Mann." „W-rnach horchst du denn?" „Was in der Welt sich
eben zutragt, denn ich höre alles, sogar das Gras höre ich wach
sen " Fragte der Königsfehn: „sag mir, was hörst du am Host
der alten Königin, welche die schöne Tochter hat." Da antwor
tete er: „ich höre das Schwert sausen, das einem Freier den
Kopf abschlägt." Der Königssohn sprach: „ich kann dich brau
chen, komm mit mir." Da zogen sie weiter und sahen einmal
ein paar Füße da liegen und auch etwas von den Beinen, aber
Das Ende konnten sie nicht sehen; als sie nun eine gute Strecke
fortgegangen, kamen sie zu dem Leib und endlich auch zu dem
Kopf. „Ei, sprach der Königssohn, was bist du für ein langer
Strick!" „O, antwortete der Lange, das ist noch gar nichts,
wenn ich mich erst recht ausstrecke, bin ich noch dreitausendmal so
kang und größer, als der höchste Berg auf Erden. Ich will euch
gerne dienen, wenn ihr mich wollt." „Komm mit, sprach der
Königssohn, ich kann dich brauchen." Sie zogen weiter und fan
den einen am Weg sitzen, der hatte die Rügen zugebunden. Sprach
der Königssohn zu ihm: „bist du blind oder hast du blöde Rügen,
daß du nicht kannst in das Licht sehen?" „Nein, antwortete der
Mann, ich darf die Binde nicht abnehmen, denn was ich mit mei
nen Rügen ansehe, das springt aus einander, so eine große Ge
walt steckt darin. Kann euch das nützen, so will ich euch gern
dienen." „Komm mit, antwortete der Königssohn, ich kann dich
brauchen." Sie zogen weiter und fanden einen Mann, der lag
mitten r'm heißen Sonnenschein, und zitterte und fror am ganzen
Leibe, so daß ihm kein Glied still stand. „Wie kannst du nur ss
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ftjeren, sprach der Königssohn, die Sonne scheint ja so warm?"
„Ach, antwortete der Mann, je heißer es ist, destomehr frier ich
und der Frost dringt mir dann durch alle Knochen, und je kälter
es ist, desto heißer wird mir und mitten im Eis kann ichs vor
Hitze und mitten im Feuer vor Kälte nicht aushalten." „Du bist
ein wunderlicher Kerl, sprach der Königssohn, aber wenn du mir
! tfenen willst, so komm mit." Nun zogen sie weiter und sahen
einen Mann stehen, der machte einen langen Hals und schaute
um sich und über alle Berge hinaus. Sprach der Königssohn:
„wornach siehst du so eifrig?" Da antwortete der Mann: „ich
habe so helle Augen, daß ich über die Wälder und Felder, Thä
ler und Berge hinaus und durch die ganze Welt sehen kann."
Der Königssohn sprach: „willst du, so komm mit mir, denn so
einer fehlte mir noch."
Nun zog der Königssohn mit seinen sechs Dienern in die Stadt
rin, wo die schöne und gefährliche Jungfrau lebte, ging zu der
alten Königin und sprach: „ so ihr mir eure Tochter geben wollt,
will ich vollbringen, was ihr auferlegt." „Ja, antwortete die
Zauberin, dreimal will ich dir einen Bund aufgeben, lösest du
ihn jedesmal, so sollst du der Herr und Gemahl meiner Tochter
werden." Sprach er: „was wollt ihr mir zuerst aufgeben?"
„Daß du mir einen Ring wiederbringst, den ich ins rothe Meer
habe fallen lassen." Da ging der Königssohn heim zu seinen
Dienern und sprach: „der erste Bund ist rncht leicht, ein Ring
soll aus dem rothen Meer geholt werden, nun schafft Rath."
Da sprach der mit den hellen Augen: „ich will sehen, wo er
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