Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1814)

C 354 ) 
Inhalte dieser Disposition interessier zu seyn ver, 
meint, hat sich im angesetzten Termin Vormittags 
io Uhr vor hiesigem Amte zu melden, und solchen 
-anzuhören. Oberkaufungen am 23. März 1314. 
Kurhesfisches Iustizamt. B u r ch a r d u 
13. Am 22. S. M. ist in dem Werrastrom vor hiesiger 
Stadt ein unbekannter todter Mannekörper gefon, 
den, und nach vorgängiger Besichtigung auf Kosten 
des Amts beerdigt worden. Die Kleidung des Ver 
unglückten, der von mittlerer'Statur, und dessen 
Haupt mit rund abgeschnittenen schwarzen Haaren 
bedeckt war, von dem aber bei dem hohen Grade der 
schon eingetretenen Verwesung keine «ähere Bezeich 
nung gegeben werden kann, bestand in einem neuen 
leinenen blauen Kittel, einem Hemde, worin die 
Buchstaben R. S. eingenäht waren, einem Kamisol 
von blauem Tuch mit weißen metallenen Knöpfen, 
einer Weste von dunkelgrünem Manchester, einem 
kurzen weißen leinenen Beinkleide, hellblauen wolle 
nen Strümpfen, Rahmenschuhen und einem alten 
braunen seidenen Halstuche. In der Kamisoltasche 
fand sich außer einer Geldsumme von 2 Thlrn. 2 ggr. 
ein von einem geschlachteten Schweine abgefchnitte, 
ner Schwanz. Da unter den sich i Thlr. 2 Ggr. in 
Preuß. Courant vorgefunden hat, so ist es wahr 
scheinlich , daß der Verstorbene sich in letzterer Zeit 
auf dem Eichsfelde aufgehalten haben wird. Es wird 
dieses hierdurch öffentlich bekannt gemacht, um die 
Angehörigen oder Verwandten des Verstorbenen da 
von in Kenntniß zu setzen, und können dieselben die 
vvrgedachten Kleidungsstücke gegen Erstarrung der 
Beerdigungskosten hierselbst in Empfang nehmen. 
Münden, den 23. März i8l4. 
K r i t t e r. Beckmann.. 
14. Oeffentliche Danksagung. 
Im Hospitale zu Ziegenhain waren im November 
1313 zwar nur n Kranke, aber es fehlten auch alle 
Hülfsmittel ärztlicher, medicinifcher und ökonomi 
scher Pflege. Die hiesige Stadt wurde in jenem Zeit 
raum durch Lasten des Krieges sehr schwer gedrückt; 
daher mir nur der Ausweg blieb, mit Genehmigung 
des hohen Gouvernements, und durch legalisirteKon- 
trakte, von den Bestanden des sonstig westfälischen 
Frucht-Magazins die Pflege und Erhaltung der 
Kranken zu bewirken. Ende November und im De 
zember kamen indeß weit über ivo Kranke hierher, 
und die wlrk-ich arme Stadt war genöthigt, deren 
ganze Erhaltung, Heilung und Verpflegung zu Über 
nehmer!. Da nun der ersteAusweg unpassend wurde, 
für die Speisung, Wartung und Medicin der Kran 
ken auch von der Stadt Ziegenhain mit lodenswer- 
them Eifer gesorgt wurde, und doch an Hemden, 
Handtüchern, Decken, und so manchen zwar unbe, 
deutenderen, aber doch sehr nothwendigen Reinlich- 
keits-Hülfsmitteln, auch an Charpie, Bandagen, 
Compresser! und dergl. Mangel war, so versuchte ich, 
den kranken Kriegern, mehrentheils von den braven 
Vertheidigern der deutschen Sache, durch eine Auf 
forderung an wohlthätige Menschenfreunde, Hülfe 
in der erwähnten Hinsicht zu verschaffen, und dabei 
mit eigenem Beispiele voranzugehen. Etwa in der 
Mitte Januar versandte ich diese Aufforderung an 
viele der umliegenden Dörfer, sowie auch an Guts 
besitzer und städtische Behörden. Ich hatte mich nicht 
getäuscht, in dem Vertrauen auf das edle Herz, und 
die menschenfreundliche Güte so vieler biederen Be- 
wohner der Grafschaft Ziegenhain, und ich kann mit 
Ueberzeugung sagen, sowohl für die damalige Lage 
des Hospitals, als auch noch auf lange Dauer dessel 
ben, ist eine bedeutende Hülfe eingegangen. Es ist 
nämlich eingegangen: Von den Einwohnern der 
Stadt Ziegenhain 20 rthlr. 22 ggr. Geld, 27 alte 
Hemden, 2 Laken, 13 Paar Strümpfe, io Hand 
tücher, i Halstuch, 6 Halsbinden, r Mütze, 16 Ellen 
neues Leinen, etwas altes Leinen, 5 Rassirmeffer, 
12 kleine Kamme, 10 kleine Spiegel und 6 Spci- 
kasten. — Von den Bewohnern der Stadt Treysa 
20 rthlr. 12 ggr. 8 hlr. an Geld, i8 alte Hemden, 
1 Bettlaken, 9 Paar Strümpfe, 19 Handtücher, 
2 Kamisöler, 3 Paar Beinkleider, 6 Mützen, 3 We, 
sten, eine Bettdecke und ein Packet altes Leinen. — 
Von de» Bewohnern des Kirchspiels Zella 13 rthlr. 
15 ggr. an Geld, 40 neue Hemde, 20 mittlere und 
11 alte Hemden, 17 Bettlaken, 7 Paar Strümpfe, 
29 Handtücher, 3 Mützen und 30 Ellen neues Leinen.— 
Von den Bewohnern der Kirchspiele Ober- undNte- 
vernurff2l rthlr. 3 ggr. 7 hlr. an Geld, 37 mittlere 
und alte Hemden, 4 Bettlaken, 2 Paar Strümpfe, 
1 Handschuh, 2 Halstücher, i Paar Pantoffeln und 
altes Leinen. — Vom Kirchspiel Btschhauftn und 
Walterebrück 5 rthlr. 5 ggr. an Geld, ¿ Hemden, 
6 Handtücher und 2 Mützen. — Von der Gemeinde 
Merzhausen 6rthlr.yggr. an Geld, 15 alteHemden, 
ein Paar Strümpfe, eine Bettdecke und (7 Ellen 
neues Leinen.— Von der Gemeinde Jesberg 12 rthlr. 
12 ggr. in Geld. — V N der Gemeinde Zwesten 4 rthlr. 
n ggr. 4 hlr. an Geld, 2 Laken, 2 Hemden und 
2 Paar Strümpfe, und endlich von der StadtNeu- 
kirchen9 ggr. 3 hlr. an Gttd, 2 Hemden, 2 Bettlaken, 
2 Handtücher. — Alle haben mit bereitwilliger Wohl 
thätigkeit ihre Gaden dargebracht. Dabei haben sich 
durch ihre Bemühungen und Beispiele, vorzüglich 
der Hr. Dokror Sandrock zu Treysa, demnächst der 
Hr. Rath Günther, Hauptmann Zoll, Bürgermeister 
Lukhard zu Ziegenhain, die Herren Metropolitanen 
Schanz zu Ziegenhain und Wick zu Treysa, und die 
Herren Prediger zu Zella, Ober- und Niedernurf, 
ausgezeichnet. Als einzelne Wohlthäter verdient die 
Frau Obristtn von Stückrath zu Obernurf, welche 
rin Laken, Z Halstücher, 8 Schnupftücher, ein Packt- 
chen saubere Charpte, r Packt alte Leinwand, und 
2 sehr schwere und große silberne Suppen- und Eß- 
Vorlegelöffel auf eine höchst edle und großmüthige 
Weift beigesteuert hat, die erste Erwähnung. Dann
	        

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