Full text: Einwohnerbuch der Stadt Cassel (Jg. 88.1923)

Teil I. 
Städtische indirekte Steuern. 
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Der Empfänger der mit der Post eingehenden steuerpflichtigen Sondungen ist zur unverzüg 
lichen Versteuerung beim Stadt-Steueramt oder bei einer der vorbezoichneten Steuorstellen verpflichtet. 
Einbringer und Empfänger haften gemeinsam für die Steuer. 
Unterlassene Anmeldungen werden bestraft. 
II. Grundstückswertzuwachssteuer. 
Die Wertzuwachssteuer wird nach den Bestimmungen des Ortsstatuts betr. die Erhebung 
der Wertzuwachssteuer im Bezirk der Stadt Cassel vom 20. 5. 1920 erhoben. 
III. Vergnügungssteuern. 
1. Steuerpflichtige Veranstaltungen. 
Alle im Stadtbezirke veranstalteten Vergnügungen unterliegen einer Steuer nach den 
Bestimmungen dieser Steuerordnung. 
Als steuerpflichtige Vergnügungen im Sinne des Abs. 1 gelten insbesondere folgende 
Veranstaltungen : 
1. Tanzbelustigungen, Kostümfeste, Kostümbazare, Maskenbälle, Narrenabende, Rummel- 
platzveranstaltungen; 
2. Volksbelustigungen, wie Karusselle, Schaukeln, Hippodrome, Schieß- und Würfelbuden, 
Krafthämmer und ähnliche Apparate, Vorrichtungen zur mechanischen Wiedergabe 
musikalischer Stücke oder deklamatorischer Vorträge, Geschicklichkeitsspiele, Glücks 
räder, Veranstaltungen zum Ausspielen von Geld oder Gegenständen, Rutsch- oder 
ähnliche Bahnen, Velodrome oder dergl.; 
8. Schaustellungen jeglicher Art sowie Ausstellungen und Museen mit Ausnahme der 
jenigen Ausstellungen und Museen, die nicht Erwerbszwecken dienen oder die sich 
als wissenschaftliche Veranstaltungen darstellen, Figurenkabinette, Panoramen, Panop 
tiken, Vorführung eines Kasperletheaters auf Messen und Rummelplätzen, abgerichteter 
Tiere, Menagerien und dergl.: 
4. Zirkus-, Spezialitäten-, Variete-, Tingeltangel-Vorstellungen, Kabarette; 
5. Sportliche Veranstaltungen; 
<5. Vorführung von Licht- und Schattenbildern, Puppen- und Marionettentheatern; 
7. Theatervorstellungen, Ballette: 
8. Konzerte und sonstige musikalische und gesangliche Aufführungen, Vorträge, Vor 
lesungen, Deklamationen, Rezitationen, Vorführung der Tanzkunst, Vereinsunterhal- 
tungen, Kommerse und dergl. 
Die Annahme einer Vergnügung im Sinne dieser Steuerordnung wird nicht dadurch aus 
geschlossen, daß die Veranstaltung gleichzeitig auch noch erbauenden, belehrenden oder anderen 
nicht als Vergnügen anzusehenden Zwecken dient, oder daß der Unternehmer nicht die Absicht 
hat, eine Vergnügung zu veranstalten. 
§ 4. Anmeldung. 
Jede steuerpflichtige Veranstaltung ist spätestens einen Werktag und, falls sie der 
Kartensteuer unterliegt, spätestens zwei Werktage vorher bei der Steuerstelle (Magistrat, Stadt 
steueramt) anzumelden. Hat die Anmeldung nicht rechtzeitig erfolgen können, weil die Ver 
anstaltung noch nicht feststand, so ist sie spätestens bis zum zweiten Werktag nach der 
Veranstaltung nachzuholen. 
Ebenso sind Tanzstundenzirkel vor Beginn und die für jeden Tanzstundenzirkel statt 
findenden Zubehörveranstaltungen vor der Veranstaltung unter Angabe der Zeit und des Ortes 
vom Tanzlehrer anzumelden. 
Über die Anmeldung wird eine Bescheinigung erteilt. 
Zur Anmeldung verpflichtet ist sowohl der Unternehmer der Veranstaltung wie der 
Inhaber der dazu benutzten Räume oder Grundstücke. Letzterer darf die Abhaltung einer 
steuerpflichtigen Veranstaltung erst zulassen, wenn ihm die Anmeldebescheinigung vorgelegt 
ist, es sei denn, daß es sich um eine unvorbereitete und nicht vorherzusehende Veranstaltung 
handelt. 
Bei Veranstaltung einzelner Unternehmer kann die Steuerstelle (Magistrat, Stadtsteueramt) 
eine einmalige Anmeldung für eine Reihe von Veranstaltungen für ausreichend erklären. 
§9. Eintrittskarten. 
Bei der Anmeldung (§ 4) der Veranstaltung hat der Unternehmer die Karten, die dazu 
ausgegeben werden sollen, der Steuerstelle (Magistrat, Stadtsteueramt) vorzulegen. Die Karten 
müssen mit fortlaufender Nummer versehen sein und den Unternehmer, Zeit, Ort und Art der 
Veranstaltung sowie das Entgelt oder die Unentgeltlichkeit angeben. Die Karten werden von 
der Steuerstelle (Magistrat, Stadtsteueramt) abgestempelt. 
Die Steuerstelle (Magistrat. Stadtsteueramt) kann bei der Anmeldung die Leistung einer 
Sicherheit in der voraussichtlichen Höhe der Steuerschuld verlangen; ebenso kann sie Aus 
nahmen von den Erfordernissen für den Inhalt der Karten gestatten und von der Abstempe 
lung absehen.
        

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