Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1821)

And selbst langbewährten Fabrik-Anstalten den 
Untergang drohen, ist es für den Vaterlandsfreund 
doppelt erfreulich, wenn er, dieser ungünstigen 
Zettverhältniffe ungeachtet j neue Manufacturen 
auf vaterländischem Boden aufblühen sieht. 
Die diesjährige Gewerb-Ausstellung liefert 
hiervon manche schöne Beweise, und es laßt sich 
mit Zuversicht hoffen , daß mehrere wichtige Ma 
nufacturen /nachdem die großen Schwierigkeiten, 
womit alle diese Anstalten bei ihrer Errichtung 
zu kämpfen haben, durch die Geschicklichkeit und 
Festigkeit der Unternehmer besiegt worden sind, 
fortwährend kräftig gedeihen und dem vaterländi 
schen Gewerbfleiße zur Ehre gereichen werden. 
Vorzügliche Auszeichnung verdienen in dieser 
Hinsicht die Tuch - undL. einen - Manufact u- 
ren, weil sie großentheils inländische Erzeugnisse 
verarbeiten und also zugleich für die vaterländi 
sche Production von der größten Wichtigkeit sind. 
Mehrere, sowohl melirte, als in der Wolle 
gefärbte,feineLücher aus derKlepperschen 
Tuch-Manufactur allhier, erhielten ein ganz vor 
zügliches Lob, indem sich dieselben, neben der Güte 
der Wolle, durch Feinheit der Spinnerei, innere 
Festigkeit und gute Bereitung, so wie durch be 
sonders-feine Mischung der Wolle, und die woll- 
blauen durch eine mehr als gewöhnliche Reinheit 
der Farbe auszeichneten; auch waren sämmtliche 
Tücher vollkommen preiswürdig. 
Die von dem Tuchmacher, Bürgermeister 
Bartholomäus zu Eschwege eingesandten 
mittelfeinen Tücher bewährten eine zweck 
mäßige Anwendung der Maschinen, und empfah 
len sich durch eine völlig gleichförmige Mischung, 
so wie durch innere Güte und Preiswürdigkeit. 
Auch die mittelfeinen Tücher aus der, 
im Entstehen begriffenen, Kaß 'scheuManufaktur 
zu Melsun gen wurden preiswürdig gesunden, 
und zeugten von dem lobenswerthen Bestreben, 
mit den bereits bestehenden inländischen Tuchma- 
nufacturen * ? ) zu wetteifern. 
Ferner lieferten die wollenen Teppiche, 
Biber und Flanelle aus dem Arbeits 
hause zu Marburg einen erfreulichen Beweis 
*) Die ausgezeichneten Fortschritte der Braun- 
schen Tuchmanufactur zu Hersfeld sind 
bereits in mehreren unserer Anzeigen rühmlichst 
erwähnt worden. 
des achtungswürdigen Eifers, die 2 trmen auf eine 
nützliche Weise zu beschäftigen, und zugleich die 
vaterländische Industrie zu befördern. 
Die schönen Arbeiten der 2 t r n o l d - G ö tzschen 
Leinen-Manufactur zeugten von dem raschen Vor 
schreiten dieser wichtigen Anlage. Die glatten 
deinen zu 75 bis ioo Gängen zeichneten sich 
durch Feinheit und gutes Gespinnst, so wie die 
Damaste durch künstliche Weberei und vorzüg 
liche Bleiche #) aus. 
Namentlich aber sielen dem Sachkenner die, 
zu Möbelüberzügen bestirumten, schwarzen 
Damaste in die Augen, welche sich nicht nur 
durch geschmackvolle Muster, sondern auch dnrch 
die bereits versuchte Haltbarkeit und durch Bil 
ligkeit des Preises empfahlen. 
Doppeltes Verdienst erwirbt sich diese nützliche 
Manufactur, indern sie zugleich die Feinspinnerei 
im Vatcrlande immer mehr ausbreitet und ver 
vollkommnet, wovon die ausgelegten Proben einen 
genügenden Beweis lieferten. 
Endlich brachte sich die Gutb er letsche L.ei- 
nen- und Damaftfabrik zu Brcitenbach am 
Herzberge durch ein, zu Taschentüchern bestimm 
tes, Stück feinen Leinens aufs Neue in rühm 
liche Erinnerung. . 
2tus der Schmidtschen Baumwollen 
zeug - M an ufac tur zu Langenschwarz 
waren auch jetzt mehrere, dnrch innere Güte, 
Haltbarkeit und billigen Preis ausgezeichnete ^ 
Stücke eingesandt, und wie sehr der schon mehr? 
mals erwähnte hiesige Baumwollenzeug- 
Fabri kant Pi rel bemüht ist, eine höhere 
Stufe der Vollkommenheit zu erreichen, zeigt die 
auf seine Anweisung von einem hiesigen Schremer 
verfertigte hölzerne Webermaschine, welche zwar 
in andern Gegenden Deutschlands schon im Ge 
brauche, in Kurhessen aber bisher unbekannt war. 
Die wollenen, mit Seide durchwirkten, Mö 
belborden und das seidene brochirte Band, 
*) Bei der ersten Anlegung dieser Manufactur hatten 
die Unternehmer die, bei andern ähnlichen Anstalten 
gewöhnliche, Bleichart eingeführt, deren Mangel sie 
jedoch bald erkannten, und mit eben so viel Scharf 
sinn als Sachkenntniß die, gegenwärtig so thätig 
betriebene, Bleiche anlegten, welche, ohne das 
Leinen anzugreifen, eine blendende Weiße hervor 
bringt und ichon jetzt, rhrer vorzüglichen Wirkun 
gen wegen, von Auswärtigen nachgeahmt wird.
	        

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