Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1814)

diesem herrlichen Krieg vom Jahr 1809 die Franzosen 
nicht vernichtet, und die deutschen Länder befreiet wur 
den, das lag nicht in der Gleichgültigkeit noch Feig 
heit der Oestreichifchcn Unterthanen, sondern tu vielen 
unglücklichen Ereignissen und Begebenheiten, die hier 
nicht erzählt werden dürfen. Das aber ist wahr und 
wird ewig unsterblich bleiben, daß in dieser Zeit die 
tapfern Tvrvler, Landleute und Bauern unter ihrem 
heldenmüthigen Anführer, den Sandwirth Andreas 
Hofer aus Passier und die spanischen Landleute von 
Navarra, Catalonien und Castilten durch ihren from 
men und treuen Muth, berühmter geworden sind, als 
stehende Heere. 
Auch diesem vergangenen Gommer und Herbst ist 
erschienen, und durch Gottes gnädige Hülfe recht hell 
erschienen, was ein Volk vermag, das Gort fürchtet, 
und Freiheit und Ehre liebt. 
Der französische Tyrann drang mit zahllosen Heeren 
in Rußland ein, und meinte, das Land zu plündern 
und zu unterjochen; aber es gerieth ihm anders — 
das ganze Volk ergrimmte, rüstete und waffnete sich, 
sie beteten zu Gott, knieten an den Altären, zeichneten 
sich mildem heiligen Kreuz für den heiligen Krieg, 
ließen sich und ihre Fahnen durch priesterliche Gebete 
und Seegen weihen, und so zogen sie gegen den Feind, 
Leben, Gut, Städte und Dörfer, alles gaben sie in 
Blut und Feuer dahin, damit ihr Land gerettet, der 
Feind vertilgt, und ihr Schwur erfüllt werde. Was 
diese tapferen Bürger und Bauern in Rußland und 
Pohlen Löbliches und Gewaltiges gethan, und wie sie 
das Reich aufgerichtet und erhalten haben, wie auch 
mit ihnen der Adel, die Priester einmüthig und gemein 
schaftlich gestritten und gearbeitet haben — das wird 
die Geschichte dereinst mit goldenen Buchstaben schreiben. 
So gieng das französische Heer unter: gegen solche 
Frömmigkeit und solchen Muth, konnte Bonapartes 
Bosheit nicht bestehen. Mehr als 400,002 Mann ver 
darben durch das Schwerdt, den Hunger, die Kälte und 
Gefangenschaft; etwa20,ooc> Mann elende Flüchtlinge 
ohne Waffen, ohne Kleider und viele verkrüppelt, die 
meisten mit dem Ruin des Todtes in dem Leibe, ent- > 
kamen und zogen' eben so lächerlich als traurig durch ! 
die Städte und Oerter zurück, durch welche sie vor , 
einem halben Jahr trotzig und übermürhig gegangen wa, 1 
ren. An ihnen erschien sichtbar der Wechsel menschli, 
cher Dinge, die Strafe Gottes, und wie nahe dem 
Uebermuth der Fall ist. Jetzt ist Bonaparte durch Gott 
geschlagen, es ist kein französisches Heer mehr, er 
bedarf Monate, um wieder ein neues aufzurichten; 
seinen Ruhm aber und den Wahn, woraus seine 
Siege Hervorgiengen, vermag er nimmer wieder auf- 
zurichten. 
Nun da Gott den Weg gezeigt hat, muffen alle 
Völker sich erheben; vor allen aber muß in allen Land- 
schäften, Kreisen und Gemeinen das deutsche Vaterland 
sich erheben, denn kein Volk ist von ihm mehr geschun 
den und mißhandelt worden, als grade das deutsche 
Vaterland. Weil aber, wenn man ihm Zeit giebt, 
alle Kräfte aufzubieten, er wieder neue Haufen von 
Menschen zusammen treiben wird, so ist die größte 
Geschwindigkeit Noth, daß man die Waffen und 
Länder von ihm gewinne, und ihm die Hülfe ab 
schneide; auch ist es nicht genug, daß auf das schnell 
ste die stehenden Heere gebildet, ergänzt und vermehrt 
werden — sondern, wenn er die ganze Volkökraft in 
die Hand nimmt, «nd wie er will, gebraucht, so muß 
das. deutsche Volk auch gegen ihn in die Waffen geru 
fen werden. Wenn dies geschieht, so ist es nicht zwei 
felhaft, daß für Gott und Freiheit durch Gott, und 
die gute Sache, gesiegt werden wird, gegen die Ty 
ranney und Ungerechtigkeit. Diese Volköderufung, die 
alle wehrhaften Männer des ganzen deutschen Landes, 
so wie es von Franzosen gereiniget wird, sogleich ver 
sammeln muß, begreift von 20 — 60 Jahren alles, was 
nicht durch Aemter oder körperliche Gebrechen an Dienst 
gehindert wird; sie zerfällt in zwei Theile: in die 
Landwehr und Landsturm. Die Landwehr besteht 
aus den jüngeren Männern, von 20, 30 bis 38 Jah 
ren, doch mag von den ältern jeder freiwillig beitre, 
ten. Sie wird ordentlich soldatisch geübt, und bewaff 
net, und ist bestimmt, nicht allein die Landschaft, wo 
sie errichtet wird, zu vertheidigen, sondern auch weiter 
auszuziehen, und die wirklichen Kriegsheere zu ver 
stärken. Sie ist die Wehr des Vaterlandes in Zeit des 
Krieges, besonders wenn ein feindliches Volk mit zahl, 
reichen Haufen sich heran wälzt, und das Vaterland 
zu unterdrücken droht. 
(Die Fortsetzung folgt.)
	        

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