Full text: Technisches Gemeindeblatt (9.1906, 13)

nachgeholfen werden, je ungleichmäßiger die Kohle ist. Für Förder- 
kohle war ein Vorteil gegenüber der Handbeschickung nicht zu 
konstatieren. Hinsichtlich des Einflusses der Sekundärluft bei der 
mechanischen Beschickung war festzustellen, daß bei mäßiger Rost- 
anstrengung ein wesentlicher Unterschied ohne und mit Verwendung 
solcher nicht eintrat. Dagegen ergaben sich bei höheren An- 
strengungen ohne Sekundärluft immerhin Verluste durch unvoll- 
kommene Verbrennung bis zu 6 v. H., so daß hierbei durch An- 
wendung von Sekundärluft doch eine Steigerung der Ausnutzung 
um etwa 3 v. H. bei gleichzeitiger Einschränkung der Rauch- 
entwickelung sich erreichen ließ. Die Luftzufuhr von vorn durch 
die mit Gitterwerk versehene Feuer-tür war in diesem Falle zweck- 
mäßig." H. 01er. Nußbaum (Hannover). 
Mitteilungen aus derVerwa1tungspraxis. 
Kanalisation und Beseitigung und Reinigung 
der Abwässer. 
Kläranlage in Posen. Uber die Frage der Einführung der 
Fäkalien in die Warthe nach vorheriger mechanischer Klärung ent- 
hält der Bericht über die Verwaltung der Provinzialhauptstadt Posen 
für die Zeit vom 1. April 1905 bis 31. März 1906, der mit erfreu- 
licher Promptheit schon jetzt erschienen ist, folgende Angaben: 
Bei der Durchführung der Kanalisation hatte die Stadt die Ge- 
nehmigung erhalten, die Abwässer mit Ausnahme der Fäkalien in 
die Warthe zu leiten. Mißstände machten sich bei den günstigen 
Wasserverhältnissen der Warthe nicht bemerkbar, auch trat eine 
Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der in den Städten und 
Dörfern stromabwärts Posens wohnenden Bevölkerung in keiner 
Weise ein. Die pneumatische Abfuhr der Fäkalien funktionierte 
eine Reihe von Jahren hindurch gut. Mit dem Wachstume der Stadt 
aber traten Ubelstände ein, welche die Unterbringung der Fäkalien 
immer schwieriger gestalteten. Die Entfernungen für die Abfuhr 
wuchsen; infolge der Einführung der Wasserspülklosctts nahmen die 
Fäkalienm-engen zu. Die Gruben wurden für die Wasserklosetts zu 
klein und mußten sehr oft geleert werden. Die Unterbringung in 
der Landwirtschaft wurde immer schwieriger, die Abfuhrkosten, 
welche die Beseitigung der Fäkalien erfordert, für die Stadt und 
die Hausbesitzer immer größer und damit der Wunsch der städti- 
schen Verwaltung und Bevölkerung nach Einführung der Schwemm- 
kanalisation immer dringender. Die Wünsche der Stadt wurden 
niedergelegt in einem Antrag an den Herrn Regierungspräsidenten 
vom 8. Juli 1903, in dem die Erlaubnis zur Einführung der 
Fäkalien in die Kanalisation erbeten wurde. Die Verhandlungen 
mit den Vertretern der in Betracht kommenden Behörden und 
der Stadt führten zu dem Ministerialerlasse vom 14. August 1904, 
nach dem der Stadt die widerrufliche Genehmigung zur Ein- 
leitung der Fäkalien von Spülklosetts in die Kanalisation und damit 
in die Warthe erteilt wurde. Es wurde eine mechanische Reinigung 
der Wässer unter Verwendung von Rechenanlagen und Klärbecken 
oder Brunnen insoweit verlangt, daß alle Schwebe- und Sinkstoffe 
bis zu einer Größe von 2-3 mm herab von dem Flußlaufe fern- 
gehalten würden. Die Wahl des Platzes für die Kläranlage und der 
Klärmethode wurde der Stadt überlassen und sollte durch das zur 
Genehmigung vorzulegende Projekt zum Ausdrucke gebracht werden. 
Zur Beurteilung der Frage, welches System der Abwässer- 
reinigung für die Posener Verhältnisse sich am besten eigne, fand 
eine Besichtigung verschiedener bereits ausgeführter Reinigungs- 
anlagen durch Mitglieder der städtischen Körperschaften statt. Die 
Mittel zu den weiteren Vorarbeiten und den erforderlichen Be- 
sichtigungsreisen wurden am 28. September 1904 von der Stadt- 
verordnetenversammlung bewilligt und gleichzeitig die Mitglieder 
der Deputation, welche die Besichtigung der auswärtigen Reinigungs- 
anlagen vornehmen und daraufhin die nötigen Vorschläge machen 
sollte, ernannt. 
Die Herren haben im Oktober und November 1904 die Klär- 
anlagen in Friedrichsfelde und Osdorf bei Berlin, Potsdam, Dortmund, 
Düsseldorf, Wiesbaden, Frankfurt a. M., Mannheim, Cassel, Ohrdruf, 
Dresden, Neustadt__O.[S., Thorn, Allenstein und Stargard i. P. ein- 
gehend besichtigt. Uber die Besichtigungsreise wurde den Mitgliedern 
des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung und der Tiefbau- 
deputation am 17. Januar 1905 durch den Stadtbaurat Schulz ein 
ausführlicher Vortrag gehalten. Hierbei machte Professor Dr. Wer- 
nicke über die von ihm bei der Besichtigung gewonnenen Eindrücke 
und Stadtverordneter Kindler über die Kläranlage in Cöln Mitteilung. 
- Auf Grund der Besichtigung wurden vom städtischen Tiefbauamte 
sechs Projekte nebst Anschlägen für den Bau und-Betrieb von ver- 
schiedenen möglichen mechanischen Kläranlagen gefertigt und einer l 
gemischten Deputation zur Weiterberatung der Angelegenheit be- 
treffend Schaffung einer Kläranlage am 8. Juni 1905 vorgelegt. Die 
Projekte waren nach der Richtung bearbeitet, die durch den 
ministeriellen Erlaß über die bedingungsweise Einleitung der Kanal- 
Wässer einschl. Fäkalien nach der Warthe gegeben war. Die Ent- 
Würfe, die einmal die Erbauung der Kläranlage bei der jetzigen 
Pumpstation, dann auch ihre Anlage auf dem linken Wartheufer 
unterhalb des Schillings vorsahen, wurden eingehend beraten. Hier- 
bei wurde noch ein Projekt gefordert, nach dem die Reinigung 
der Abwässer mittels einer Rechenanlage und dahinter geschalteten 
Beckens, in welchem den Abwässern Luft mittels Rohrleitungen 
durch Einblasen zugeführt wird, erfolgt. Es wurde nach wieder- 
holten Besprechungen beschlossen, eine Kläranlage unterhalb des 
Schillingstors in den erweiterten Hauptsammelkanal kurz vor dessen 
Einmündung in die Warthe zu bauen. Die Anlage sah die Reinigung 
der Abwässer durch Rechen vor. 
Dieses Projekt wurde der Königlichen Regierung vorgelegt und 
in einer Konferenz am 12. Februar 1906, an der Vertreter der 
Ministerien des Kultus und der öffentlichen Arbeiten, der Regierung, 
der beteiligten Behörden und der Stadtgemeinde sowie technische 
Sachverständige teilnahmen, eingehend beraten. --- In dieser Kon- 
ferenz wurden von Seiten der beiden Ministerialinstanzen gegen das 
Projekt als ein endgültiges Bedenken erhoben und wurde die Erklärung 
abgegeben, daß die Anlage als eine dauernde unter keinen Um- 
Ständen genehmigt werden könnte. Man stellte jedoch, nachdem 
sich die Vertreter der Stadt bereit erklärt hatten, spätestens in drei 
Jahren ein definitives Projekt vorzulegen, in Aussicht, daß das 
Projekt nach einigen Abänderungen als Provisorium genehmigt werden 
würde. Das daraufhin geänderte Projekt__erhielt außer einigen ge- 
ringen Verbesserungen eine wesentliche Anderung gegenüber dem 
früheren dahin, daß die Kläranlage nicht mehr in die Nähe des 
Auslaufs in den Vorfluter gelegt, sondern mit der alten Pump- 
station an der Umschlagstelle am Gerberdamm in Verbindung ge- 
bracht werden soll. Die Reinigung erfolgt danach zunächst durch 
Rechen und darauf durch eine Siebtrommelanlage, in der die 
über 3 mm Formgröße hinausgehenden festen Stoffe ausgesondert 
und auf kürzestem Wege in die zum Transporte bestimmten ver-V 
schließbaren Wagen befördert werden. Gleichzeitig mußte in dem 
Projekte der Forderung Rechnung getragen werden, daß im Falle von 
Epidemien eine Desinfektion der abzuleitenden geklärten Abwässer 
durch Chlorkalk vorgenommen werden könne. 
In einer am 9. April 1906 abgehaltenen Konferenz, an der 
Vertreter der Königlichen Regierung, städtischer Behörden und der 
Stadtvertretung teilnahmen, wurde dieses Projekt gutgeheißen. Es 
wurde nur noch die Forderung aufgestellt, daß die Stadt sich bereit 
finden müsse, falls eine genügende Beseitigung der Fettsubstanzen 
nicht erreicht werde, hiergegen noch die nötigen Vorkehrungen zu 
treffen, und daß unbedingt darauf hingewirkt werde, daß verwendeter 
Chlorkalk nur gründlich gefiltert die Warthe erreiche. Die Wirkungen 
des Chlorkalks müßten durch Eisenvitriol aufgehoben, der Zer- 
störung der in der Warthe vorhandenen und für die Klärung not- 
wendigen Organismen vorgebeugt werden. Dieses Projekt wurde 
von Vertretern der Königlichen Regierung sowie von Professor 
Dr. Wernicke und Stadtbaurat Schulz den Vertretern des 
Kultus- und Arbeitsministeriums am 12. April in Berlin vorgelegt. 
Die Ministerialvertreter sprachen sich für das Projekt aus, das 
zu keinen Beanstandungen Anlaß gebe, so daß die Posener Regierung 
allein zur Erteilung der Genehmigung für die Errichtung der Anlage 
ermächtigt werden würde. Am 5. Mai wurde das Projekt nebst 
Erläuterungsbericht der Königlichen Regierung zur Genehmigung 
vorgelegt. die am 15. Juni 1906 erfolgte. 
Straßenreinigung und Straßenbesprengung. 
Straßenbesprengnng in Leipzig. Nach dem jetzt zur Ausgabe 
gelangten Verwaltungsberichte haben die Kosten für die Besprengung 
der städtischen Straßen im Jahre 1904 ohne Kosten für Neu- 
beschaffungen 15733559 M. betragen. Es ist vom 19. März bis 
2. Oktober an 129 ganzen und 29 halben Tagen eine Fläche von 
3589 282 qm zu besprengen gewesen und berechnen sich die Kosten 
dafür auf 4,83 Pf. pro 1 qm. Nachdem ein Sprengwagen und vier 
Handsprengwagen neu beschafft worden sind, besteht das Inventar aus 
14 Sprengwagen System Reichel-Dresden, 
10 „ „ Miller-Hamburg, 
3 „ mit Turbine, 
74 „ „ Brauserohr. 
Wenn hieraus zu entnehmen ist, daß etwa 542 000 cbm Leitungs- 
wasser im Werte von 30000 M. hierfür Verwendung finden mußten, 
so wird man zugeben müssen, daß es wenig rationell erscheint, aus 
der Umgebung von Neunhof (etwa 14 km von Stadtmitte) Grund- 
wasser zu entnehmen, dasselbe aufzuspeichern und auch noch zu 
enteisenen, während man für diesen Zweck billiges rohes Flußwasser 
ebensogut würde verwenden können. Die Verhältnisse der Groß- 
stadt und die geringe Wasserfiihrung von Elster und Pleiße lassen 
die Entnahme von Flußwasser jedoch als untunlich erscheinen, und 
ist daher das städtische Tiefbauamt schon längere Zeit bedacht 
gewesen, die Menge des zur Straßenbesprengung nötigen Leitungs- 
Wassers tunlichst einzuschränken. dabei aber Bedacht zu nehmen, 
wie die Staubbildung auf makadamisierten Straßen vermieden werden 
könne, denn diese Straßen bieten besondere Belästigung für die An- 
wohner und lassen sich aus verschiedenen Gründen nicht durch 
Pflasterung oder Asphaltierilng beseitigen, dagegen kommen zur 
Verminderung der Staubbildung verschiedene Mittel in Frage. 
Von verschiedenen Seiten wurde Westrumit empfohlen; es ge- 
langte dieses Mittel auf dem Fahrwege von der Wettin- nach der 
Marienbrücke (hinteres Rosenthal) und auf dem Viadukte der Berliner 
Straße versuchsweise zur Verwendung.
	        

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