Full text: Adreßbuch der Residenzstadt Cassel sowie der Ortschaften Harleshausen, Ihringshausen, Niedervellmar, Niederzwehren, Oberzwehren, Sandershausen, Waldau, Wilhelmshöhe, Wolfsanger, Gartenstadt Brasselsberg und Gutsbezirk Fasanenhof (Jg. 82.1915)

Teil I. 
Städtische indirekte Steuern. 
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Ferner sind von der Zahlung der Hundesteuer befreit Fremde und Durchreisende, welche 
keinen, dauernden Aufenthalt in Cassel nehmen, sofern deren Aufenthalt die Dauer von drei 
Monaten nicht übersteigt, bezüglich solcher Hunde, welche sie bei ihrer Ankunft hier bereits 
besessen haben. 
§ 5. Die Hundesteuer wird auf 3 Mark ermäßigt: 
a) zu Gunsten der Hirten für höchstens je zwei Hunde: 
1)) zu Gunsten der aktiven Lokalforstbeamten, die zur Hundehaltung verpflichtet sind, für je 
einen Hund; 
c) für Hunde, die zur Bewachung einsam liegender Gehöfte oder zur Bewachung von Waren 
vorräten, die nicht in Gebäuden untergebracht werden können, nach dem Ermessen des 
Magistrats unentbehrlich und geeignet sind, unter der Bedingung, daß sie den Tag über 
dauernd entweder in einem besonders dazu bestimmten Raume eingeschlossen oder an der 
Kette gehalten werden und das Grundstück auch zur Nachtzeit unter keinen Umständen 
verlassen. Die Steuerermäßigung wird immer nur für einen auf dem betreffenden Grund 
stück gehaltenen Hund und nur dann gewährt, wenn der Besitzer des Hundes mit einer 
Staatseinkommensteuer von nicht über 52 Mark veranlagt ist; sie erlischt, sobald einer 
der vorgedachten Bedingungen zuwidergehandelt wird; 
d) für Zughunde von Gewerbetreibenden, die für den Betrieb ihres Gewerbes kein anderes 
Zugtier besitzen, sofern sie zur Gewerbesteuer wegen geringen Ertrages nicht veranlagt 
sind, und sofern die Hunde nach dem Ermessen des Magistrats zum Betriebe des Ge 
werbes unentbehrlich sind. Die Steuerermäßigung erlischt, sobald der Hund nicht mehr 
zu dem angegebenen Zwecke gebraucht wird; 
e) für Hunde, welche nach dem Ermessen des Magistrats zur Unterstützung mittelloser, 
tauber oder blinder Personen unentbehrlich sind: 
Für die zu c bis einschließlich e gedachten Hunde ist die Steuerermäßigung alljährlich 
von neuem nachzusuchen. 
§ 5 a. Für Hunde, welche nachweislich zu Zuchtzwecken gehalten werden, und deren 
Züchter sich verpflichten, ihre Zuchttiere und die von ihnen gezüchteten Hunde in ein von 
einer Züchterorganisation, z. B. vom Kartell der stammbuchführenden Spezialklubs oder von 
der Delegierten-Kommission anerkanntes Zucht- oder Stammbuch eintragen zu lassen, kann 
auf Antrag des Züchters eine Pauschalzwingersteuer entrichtet werden. Sie beträgt für die 
im Zwingerbetrieb befindlichen Zuchttiere sowie die anfallenden Zuchtprodukte bis zu ihrer 
Abgabe in den Stadtbezirk oder nach auswärts 30 Mark. 
Diese Steuervergünstigung wird an die Bedingung geknüpft, daß 
1. besondere geschlossene oder sonst geeignete Räumlichkeiten (Zwinger, Zuchtstall, 
Laufstall) vorhanden sind, und die Hunde stets innerhalb des Grundstücks ge 
halten worden, 
2. ordnungsmäßige, dem Magistrat jederzeit zur Einsicht vorzulegende Bücher ge 
führt werden, aüs denen der jeweilige Bestand und der Verbleib der veräußerten 
Hunde zu ersehen ist, 
3. alle Würfe und Veräußerungen von Hunden an im Stadtbezirk wohnhafte Personen 
innerhalb 8 Tagen beim Magistrat angemeldet werden. 
Der Besitzer eines Hundezwingers wird, wenn einer der in den Zwinger gehörigen Hunde 
außerhalb seines Gehöfts betroffen wird, im vollen Betrag für diesen Hund zur Hundesteuer 
herangezogen. 
§ 6. Jeder Besitzer eines steuerpflichtigen Hundes erhält für das laufende Steuerjahr 
(1. April bis 31. März) bei der ersten Steuerzahlung eine Steuermarke, deren Nummer auf der 
Steuerquittung vermerkt wird. Der Besitzer hat dafür zu sorgen, daß der Hund die Steuer 
marke das ganze Jahr hindurch in sichtbarer Weise an sich trägt. 
Den Besitzern steuerfreier Hunde (§ 4) wird unentgeltlich 1 eine Marke besonderer Form 
tHundefreimarke) ausgehändigt. Nur für diejenigen Wachhunde, für welche Steuerermäßigung 
gemäß § 5 c gewährt wird, werden Hundesteuermarken nicht verabfolgt. Wird für eine Marke 
Ersatz notwendig, so wird gegen eine Erlegung von 25 Pfennigen eine andere Marke verabfolgt. 
§ 7. Jeder Hauseigentümer oder Stellvertreter eines solchen ist verpflichtet, den städti 
schen Steueraufsichtsbeamten oder den sonst von der Steuerbehörde beauftragten Beamten 
auf Nachfrage über die in dem betreffenden Hause oder Gehöft gehaltenen Hunde und deren 
Besitzer Auskunft zu geben. 
§ 8. Einsprüche gegen die Heranziehung zur Hundesteuer sind binnen 4 Wochen 
nach der Aufforderung zur Zahlung bei dem Gemeindevorstand anzubringen. 
Gegen den darauf ergangenen Beschluß des Magistrats findet binnen zwei Wochen 
vom Tage der Zustellung an die Klage im Verwaltungsstreitverfahren bei dem Bezirksausschuß 
zu Cassel statt. 
Einspruch und Klage haben keine aufschiebende Wirkung. 
§ 9. Steuerrückstände werden im Wege des Verwaltungs-Zwangsverfahrens beigetrieben. 
S 10. Hunde, die an einem öffentlichen Orte ohne gültige Steuermarke angetroffen 
werden, können durch Beauftragte des Magistrats eingefangen und, wenn nicht innerhalb 
einer Frist von fünf Tagen von dem Berechtigten die Herausgabe verlangt wird, nach Maß 
gabe der §§ 979 bis 982 des Bürgerlichen Gesetzbuches öffentlich versteigert werden. Wenn
	        

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