Full text: Technisches Gemeindeblatt (9.1906, 13)

dieser Zeitpunkt dadurch, daß die Büchersammlung, die eigent- 
lich erst nach Beschaffung der erforderlichen eigenen Räum- 
verständlich, daß alle diese modernen Einrichtungen auch bei 
der Planung und Ausführung der Murhardschen Bibliothek 
lichkeiten dem Publikum zugängig gemacht werden sollte, Berücksichtigung gefunden haben. 
schon früher in Mietsräumen eröffnet wurde. Doch hat diese 
Abb. 51. 
 
 
 
  
 
 
  
""_'1 
 
III 
 
AEIE 
__._.: JML 
lllll 
 
IQÄÄ 
llllllll 
l 
glliif 
' E 
 
 
l 
Erdgeschoß. 
Murhardsche Bibliothek der Stadt Cassel. 
Verzögerung der Sache sicherlich nicht geschadet, denn ge- 
rade in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts hat 
der Bibliotheksbau diejenige Ausbildung erfahren, die, was 
technische Einrichtung anlangt, mit der früherer Bauten dieser 
Art nicht in Vergleich gesetzt werden kann, und es ist selbst- 
 
  
  
Auf der zur Verfügung stehenden Baustelle, die etwa 
15000 Quadratmeter groß ist, kamen für die Errichtung 
des Hauses zwei Plätze in Frage, nämlich der an der 
Biegung der Weinbergstraße, gegenüber der von der Straße 
Schöne Aussicht nach dieser hinaufführenden Treppe ge- 
legene und der den Abschluß der vom Friedrichsplatze 
heraufsteigenden Karlstraße bildende Platz an der pro- 
jektierten verlängerten Humboldtstraße. 
Für den ersteren war bereits früher ein Projekt 
bearbeitet worden, so daß sich über seine Brauchbarkeit 
ein Urteil fällen ließ; für letzteren war dies, als der Bau- 
ausfiihrung nähergetreten werden sollte, noch nicht der Fall. 
Bei der Verschiedenheit der Ansichten hinsichtlich der 
Platzfrage und da selbstverständlich die Stadt den Wunsch 
hatte, auf dem bevorzugten Platze einen diesem angepaßten, 
möglichst schönen Bau entstehen zu lassen, wurde be- 
schlossen, für diese reizvolle und dankbare Aufgabe eine 
Lösung durch einen öffentlichen Wettbewerb unter den 
Architekten Deutschlands anzustreben, und um ein präzises 
und zutreffendes Programm für diesen Wettbewerb ent- 
werfen zu können, wurde zunächst vom Stadtbauamt ein 
Vorprojekt für die Errichtung des Baues an dem Platze 
in der Axe der Karlstraße ausgearbeitet, und hierauf erst 
das Programm für den Wettbewerb aufgestellt. Die Wahl 
eines der beiden in Frage gezogenen Bauplätze wurde 
hierbei den sich am Wettbewerbe beteiligenden Künstlern 
freigestellt. 
Der AWettbewerb, der im Februar 1901 zur Entscheidung 
kam und bei dem die Herren Oberbaudirektor Dr.- Durm- 
Karlsruhe, Stadtbaurat Professor Licht-Leipzig, Geh. Ober- 
baurat Thür-Berlin, Architekt Eubell-Cassel und der Ver- 
fasser dieser Zeilen als technische Preisrichter mitwirkten, 
hatte das Ergebnis, daß unter 48 eingegangenen Entwürfen 
der mit dem Kennzeichen 1901 versehene des Herrn Archi- 
tekten Hagberg-Friedenau mit dem ersten Preise aus- 
gezeichnet wurde. 
Da dieser Entwurf als Bauplatz den in der Axe der 
Karlstraße gelegenen Teil des der Stiftung gehörigen 
Grundstücks vorsah, aber auch verschiedene beachtens- 
werte Lösungen für den andern Platz vorlagen, so hatte 
das Preisgericht durch sein Urteil zugleich ausgesprochen, 
daß es diesen Platz für den geeignetsten hielt, und 
nach eingehenden Erwägungen entschieden sich auch die 
städtischen Körperschaften für ihn und für Ausführung 
des Hagbergschen Entwurfs. 
Für die Ausführung des Baues standen aus Stiftungs- 
mitteln 400000 M. zur Verfügung, und dieser Betrag durfte 
keinesfalls überschritten werden. Um dies möglichst sicher- 
zustellen, wurde mit dem Künstler ein Vertrag dahin ab- 
geschlossen, daß ihm gegen Vergütung nach den Sätzen 
der Gebührenordnung die Anfertigung der Pläne, dem 
Stadtbauamte die technische Ausführung des Baues über- 
tragen wurde. Selbstverständlich wurde dem Architekten 
auch der erforderliche Einfluß auf die Bauausführung in 
künstlerischer Hinsicht eingeräumt, und da mit dem Bau 
nicht eher begonnen wurde, als bis durch den vom Stadt- 
bauamt und vom Architekten gemeinschaftlich aufgestellten 
Kostenanschlag sicher nachgewiesen war, daß Uber- 
schreitungen nicht zu erwarten seien, hat sich im vor- 
liegenden Falle diese Teilung der Arbeit vollkommen be- 
währt und ist der Bau ohne jeden Zwischenfall und unter 
Einhaltung der zur Verfügung stehenden Bausumme glück- 
lich zu Ende geführt worden. 
Die ganze Bauanlage stellt eine nach allen Seiten 
freistehende, unregelmäßige. malerische in Grundriß und 
Aufbau reich gegliederte Baugruppe dar, deren jeder 
einzelne Teil seine Zweckbestimmu_ng deutlich zum Aus- 
drucke bringt. 
Parallel zu der projektierten Verlängerung der Humboldt- 
straße steht der dieVerwaltungsräume enthaltende Hauptbau, 
der im ersten Geschoß einen durch zwei Geschosse reichenden 
großen Saal mit Nebenraum enthält. Wenn dieser als Aus- 
stellungs- und Vortragssaal gedachte Raum für den Bibliotheks- 
betrieb vielleicht auch hätte entbehrt werden können, so war 
für seine Anordnung doch der Gedanke maßgebend, der Stadt
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.