weltkrieg Völlig Vernichteten Druckschriftenbestandes. Die Handschriftenband- 
kataloge Strieders sind noch heute in Gebrauch und werden weitergeführt. 
Da für die Handschriftensammlung weder Zugangsrepertorien noch Altakten 
auf uns gekommen sind, bieten diese Bandkataloge mit den identifizierten 
Schriftzügen der „Grundschichtü aus der Zeit Strieders sowie der nachfolgen- 
den Bibliothekare oft den einzigen Hinweis auf den Zeitraum der Akzessionie- 
rung, auf den Vorbesitzer kaum. Für die Provenienzbestimmung sind wir des- 
halb in der Hauptsache auf die Zeugnisse in den Handschriften selbst und ggf. 
sekundäre Quellen angewiesen. Erschwerend wirkt sich ferner aus, daß insbe- 
sondere während der Restaurierungen um 1900 die alten Einbände einschließ- 
lich des Vorsatzes weggeworfen wurden. Nur die ausgelösten Fragmente blieben 
erhalten, freilich ohne daß man ihre Herkunft notierte. Anderes wurde infolge 
von Kriegseinwirkungen zerstört. Die „Grundschichtü von der Hand des Skri- 
benten Johann Christian Entzeroth (1779-1814), die spätestens zu Beginn der 
napoleonischen Ära 1806 endet, umfaßt die Signaturen 20 Ms. hist. 1-55, 40 
Ms. hist. 1-56 und 8o Ms. hist. 1-10. Dann setzen bei den Folio-Signaturen die 
Hände Jacob Grimms (1816-1829) sowie bei Quart und Oktav Karl Bernhardis 
(1830-1874) ein. 
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Zu Luchets Plan vgl. STRIEDER 8, 5.139185; BROSZINSKI IV, S.140fu. 180! 
SCHERER, S.237 
-182. 
XXX
	        

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