Full text: Gedichte und Uebersetzungen

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Heller und heller die Augen ihr schwimmen — 
Klingt's nicht wie fröhlicher Enkelchen Stimmen? 
O, wie so träumend die Zeit doch vergeht. 
Schon graut der Morgen — sie sitzt noch und näht l 
— Heute nach etlicher Monate Pause 
Kehr ich wieder spät Abends nach Hause, 
Blicke, wie stets, noch zum Fenster empor: 
Sieh', da strahlt's Heller, als jemals zuvor! 
Fort ist der Lampe verdunkelnder Schleier, 
Lichtglanz im Stübchen, als gelt's eine Feier, 
Doch, wie alltäglich von frühe bis spät 
Sitzt sie auch heut an der Arbeit und näht. 
Und wie es scheint an gar schmuckem Gewände, 
Schneeweiß mit Schleifen von rosigem Bande; 
Da ist des Kleinen Geburtstag wohl nah. 
Doch warum sitzt sie so regungslos da? 
Blickt keinmal auf, ohne Lächeln und Thränen, 
Trotzig, gleich wie mit verbissenen Zähnen, 
Starrenden Auges näht fort sie und fort — 
Gott, ist es möglich! Was sehe ich dort!
	        

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