Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1814)

Bekanntmachung. 
Da auf dem Lande die Rindviehpest noch 
immer nicht ganz nachgelassen hat, so wird der 
von dem Herrn Professor Busch zu Marburg ab 
gefaßte Unterricht, wie dieselbe vertilgt werden 
könne , hier nachstehend öffentlich bekannt ge 
macht. Die deöfallsigen polizeilichen Verfügungen, 
die durch das Caßelsche Wochenblatt erlassen sind 
und mit der angegebenen Heilmethode des Herrn 
Pcofcffcrs Busch überall im genauesten Einklang 
stehen, müssen von den Ortsbehörden im Distrikt 
Cassel auf das pünktlichste in Ausführung gebracht 
werden und cs wird ihnen hierdurch zur strengsten 
Pflicht gernacht, auf bte Befolgung derselben nach 
drücklichst zu halten. Cassel, den 23. Dezember. 
Der General,Sekretair der Präfektur, 
H. a ß. 
Kurzer Unterricht 
die Rinderpest zu vertilgen. 
Landleute! Euer Rindvieh ist in Gefahr! Die 
häßlichste aller Seuchen, eine hansige Folge gro 
ßer Durchmärsche iin Kriege hat sich bei uns ein- 
geschlichcn, und richtet schon hie und da ihre 
schrecklichen Verwüstungen an. Schon vor 17 
Jahren habe ich Euch über diese Krankheit unter 
richtet, und ich rathe Euch auch noch jetzt, die 
nemlichen BoliceireaeM ru hpfaUfti. die iM damals 
iw einem besondern Büchelchen (*) aufgezeichnet 
habe, und denen ich nur das zuzusetzen habe, daß 
die OrtSobrigkeiten sorgen müssen, daß die Mili- 
tarfuhrcn schlechterdings mit keinem Rmdvieh be 
spannt seyn dürfen. Es bleibt auch immer noch 
der sicherste Weg, die Seuche zu tilgen, der, 
daß durch geschworne Leute alles Rindvieh im 
ganzen Lande tarirt, jedes erkrankte Stück in den 
ersten 48 Stunden erschlagen, mit Haut und 
Haar tief begraben, mit lebendigem Kalk bestreut, 
und dieErde fest eingestampft wird.So verfuhr man 
unter meiner Anleitung vor 17 Jahren in unserm 
Oberfürstenthum Hessen; 362 Stück wurden auf 
diese Art geopfert, und 33,022 gesund erhalten. 
Alle erschlagenen Stücke wurden von sämmtlichen 
Viehbesitzern den Eigenthümern nach dem tarirten 
Werth vergütet. 
(*) Unterricht für ke» hessischen Landmann, die genenwartiq 
haufia grassircnde Löserdürre oder Riihrpest des Rindviehes 
gründlich ZU erkennen u. s. >v. Marburg, gedruckt mit 
Kriege, schen Schriften.1796, 
Indessen haben wir in neuern Zeiten ein Mit 
tel kennen gelernt, welches alle Krankheitsgifte 
zerstöret, und womit ich selbst seit 8 Tagen die 
befriedigendsten Versuche gemacht habe. Es sind 
dieses die salzsauren Räucherungen, und bei den 
wirklich erkrankten der innerliche Gebrauch der so 
genannten grünen Salzsäure. Ich rathe aber doch 
zu diesem Heilmittel nur in dem einzigen Fall, 
wenn die Seuche in einem Ort schon mehrere Stücke 
befallen hat, und alle Einwohner des Ortes dar 
in übereinkommen, alle das Mittel anzuwenden. 
Nach diesen Voraussetzungen erbaue man von 
Stangenwerk und Stroh, auf einem etwas abge 
legenen Platz einen Krankenstall, der zwar luftig, 
aber doch auch ein hinlängliches Schutzmittel ge 
gen Wind und Wetter seyn muß. Sobald ein 
Stück erkrankt, welches bei hoher Strafe dein 
Gemeindsvorstand anzuzeigen ist, wird es in die 
sen Stall gebracht. Die Stalle, sowohl in den 
angesteckten , als auch in den benachbarten Orten 
werden nun auffolgende Art ausgeräuchert: Man 
nimmt 5 Theile Kochsalz und einen Theil Braun 
stein (aus einer Apotheke) z. E. 10 Loth von 
ersterem und 2 Loth vom letzteren, reibt beides 
zusammen in einem Mörser zu feinem Pulver, 
und mischt es wohl untereinander. Dieses Pul- 
--fcm- fiu.; auch tu einet* Apotheke mischen 
lassen kann, verwahrt man in einem mit Kork 
wohl verstopften Glase. Dann muß man sich mit 
gutem Vitriolöl versetzen, das man am. sicher 
sten in einem starken weißen, mit einem Ange 
schliffenen Glasstöpsel versehenen Glase verwahrt. 
Wenn man nun einen Stall ausräuchern will, 
so thut man von dem oben beschriebenen Pulver, 
/je nach der Größe des Stalles, einen bis zwei 
Eßlöffel voll in eine irdene Schale, giefet beinahe 
eben so viel Vitriolöl darauf, und rühret beides 
mit einem Pfeiftnstiel untereinander. Es entste 
hen dadurch sauer riechende Dämpfe. Man gehet 
nun, mit dieser Schale in der Hand entweder im 
ganzen Stall herum, oder setzt 3 bis 4 kleinere 
Schalen in verschiedene Ecken des Stalles. Diese 
Räucherung wird alle Morgen bei verschlossenen 
Stallthüren und Fenstern gemacht, nach ei 
ner halben Stunde aber werden diese geöffnet. 
Durch Kohlen erhitzt darf diese Mischung nicht
	        

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