Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1821)

.84. 
Lassclschc 
Sonnabend/ den 2ost-° Oktober 1821. 
Gesetzgebung. 
Verordnung 
vom zten Oktober rgsr, 
die Zwangs - Versteigerungen des 
Grundeigenthums betreffend. 
Don Gottes Gnaden Wir Wilhelmder IVI, 
Kurfürst rc. rc. 
haben, in Erwägung des, besonders unter den 
gegenwärtigen Umständen sich an den Tag legen 
den, dringenden Bedürfnisses solcher Vorschriften 
für die nothwendigen Versteigerungen des Grund 
eigenthums, bei welchen das Interesse der Schuld 
ner, der Gläubiger und der Bieter in gleich gerech 
tem Maase berücksichtigt sey, Uns allergnädigst 
bewogen gefunden, Folgendes zu verordnen: 
§. il 
Vor jeder Zwangs-Versteigerung von Grund 
stücken aller Art, Zins-, Zehnt- oder sonstigen 
G't'nndgrMcrt soll eine Ta ratio n durch beeidigte 
Schätzer, auf den Grund eines Steuerbuchs- 
Auszuges', oder da, wo kein Steuerkataster vor 
handen ist, einer genauen Güterbeschreibnng, 
eines Lagerbnchö-Auszuges oder-einer anderen 
öffentlichen Nachweisung, bewirkt werden. 
Was insbesondere die Gebäude betrifft, so soll 
dabei nicht etwa das Kapital, welches deretz Er 
bauung gekostet haben möchte, sondern der derma- 
lige Stand und der ungefähre Preis, wozu sie 
freiwillig verkauft zu werden pflegen, und bei 
Landgütern vorzüglich der Nutzen der, Gebäude, 
mit Rücksicht anf alle örtlichen Verhältnisse, von 
den Schätzern in Betracht gezogen werden. 
Die Taxation wird in demselben Dekrete, 
welches den Termin zur Erkennung des Ver 
kaufes ansetzt., verfügt, und ist stets von einem 
der Schätzer dem Gerichte vor diesem Termine 
zu überreichen. 
§. 2. 
In dem Termine zur Erkennung des Verkau- 
, fes hat der Richter die Taxation den Parteien 
zu eröffnen, und diejenige Partei, welche sich 
bei derselben nicht beruhigen zu können glaubt, 
auf eine weitereAbs chätzun g alsbald, — bei 
Verlust des Rechtes, eine solche zu verlangen, —- 
anzutragen. In diesem Falle und wenn der Werth 
des Gegenstandes oder die behauptete llnricktia- 
keit der Schätzung nach dem Ermessen des erich- 
teö zu dem Ende bedeutend genug ist, soll eine 
zweite Schätzung Statt haben, hinsichtlich wel 
cher die Vorschriften der Untergerichts-Ordnung 
für den Beweis durch Kunstverständige dergestalt 
anzuwenden sind, daß beide Parteien noch in 
! dem Termine zur Erkennung des Verkaufes so-
	        

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