Full text: Hochfuerstlich-Hessen-Casselscher Staats- u. Adress-Calender (1765)

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Von den Finsternissen. 
Bemühungen, Wissenschaften auszubreiten und zu verbessern, 
sind so wichtig und schätzbar, daß ihnen gar kein Werth 
kan gesetzet werden. Sie sind die edelsten unter denjenigen, 
welche die Beförderung der allgemeinen Glückseligkeit des ganzen 
menschlichen Geschlechts zum Endzweck haben. Sie verdienen 
von den Grössen der Erden auf das mächtigste beschützt, und an 
sehnlich belohnt zu werden. 
.Me Ausbreitung und Verbesserung der Sternkunst, welche ei 
ne Wissenschaft von der Ordnung und Bewegung der Sterne ist, 
nimmt vor andern Wissenschafteil um so mehr die erste Stelle ein, 
weil sie die schwerste und kostbarste, qnch ihr Nutzen so allgemein 
ist, daß kein Mensch kqnn gesunden werden, der ihn nicht genieffen 
sollte. Denn sie bringt die Schiffahrt und den Ackerbau, welches 
zwey Grundstlulen menschlicher irrdischcr Glückseligkeit sind, zur 
Vollkommenheit. Ja sie hilft die Zeiten genau eintheilen, ohne 
welche keine Ordnung unter den Mensche» möglich wäre. Sie 
würfet über dieses eine, große Ehrerbietung gegen GOtt, indem 
sie uns von der mreudlichen Macht, Weisheit und Herrlichkeit des 
großen Schöpfers überzeuget. Mit dieser Hochachtung gegen 
GOtt verbindet sich eine ungemeine Demuth; indem man wahr 
nimmt, daß der ganze Erdcörper, darauf wir wohnen^ einem 
Puncte zu vergleichen sey , gegen die unermeßliche Große des 
ganzen Weltgebaudes ; daraus man leicht den Schluß machen 
lernet, daß der Mensch noch viel geringer als ein Punct müsse zu 
achten sey». Hrernächst leitet sie uns zum richtigen Verstände 
und Einsicht des Nachdrucks vieler in der heiligen Schrift vor 
kommenden Stelle!», welche von dem Himmel ni»d den Sternen 
reden, und die Poeten, samt vielen andern Schriften können ohne 
sie gar nicht verstanden werden. Bey dem allen belustiget sie das 
Gemüth auf eine ganz ausnehmende Weise, welches diejenigen 
bezeugen, die damit umgegangen sind. 
Daß aber die Sternkunst oder Astronomie eine Wissenschaft sey, 
ist deswegen ausser allen Zweifel gesetzet, weil sie aus gewissen 
Gründen hergeleitet wird. Die Gründe aber, darauf sie beruhet, 
sind die richtig angestellten Erfahrungen von Sternen, samt denen 
daraus hergeleiteten Vernuuftschlüssen. So gewiß und untrüglich 
unir diese Gründe sind, so gewiß muß also die Astronomie seyn. 
Unter die wichtigsten Beobachtungen und Erfahrungen, worausdie 
Gründe der Sternkunst hergeleitet, und immer mehr und mehr zur 
Voll- 
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