Full text: Die Sternwarten Kassels in hessischer Zeit

Louis du Ry, der Enkel des Baumeisters des Kunsthausobservato- 
riums, sollte den Umschwung vollziehen. 
Zunächst erstattete auf die fürstliche Resolution vom 26. VI. 70 hin 
am 8. IX. 1770 Stadtbaumeister Diede ein Gutachten über die An- 
legung eines Observatoriums auf dem Zwehrenturm, das ganz muster- 
haft ist. Seine Berechnung geht aus von dem Raum, den die z. T. dreh- 
baren Instrumente und ihre Bediener („ein Astronom und nur zwey Ge- 
hülffen") brauchen, fremde Zuschauer von Stande nicht zu vergessen. 
Er kommt dabei zu dem Schluß, daß die Bodenfläche in dem 16-ecki- 
gen Turmraum 51) nach Abzug von Treppe und Säulen so erheblich hin- 
ter den bescheidensten, geschweige denn hinter fürstlichen Rauman- 
sprüchen zurückbleibe, daß ein Anbau unvermeidlich wäre. Leider sind 
alle beigefügten Risse verloren. Aus dem Bericht sind aber noch zwei 
Stellen von Interesse. Einmal ein mit ungarischer Keckheit von Matsko 
hineingeschobener Passus, daß aus all den schönen geplanten Beobach- 
tungen nichts werden würde, wenn man ihm nicht im Observatorium 
eine Wohnung einrichtete; denn wie das alle Astronomenbiographien 
seit Tycho Brahe lehrten, veranlaßte die Mühe täglich viermal den 
Turm zu ersteigen den Beobachter entweder, sich eine Haussternwarte 
anzulegen, die ihm bequemer wäre - oder die Beobachtung zu ver- 
nachlässigen. Diede schließt dann in Anlehnung an diesen Gedanken- 
gang Matskos: daß es sehr gut sein möchte, wenn durch eine Gallerie 
eine Communication aus dem Bibliothequen Hauß - das Matsko als 
Wohnung grade gut genug schien - in das Observatorium gemacht 
würde. Beigefügt ist ein Kostenanschlag „wann der Zwehrenturm wie 
er dermahlen ist, zu einem Observatorium eingerichtet werden sollte". 
Darin figuriert mit 45 Talern das Herausbrechen der zwei damals noch 
intakten, übereinanderliegenden Gewölbe (Kassel, Tfl. 71,3), damit die 
innen geplante Treppe die sechs Stockwerke hinaufkäme, ferner mit 
65 Rtlr. vier große Bogenfenster nach den vier Weltgegenden zu bre- 
chen. Summa 1 423 Rtlr. Eine zweite Berechnung sah einen Umbau des 
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