Full text: Hochfuerstlich-Hessen-Casselscher Staats- u. Adress-Calender (1769)

28 
mm m mm 
Von den Finsternissen. 
(T^iitbet sich bey Betrachtung des gestirnten Himmels etwas, 
cf\ daß jedermmann in die Sinne fallt, so ist es gewiß, ausser 
(J den Finsternisse», die tägliche Abwechslung des Mondlaufs, 
welche daher auch in den ältesten Zeiten Anlaß gegeben hat, die 
Jahre und Tage nach denselben zu zählen. Diese Abwechslungen 
erneuern aber eben dadurch, daß sie immer fortgehen und wieder 
kehren, die Begierde, denselben nachzufragen/nicht so merklich, 
als die Finsternisse. Man fragt denselben etwa wegen des Wet 
ters nach, wenn man glaubt, daß dieses sich nach dem abwechseln 
den Lichtendes Mondes richte. Besser aber bekümmern sich die 
Reisende und Seefahrerdarum, erstere um zu sehen, ob sie des 
Abends oder des Morgens, oder die ganze Nacht durch, Mond 
schein haben, letztere aber nicht sowol deswegen, als vielmehr 
wegen der Ebbe und Fluth des Meeres, als welche sich sehr ge 
nau und ordentlich nach dem Mondlaufe richtet. 
Man weis, daß Leute, die viel oder beständig auf dem Lande 
find, wo man gleichsam nichts als die Natur zn betrachteil findet, 
sich diese Abwechslung des Mondlanfes, auch ohne den Calender, 
sehr ordentlich vorstellen, und sich daher den Begriff davon ma 
chen, bey welchem die Astroiromen anfangen müssen weiter zu 
gehen. In vielen Stücken bestehet der Unterscheid auch nur bloß 
darinn, daß letztere sich die Mühe geben, alles sehr genau auszu 
rechnen und z» bestimmen. Sie erhalten dadurch allerdings nähe 
re Vortheile, und besonders leisten sie den Schiffern auf dem Welt 
meere wichtige Dienste. Diese Genauigkeit setzt sie ferner in 
Stand, die Himmelsbegebenheiten der ältesten und spätesten Zei 
ten, so wie die von den nächsten Jahren, zu bestimmen, und da 
durch der Zeitrechnung viel Licht zu geben. Man findet den Tag 
der Creutzigung Christi dadurch, daß man weis, es sey Freytag 
und zugleich Ostervollmond gewesen. So sind durch die Finster- - 
nisse manche Begebenheiten in eine richtigere Zeitrechnung gebracht 
worden, und wenn einmal das Register der genau beobachteten 
Cometen vollständiger wird: so werden auch dadurch noch mehre 
re Zeitpuncte der Geschichte festgesetzt werden. 
Hieraus nun ist leicht zu begreifen, daß es nicht ganz ohne Nutzen 
sey,wenn die Finsternisse,nebst andern merkwürdigen Begebenheiten 
«m Himmel, genau ausgerechnet,und in die Calender gesetzetwerden. 
, 3>l
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.