Full text: Die Sternwarten Kassels in hessischer Zeit

längsachse unter sich niveaugleich liegt, obwohl dieser Mitteltrakt in 
den Abknickungen seiner Fluchten zwischen Raum 64 und 65 deut- 
lich seinen Charakter als Einbau zu erkennen gibt. (Räume 55 mit 56 
und 57, 58 und 64-68). Da noch kurz vor dem Umbau das „Thea- 
trum" auf dem Stadtplan Kassel Abb. S. 66,28) der bereits die Ober- 
neustadtabsteckung von 1688 und eine vierte Variation zu den bisher 
undatierten Karlsaueprojekten Tfl. 23o/31, aber noch nicht den Um- 
bau des „Theatrum" kennt, also etwa 1690 liegt, mit seinem großen 
Satteldach gezeichnet wird, so darf diese Heraushebung des Mittelzuges 
und zugleich der Aufbau der Giebelaufsätze wohl Paul du Ry zuge- 
schrieben werden, der hier mit genialer Einfachheit sowohl nutzbaren 
Raum in den Giebelaufsätzen, wie Höhe für das Observatorium, wie 
endlich Licht für die Anatomiekammer gewann, indem er den in 
die hohe Kehlung der Kammer eingeschnittenen sechs Bundfenstern 
Licht über die niedrigen und nach hinten abgestumpften Satteldächer 
der Giebelaufsätze und aus den Zwickeln von Längsdach und Querdach 
zufließen ließ; vgl. Abb. 4 und Kassel Tafel 337,1. Die Anatomiekam- 
mer, die als leichter achteckiger Fachwerkbau das Altantürmchen trug, 
ist ein langgestrecktes Rechteck mit abgestumpften, von Nischen ein- 
genommenen, Ecken, mißt 9,90 : 5,85 In und liegt beträchtlich hinter 
die Gebäudemitte verschoben, 1 5 m von der Vorderfront, 9 m von der 
Rückfront entfernt. (Für die achteckige Laterne auf der Hugenotten- 
kirche hatte Paul du Ry mehr als das Doppelte der Grundfläche ver- 
anschlagt! Kassel S. 209 u. Tfl. 136). Über ihrer eingewölbten Decke 
erhob sich das - höchstens ebenso groß bemessene - Türmchen. Eine 
dreimal gebrochene Treppe, im letzten Ast (s. Abb. 2) in zwei ver- 
schieden steile Züge geteilt, führt vom Niveau des Anatomieestrichs 
auf den Estrich des Observatoriums. Der letzte zehnstufige Zug ist 
in sparsamster Ausnutzung des Raums über die Voute der Anatomie- 
decke eingespannt und ist seit der Abmontierung des Türmchens unter 
dem Notdach nur noch gebückt zu benutzen. Wie der Aufbau auf 
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