Full text: Hochfuerstlich-Hessen-Casseler Staats- u. Adress-Calender (1770)

Von den Finsternissen. 
leichwie die Astronomie die vorlängst geschehenen Himmels 
begebenheiten, durch ihre Genauigkeit, richtig angeben 
kann: Also lehret sie auch die zukünftige Begebenheiten, 
die sich am Himmel ereignen werden, zum voraus zu wissen; eine 
Kenntniß, welche, in Ansehung aller übrigen Begebenheiten der 
Welt, sich GOtt allein vorbehalten hat. So setzte Newton die 
Zeit der Argonauten dadurch fest, daß die Fixsterne ihren Ort in 
70 Jahren um einen Grad verändern, weil die Sternbilder kur; 
nach dieser Zeit waren auf die Himmekskugel gebracht wor 
den. Man kann also sicher glauben, daß, wenn ja durch die 
Kräfte der Himmelkörper die Erde in ihrem Laufe eine merkliche 
Veränderung leyden sollte, das Vorherseheu derselben von der 
nntrieglichen Genauigkeit der Astronomen erwartet werden müsse. 
Der astronomische Calcul ist also ein Mittel, die Geschichte des 
gestirnten Himmels in den verflossenen Zeiten, sollte sie auch 
gleich von keinem Geschichtschreiber erzählet, ja selbst von keinem 
Menschen bemerket worden seyn, umständlich zu erfahren; aber 
auch die wichtigsten Veränderungen in unserm Sonnensystem zum 
voraus zu wissen, viele Jahrhunderte vorher ehe sie geschehen, 
mit einer Gewißheit, welche sonst nichts voraussetzet, als dieses, 
daß die Welt alsdann noch das seyn werde, was sie itzt ist. 
So wichtig aber diese Genauigkeit ist, so ist es dennoch eine 
Sache, welche, so wie man sie bisher betrachtet hat, den Astro 
nomen eigen bleibt. Man hat sich zu verwundern, daß, da eine 
gemeine rurd beyläufige Erkänntniß des Himmelslaufes auch von 
Landlenke», durch die bloße Erfahrung erlanget werden kann, die 
genaue nicht ohne die großeste Mühe und Aufmerksamkeit erhal 
ten werden könne. Wenigstens solle sich ein gewisses Mittel tre-r 
fen lassen, wodurch beydes näher zusammengerückt wird. Ein 
Landmann dehnt sein Voraussehn nicht über vier Wochen aus. 
Indessen zeigen doch die Epacten, welche man zum Behufe der 
sogenannten Kirchenrechnung erfunden, daß man, ohne viele 
Mühe, weiter hinaus rechnen könne. Vor zweyhundert und 
mehr Jabren, da man noch kaum wußte, wie man den Monds 
lauf zu betrachten habe, übte man sich in solchen Rechnungen, 
Md da war bald alles so, das es Jedermann verstehen konnte. 
Der-
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.