Full text: Adress-Buch von Cassel (einschl. Wehlheiden) (Jg. 69.1902)

I. Verkehrswesen. 
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Die Zahl der für die einzelnen Halteplätze bestimmten Fahrpreis-Anzeiger-Droschken ist 
auf einer daselbst angebrachten Tafel bekannt gegeben. Ist die zulässige Zahl solcher Droschken 
dort bereits vorhanden, darf eine weitere Droschke Aufstellung daselbst nicht mehr nehmen. 
§ 3. Der Droschkenführer hat, wenn seine Droschke nicht besotzt ist, jeder Aufforderung 
zur Fahrt sogleich Folge zu leisten. 
Die Vorherbestellung einer Droschke ist unzulässig. 
Wird eine Droschke von einem Halteplatze aus an eine entfernte Stelle gerufen, so hat 
der Führer nur dann zu folgen, wenn der Besteller das bis zur Einsteigestelle für 1 Person in 
Ansatz zu bringende Fahrgeld entrichtet. 
§ 4. Der Fahrpreis-Anzeiger ist auf der Rückseite des Kutscherbockes anzubringen und 
gehört zur Ausrüstung der Droschke. Für den richtigen Gang desselben ist der Besitzer der 
Droschke verantwortlich. 
Fahrpreis-Anzeiger, welche von der Polizeibehörde für nicht mehr tauglich befunden sind, 
dürfen im öffentlichen Betriebe nicht weiter verwandt werden. 
§ 5. Jede Droschke muss ferner ausgerüstet sein mit: 
a. einer in Verbindung mit dem Fahrpreis-Anzeiger stehenden, am Kutscherbock be 
festigten und aus Eisenblech gefertigten Fahne mit der Aufschrift auf beiden Seiten: „frei“, 
b. einer am Kutscherbock beziehungsweise au der Fahne verstellbar angebrachten Laterne 
mit grüner Scheibe. 
§ 6. Der Kutscher, welcher nach polizeilichem Ermessen für diesen Droschkenbetrieb 
besonders geeignet sein muss, trägt einen weissen Cylinderhut, in der von der Polizeibehörde 
zu genehmigenden Form, mit der Droschkon-Nummer. 
Im Uebrigen finden auf ihn in Bezug auf Annahme und Bekleidung die Vorschriften des 
§ 4 der Polizei-Verordnung vom 1. Mai 1878 gleiche Anwendung. 
Solchen Kutschern, welcho nach dem Erachten der Polizeibehörde ungeeignet erscheinen, 
wird der Fahrschein ohne Weiteres wieder entzogen. 
§ 7. Wird die Drösche zur Fahrt angenommen, so hat der Führer den Fahrpreis-An 
zeiger auf die zur Anwendung kommende Taxe zu schalten beziehungsweise den Zuschlags 
zeiger auf den tariefmässig zur Hebung kommenden Zuschlag einzuiücken. 
Wartezeiten vor Beginn der Fahrt, oder Wege der etwa bis zur Einstoigesteile herbei 
geholten Droschke, kommen auf den Fahrpreis in Anrechnung. 
Kommt während der Fahrt eine andere Taxe zur Anwendung, z. B. durch Vermehrung 
oder Verminderung der Zahl der Fahrgäste, beim Uebertritt aus der Tages- in die Nachtzeit, 
beim Ueberschreiten der Grenzen des Stadtbezirks oder bei Rückkehr in denselben u. s. w., so ist 
der Fahrpreis-Anzeiger sofort auf dieso Taxe umzuschalten und gleichzeitig der Fahrgast auf 
die erfolgte ITmschaltung der Fahrpreisscheibe besonders aufmerksam zu machen. 
Treten während der Fahrt Umstände ein, welche die Erhebung eines Zuschlags oder die 
Erhöhung desselben erfordern, so hat der Führer sofort den Zuschlagszeiger auf den entsprechenden 
Betrag oinzuriieken. 
Bei eintretender Dunkelheit hat der Führer die verstellbare Laterne (§ 5) zu erleuchten 
und für ihre genügende Helligkeit zu sorgen. • 
Unmittelbar nach Beendigung der Fahrt hat der Führer den Fahrpreis-Anzeiger auf 
„Kasse“ zu schalten und dio Fahne senkrecht zu stellen, den Betrag des Fahrpreises einschliess 
lich etwaiger Zuschläge aber laut und deutlich dem Fahrgast anzusagen. 
Bei Fahrten nach den Theatern, dem Bahnhofe, grösseren Vergnügungslokalen und son 
stigen Orten, an welchen ein grösserer Wagenverkehr stattfindet, hat der Führet den Fahrpreis 
kurz vor dem Ziele, jedenfalls aber so einzuziehon, dass er den Verkehr nicht hindert. 
Im Uebrigen gilt bei Handhabung des Fahrpreis-Anzeigers die dem Apparate, beigegebene 
Beschreibung. 
§ 8. Die Zeigerscheiben des Fahrpreis-Anzeigers und der Zuschlagsvorrichtung müssen 
den Fahrgästen beständig sichtbar bleiben und dürfen insbesondere durch überhängende Klei 
dungsstücke des Führers nicht verdeckt werden. Ebensowenig ist es gestattet, den im Innern 
der Droschko angebrachten Tarif während des Betriebes der Droschke zu verdecken. 
§ 9. Mehr als 4 Personen darf der Führer nicht gleichzeitig befördern. 
§ 10. Die Bezahlung der Falliten erfolgt auf Grund des dieser Verordnung beigefügten 
Tarifs nach dem Fahrpreis-Anzeiger imd dem Zeigerstand der Zuschlagsvorrichtung. 
ln keinem Falle darf der Führer höhere Beträgo als die, welche vom Fahrpreis-Anzeiger 
angezeigt sind, fordern oder erhoben. 
§ 11. Tritt eine Störung im Gangwerk des Fahrpreis-Anzeigers während des Betriebes 
ein, so hat der Führer unverzüglich auf dem nächsten Wege nach der Droschken-Anstalt zu fahren. 
Tritt eine solche Störung bei einer Fahrt mit von Fahrgästen besetzter Droschke ein, so 
hat der Führer auf Bezahlung des Fahrgeldes keinen Anspruch. Verlangt jedoch in eipem 
solchen Falle der Fahigast die Beendigung der Fahrt, so hat der Führer diesem Verlangen 
nachzukommen, sofern sich die Droschke sonst in vorschriftsmässigem Zustaudo befindet. 
Bie Bezahlung der Fahrt erfolgt alsdann nach Massgabo der allgemeinen Tarifbestimmungen 
für Droschkenfahrton gemäss Polizei-Verordnung vom 1. Mai 1878.
	        

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