Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1814)

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jeden gufiti Patrioten zur reinsten Freude, zum in, 
ni-sten Dank, gegen die Vorsehung ermunterte. Zn 
sieben trauervollcn Jahren waren wir durch Befehle 
gezwungen worden, die Geburtsfeste fremder Für» 
sten, die uns aufgedrungen waren, zu feiern. Frei 
lich war dann auch diese Feier so gezwungen und 
herzlos, wie sie unter jenen schmerzvollen Situationen 
und bei dem Drucke der Zeiten nur seyn konnte. End, 
lìch hat die Tapferkeit der verbündeten Armee 
Deutschland von fremder Tiranna befreit; endlich 
giebt es wieder Deutsche und Hessen, unser Für 
stenhaus kehrte zurück, und mit ihm Die süßen Hoff 
nungen des Friedens, unseres Wohlstandes und 
Glücks! Zn diesen so freudenvollen Zettepochen nun 
begonn mit dem gestrigen Morgen seit 8 Zähren 
wieder die erste Feier des Geburtstages unseres an, 
gebeteten Kurfürsten und freiwillig ohne alle Befehle 
begingen wir dies Fest, als das höchste und heilig» 
ste unseres Lebens! Schon den beginnenden Tag be, 
grüßten Freuvenschüsse des geschäftigen und zu fro 
hem Zudcl ermunterten Bürgers. Um y Uhr vcrsam, 
welken sich Greise und Kinder, Männer und Frauen, 
Osficianten und Gewerbtreibende in der Kirche, zu 
welcher im feierlichen Zuge gewallfahrter wurde, um 
unserm Gott für unser ©¡uef und unsern Landeeva, 
rer mit Inbrunst zu danken, und um Heil und See, 
gen für den gerechten und väterlichen Kurfürsten mit 
kindlicher Innigkeit zu erflehen. Der Herr Merropo, 
litan Schanz hielt eine würdevolle und zweckmäßige 
Predigt, in der unS die Wichtigkeit des gestrigen 
Festes, die Güte und Gnade unsers Fürsten, und 
unsere Verpflichtungen gegen unser so cdleö Fürsten, 
haus, so einfach als schön ans Herz gelegt wurden. 
Eine gute Kirchenmusick, vom Hrn. Cantor Fennec 
veranstaltet, hob unsere religiöse Feier, und mit An, 
dacht und Freude eilte jeder in seinen häuslichen 
Zickel, um auch dort seinem Lanüesvater ein Vivat 
zu bringen. Der Herr Bürgermeister Luckharo harte 
in der städtischen Forst auf einem freien Platz Lauben 
und Zelre aufschlagen und dadurch und andere Vor 
bereitungen einen sehr zweckmäßigen Vergnügungs, 
ort schaffen lassen. Dorthin wallten nun, geführt 
vom Magistrat der Stadt, fast alle Bewohner unse, 
reö Ortes, und jetzt sieng ein eigentliches Volksfest 
hier an, wobei unzähligemahle dem Hochverehrten 
Kurfürsten ein Vivat gebracht, und tm Vergessen 
der traurigen Vergangenheit, aller erwanigen Un, 
glückefalle, aller vorigen oder jetzigen Noth, nur 
der reinste Freudentaumel alle Gunüther ergriffen 
hatte. Es wurde, nachdem die mir im Zuge her, 
ausgetragenen Preise, ein Hut und ein Paar Hand 
schuhe, zuvörderst ausgespielt waren, gesungen und 
getanzt; wobei weder Rang noch Stand Auszeich 
nung, suchte, und sich jeder nur als hessischer Bürger 
ansah, dessen frohe und dankbaren Gefühle ihn be> 
geisterten, sich der Feier des Festes mit ganzer 
Seele zu widmen. Der Beamte, der Stadklom, 
Mandant, der Bürgermeister und fast aÄe Militair, 
und Civil-Behörden waren unter die anderen gu 
ten Bürger mit ihren Frauen und Töchtern gemischt, 
und Alle beseelte nur ein Bestreben: den Jubel deS 
Festes zu theilen und zu erhöhen! Nicht Dte winde, 
sie Unordnung fiel vor, und bei den vielfachen Freu, 
den des Tages gab schon dies den größten Beweis 
der Achtung und Liede der hiesigen Bürger für ihren 
guten Fürsten. Um sechs Uhr versammelten sich, auf 
die Aufforderung des Hrn. Bürgermeister Luckhard 
und Hospital, Directors Heinz, sämmtliche Hono, 
rationen zu einem gemeinschaftlichen Mahle von 
60 Gedecken, im Saale des Schlosses; wobei mit 
der innigsten herzlichsten Einigkeit folgende Toasts 
ausgebracht wurden r Lange und glücklich lebe unser 
gnädiger allgeliebter Kurfürst, Wilhelml ! — 
Hochlebe unsere gütige Kurfürstin! — Doch leb« 
der edle Kurprinz, welcher an der Spitze unserer 
Brüder, Söhne und Freunde, unsere Befreiung 
mit erkämpfte! und hoch lebe die allverehrte Kur, 
Prinzessin und mit Zhr daS ganze Kurfürstliche Haus ! 
Wahrend der Tafel wurde ein vom Herrn Hoepi, 
tals,Director Heinz gedichtetes Lied in frohem Zu, 
bei gesungen, und der Inhalt desselben erregte neuer, 
dingS die innigste Theilnahme an der Feier des 
Festes. — Musik, und nachdem Souper ein kurzer 
Tanz, beschlossen hier daS Fest, welches indeß au 
zwei öffentlichen Orten von allen Bürgern der Stadt 
fortgesetzt und bei Tanz und andern anständigen 
Freuden die Rächt durch gefeiert wurde. Allge, 
mein waren die Hauser illuminirt, wobei sich ganz 
vorzüglich ein schönes Transparent in der Schloßwoh, 
nung drs Herrn Commandanten Obristen v. Donop 
auszeichnete, und sowohl durch seine Symbole a!S 
Zuschriften den so rühmlich bekannteu Patriotismus 
des Herrn Obristen um so mehr beurkundete, 
da derselbe leider nicht anwesend, sondern in 
Dienftgeschaften abwesend war. So vcrgieng uns 
ein ewig unvergeßlicher Tag, dessen Feier gewiß 
kein Ort herzlicher und freudiger begehen kann, als 
Die hiesige Sladt sie ausgedrückt hatte. Dies bewegt 
uns zur Ehre unseres angebeteten Fürsten, dem wir 
unsere riebe und TrSue zu beweisen suchten, dte 
Feier unseres Festes Und unsere Gefühle an demselben 
bekannt machen zu wollen; und schließen wir mit 
dem innigen aufrichtigen und herzlichen Wunsch: 
Lange und glücklich, stets geliebt von treuen und 
gehorsamen Unterthanen , lebe unser Kurfürst 
Wilhelm 1 ! — (Einige Verse aus dem vorcrwahn, 
ten Gesicht fügen wir hierbei.) 
Singt, Freunde, singt zu unsers Fürsten Ehre, 
Auf seines Hauses Glück! 
Es schwinge sich zu einer höhern Sphäre 
Der hoffnungsvolle Blick! 
Stimmt fröhlich ein, laßthoch den Kurfürst là 
Stets soll er glücklich seyn! 
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