Full text: Adreß- u. Einwohnerbuch der Stadt Kassel sowie sämtlicher Ortschaften des Landkreises Kassel (Jg. 93.1929)

Trennungstüren unabhängigen Beweglichkeit auszu 
schöpfen: das ist die jüngste und stärkste Abteilung 
der großen Sammlungen, das Kabinett der religiösen 
Kunst des deutschen Mittelalters. Hier birgt das Haus 
die blutrot-golden-schimmernde Tafel von Merxhausen, 
den weitausladenden Altar des Klosters am Ahnaberg, 
die gewaltigen Totenschilde eines erlöschenden Adels 
geschlechts, hier findet sich das romanisch strenge Stein- 
köpfchen einer Fürstin aus Fritzlar zu dem unsagbar 
milden, aus dem weichsten Holz geschnitzten Standbild 
der Madonna aus dem mittelrheinischen Laub. Wie 
wenig Werke und wie viele Meister, wie wenig Stämme 
und wie viele Charaktere! Das üppige Franken neben 
dem herben Schlesien, der von französischer Grazie 
geschmeidig gewordene Westen neben dem unbehilflich 
störrischen fast abweisenden Hessen. 
Unsere Führung, könnten wir sie besser schließen, 
als indem wir aus der Weite des klassischen Altertums, 
aus der Tiefe der grauesten Vorzeit in die allerengste, 
allervertrauteste Nähe zurückkehren? Wir setzen wie 
ein Siegel unter unsere Worte als Sinnbild jener 
Kräfte, die lebendig wirkten und diesem Hause seinen 
Boden schufen, den schlichten namenlosen Andachts 
stein vom alten Friedhof unserer Stadt Kassel. 
Spätgotisches A n d a ch t s b i l d von 1491 
Uber dem knieenden Etifterpaar im Spruchband: 
..Kisorere inei o Christe fili dei.“
        

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