Full text: Die Sternwarten Kassels in hessischer Zeit

liatti um ein beträchtliches.53) Die Beherrschung der Mittel, der For- 
men und des Gedankens hat bei ihm etwas geradezu Seigneurales. 
Kassel hatte durch du Ry eine Sternwarte erhalten, die ihrer großen 
Aufgabe würdig war. Mit der am 24. August 1 785 berichteten An- 
bringung des heute noch hängenden großen Mauerquadranten war die 
Einrichtung abgeschlossen. Am 31. Oktober starb Friedrich II.l Da- 
mit war das Schicksal der Warte besiegelt. . . . 
Es ist ein Irrtum, mit Brunner den Verfall der Sternwarte unter 
Murhard den Franzosen zuzuschreiben.54) Er hat weder mit ihnen an- 
gefangen noch mit ihnen aufgehört, wie das am besten die 1828 er- 
folgte sinnlose Ernennung des Archivars und Historikers Rommel 
zum Sternwartendirektor beleuchtet.55) Im Gegenteil! Am 11. XI. 1812 
schickt der westphälische Generaldirektor des öffentlichen Unterrichts 
auf Vortrag des Gauß-Schülers Gerling 56) einen Bericht über die 
notwendigen Ausbesserungen des verfallenden Observatoriums an den 
zuständigen Minister und Wolfrat fordert daraufhin bereits am 17. 
XI. 1812 einen spezifizierten Kostenvoranschlag ein. Daß das keine 
leere Geste war, beweist sein Zugreifen im April desselben Jahres, als 
mit nicht weniger als 800 Francs das nach Jussows Bericht seit 
30 Jahren verkommene Turmgeländer, das abzustürzen drohte, durch, 
das noch heute stehende Gitterstabgeländer ersetzt wurde (M),57) das 
eine wie das andere nicht nur der Bauerhaltung wegen, sondern um 
Gerling astronomische und geodätische Arbeitsmöglichkeit zu ver- 
schaffen. 
Die wahren Gründe für den Verfall der Warte lagen nicht in der Fran- 
zosenpsyche, sondern darin, daß, wie Brieger ausgeführt hat,58) mit 
dem Regierungsantritt Landgraf Wilhelms IX. das Collegium Caroli- 
num aufgelöst und die Mehrzahl seiner Professoren nach Marburg ver- 
setzt wurde, ja daß ganze Institute, wie das anatomische und das botani- 
sche, Kassel verließen. Wieviel unsere Sternwarte an Instrumenten 
hergeben mußte, das schildern ihre Inventare genau; es erübrigt sich, 
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