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daß du dich den Winter durchbringest? da war
niemand, der eines Knechtes bedurfte, als ein
Kirschner, der wollte einen Gesellen annehmen
von seinem Handwerk, da dachte Eulenspiegel:
was willst du thun? es ist Winter, du mußt
leiden, was du leiden kannst, und verdingte sich
zu dem Kirschner fuͤr einen Gesellen. Wie aber
der Kirschner mit seiner Frau zu Bette ging,
da nahm Eulenspiegel die bereiteten Fell, die auf
den Stangen hingen, und nimmt die trocknen
Fell, die geledert waren, und die nassen, traͤgt
sie zusammen auf die Buͤhne, kroch mitten darun—
ter, und schlief also darin, bis an den Morgen, da
stund der Meister auf, und sahe, daß die Fell
miteinander von der Stangen hinweg waren, lief
geschwind auf die Buͤhne, und wollte Eulenspiegel
aae ob er nichts von den Fellen wuͤßte, da
fand er Eulenspiegel nicht, und sahe, daß die
Pelze trockene und nasse beieinander lagen einer
durch den andern. Da wurde er sehr bekuͤmmert,
und rief mit lauter Stimme der Magd und Frau—
en, von dem Rufen erwachte der Eulenspiegel,
stund auf aus den Pelzen, und sprach: Lieber
Meister, was ist euch, daß ihr so heftig ru—
fet? Der Kirschner verwunderte sich, und wuß—
te nicht, was in dem Haufen Pelzen war, und
sprach: Wo bist du? Eulenspiegel sagte: Hier
bin ich. Der Meister sagte: Daß dir nimmer
Gutes geschehe, du hast mir die Pelze von den
Stangen genommen, die trocken und nassen aus
dem Kalk hier zusammen gelegt, und verdirbst
mir eins mit dem andern, was ist das fuͤr eine Pfan—
tasie? Eulenspiegel sprach: Wie Meister, wer—