Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1813)

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unter Menschen, und der offenbar erkannten Pest 
unter Horn- und Pferdevteh nicht zu erforschen su 
chen, ob nicht gewöhnliche Fontanellen oder fort 
währende Mittel zum Hautreize, als Seidelbast oder 
Kellerhals u der-l. bei Menschen, und gewöhnliche 
Leder, oder Haarseite beim Viehe, außer denen 
übrigen Vorbauungs, Mitteln, in der gefährlichsten 
Zelt und Lage würklich dasjenige Erhaltangemit.ist 
wäre, welches jenen glücklichen in den Morgenlän 
dern bemerklich gewordenen Schutz und Wirrung 
bestätigte und hervorbrächte? 
S — st — r. 
* * 
Daß die Bürger zu Immenbausen nie da zurückblei 
ben, wo es Lwbe zu ihrem Fürsten gilt, bewiesen 
sie schon im Iayre i8 -9. Auch in diesem Jahre 
feierten sie mit allen biedern Hessen, das auf den 
5 Dez bestimmte Fest, wegen der glücklich.n und 
beglückenden Rückkehr, unsers wahren Landes, 
Vaters und dessen Durchlauchtigen Familie auf eine 
ausgezeichnete Weise. 
Schon Morgens um l Uhr harten sich aus freien 
Antrieb, wie durch einen elektrischen Zauber begeistert, 
fast alle Jünglinge auf dem Markte und um die 
Kirche versammelt und, nachdem sie die Eingänge 
der Kirche und die Hauser aller derjenigen recht, 
scbaffenen Bürger, die nie zum Zwittergeschlechte 
der Deukschfranzosen gehörten, mit grünen Tannen, 
bäumen geziert hatten, wobei immer eine schöne 
Musik sie begleitete, zeigten sie ihren Frohsinn und 
ihre Freude durch Läuten aller Glocken — Vivatru, 
fen - Trommeln und Schießen; worauf sie vom 
Kirchthurme herab mit wahrer Begeisterung das 
Lied: „Nun danket alle Gott rc." adfusgen. 
Dieser frohe Jubel dauerte bis 9 Uhr Morgens. 
Um o Uhr fieng der Gottesdienst an, bei welchem 
so viele Fremde erschienen, daß nicht Raum genug 
da war. Die Kirche war auf das schönste ausge 
schmückt. Der weißgekleidete Altar war um und um 
mit Guirlanden oehangen und auf, an, und um 
denselben waren in symmetrischer Ordnung, Blu, 
men, Bänder und Früchte angebracht. Zwischen 
dem sehr hohen , breiten und riesen Chor und dem 
eigentlichen Schiff der Kirche war ln einer Hohe 
von Fuß fast queer über und vor den Altar her 
eine 36 Ellen lange, und zu beiden Seiten die aur die 
Eroe herabhangende Guirlande mit vielen Bändern 
gezogen, >'n deren Mitte, welch t\ Elle breit war, 
mi' großen goldenen Buchstaben die Worte standen: 
GOTT I'HATS. — Unter diesen Worten hreng ein 
grover mit vielen Bändern geschmückter Kranz, in 
welchem die Buchstaben Wh deutlich zu sehen wa 
ren. Dieser Guirlande gegenüber, vor der zwar al, 
ten, aber sehr großen und noch immer schonen Or 
gel her, hi-ttg eine av'Uiche Guirlande -,4 Ellen 
lang mit goloaen Buchstaben: TOB 1 001 1 und 
unter.diesem Worten war auch em ähnlicher Kranz 
mit den Buchstaben WK. — Die vier, in der 
Mitte der Kirche stehende Pfeiler, welche das Ge 
wölbe tragen und ihm zur Stütze dienm, waren 
auch in einer Höhe von 12 Fuß mit Guirlanden uni> 
unzähligen Bändern, welche, sowie die vorigen^ 
die weibliche Jugend mit Freuden hergegeben batte, 
umgeben. An ihnen fand man die Namen des Kai 
sers von Rußland, des Königs von England des 
Königs von Preußen und de° Kaisers voa Oestreich» 
Neben der Kanzel hieng die hiesige Schützen sahne, 
welche sich gegen Die Buchstaben WK des erster» 
Kranzes neigte. 
Diese ungewöhnliche Ausschmückung der Kirche, 
welche schon im Antange des l6len Seculi die erste 
hessische Kirche war, in welcher der Gorlesbienst im 
Betleyn des Landgrafen Philipp des Großmüthigen, 
nach reformlrter Methode gehalten wurde, machte 
auf alle Gemülher den tiefsten Eindruck. Eines Je 
den, der in die Kirche eintrat, bemächtigte sich we 
gen der Gedanken: Gott thäte und unser 
Landesvater ist wieder unter uns die 
frömmste Rührung und kein Auge blieb ohne Freu- 
denlhraneu. 
Als der Pfarrer Koch mit den Ortsvorstehern und 
Schullehrern in einem feierlichen Zuge in der Kirche 
angekommen war, machte die vom Bürgermeister 
Winterberg bestellte und in dem großem und weit- 
lauftigen Chor befindliche Musick, unter Anleitung 
des Kantors Bräutigam, welcher sich mikdenSchul- 
knaden und Sängern ebendaselbst befand, den An 
fang des Gottesdienstes. Kaum hatte diese schöne 
Musik geendigt, so sangen 12 Mädchen, welche sich 
oben über dem Gewölbe der Kirche befanden, durch 
eine Oeffnnng desselben unter Anleitung des Mäd 
chenschullehrers Ludolph das Lied 109 v. 1. Dies 
ist der Tag den Gort gemacht rc. Nach Endigung 
dieses Verses, stellte sich der Pfarrer Koch vor den 
Altar vnd in dem nämlichen Augenblick erschien aus 
der eben genannten Oeffnnng des Gewölbes ein 
große, mit vielen Bändern geschmückter grüner Kranz 
mit dem gvldnen Buchstaben H. Langsam kam 
dieser ist. bis auf ió Fuß herunter und l-ngsam 
und feierlich sagte der Pfarr: Seht Freunde! der 
Name Hessen komm: wicoec auf uns herab. — Um 
uns mit diesem ehrwürdigen Namen zu be-ennen, 
eilte unser geliebte und brave Kurprinz schon am 
Zosten Oktober in unserer Mitte und sagte: Hessen! 
bei Eurem Namen Ich Euch wieder rc. — Wavieud 
dieser Rede kamen die 12 Mädchen, welche über 
dem Gewölbe gesungen hatten, durch den große» 
Gang, muten durch die Kirche herauf nach dem 
Altar und indem sie regelmäßig aut beiden Seiten 
dessetvrn jedesmal sechs herumqiengen, leg m sie 
Blumen uno Früchte auf denselben. Der Pfarrer 
benutzte diesen Umstand noch in seiner Rede ur d 
schloß dann mit den Worten: Setzt Freunde! fo; 
gar Kinder fühlen heute ihre V.rpfiichrung zur
	        

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