Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1813)

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Die Zünftr zogen denselben Tag mit Musick durch 
die Stadt, unter beständigem Schießen und Jauch, 
zen verstrich dieser für Hessen unvergeßliche Tag. Des 
Abends waren in Melsungen nicht bloß — einige 
Häuser — sondern (man kannn wohl sagen) alle, 
auf das schönste erleuchtet. Prächtige Transparen 
te brannten nicht nur —an allen Hausern der Haupt 
straßen, sondern man bemerkte such r» der abgele, 
gendsten Straßen an den niedrigsten Hütten Trans 
parente, wodurch die Bewohner derselben ihre ed 
le» Gesinnungen an den Tag zu legen suchten. Die 
ganze Nacht hindurch hörte man dvu Bürgern auf 
den Strafen Lob- und Dank Lieder singen und der 
Ruf: Es leb/ unser Kurfürst! Es lebe 
unser Kurprinz! Es leben Teutfchlands.Rettcr 
und Befreier, — schallte aus jedem Munde. Dee 
im Kurfürstentum Hessen angeordnsle Lob- und 
Davktag, wurde ebenfalls in Melsungen den 5ten 
December d. I. auf felgende Arr gefeyert. Tags- 
zuvor wurde durch das Geläute alter Glocken die 
ser festliche Tag, allm hiesigen Bewohner« ange 
kündigt. Sonntags Morgens versammelten fich«,lle 
Zünfte auf dem Scklcßplatze, und a>s das Zeichen 
zum Gottesdienste gegeben wurde, riefen dieselben 
alle öffentliche Beamte« Hierselbst ab, und so ging 
dcrZug mit Vorkragung der Fahnen von jeder Zunft, 
in aller Ordnung in die Kirche. Hier kündigte zuerst 
ein vom Herrn Schullehrer Johannes Ackermann 
vorgetragenes intonirendes und schönes Vorspiel den 
feierlichen Tag an. Hierauf wurde in Wechselchören 
der Ambrosianische Lodgesang gesungen, worauf der 
hiesige Herr Metropolitan Hvzzel einen auf diese 
Zeit passenden Psalm verlaß. Durch ein zweites 
Vorspiel- wo auf ein sanftes Adagio ein lebbaftcs 
Allegro folgte, noch mehr zum Dank ermuntert, 
wurden die drei mittlern Verse vom genannten Liede 
gesungen, wo alsdann der Herr Metropolitan eine 
dem Tag angemessene Predigt hielt, worinneu er die 
Geschichte von Hessen kürzlich vortrug. Am Sckluß 
dee Gottesdienstes zogen die Zünfte in derselben Ord 
nung ab, wobei sie durch ein angemessenes Postlu, 
dium begleitet wurden. 
Der Nachmittagsgottesdienst wurde auf die näm, 
liche Art gefeiert, und nachdem der zweite Prediger 
Herr Pfarrer Hupfeld eine sehr rührende Predigt 
gehalten hatte, ermunterte er seine Zuhörer, ihren 
Dank, den sie Gott für die Erhaltung unseres theu 
ren Kurfürsten schuldig wären, dadurch zu bewei 
sen , daß sie nach ihren Kräften die von allen Mit 
teln entblößte Stadt Vach unterstützen möchkeu. In 
dieser Absicht sind auch schon viele gesammelte Bei, 
träge nach Vach gesendet worden. 
Möge Gott unsern theuren Kurfürsten und das 
ganze Kurfürstliche hohe Haus noch lange erhalten, 
dieses ist der Wunsch eines jeden Burgers in Mel 
sungen. 
Bei der in vielen Gegenden noch fortdauernden Rlndr 
viehpest halten wir es für Pflicht, folgende, von 
einem Gutsbesitzer, der seine mir vielem Eifer ge- 
sammlcren Kenntnisse in der Thierarzneikunde mit 
eigener Erfahrung geprüft hat, bisher mit glückli 
chem Erfolg angewandte Behandlung des kranken 
Viehes baldmöglichst öffentlich mitzutheilen. Nach 
seiner Behandlungsart, wobei er von 20 Stücken 
nur eine verloren hat, ziehe man jedem Stück Rind 
vieh, es sey noch gesund oder schon krank, sobald 
als möglich aa der linken Seile des untern Theils 
des Halses nach der Brust ein fp.anylanges Haarftil 
mit einem fingerbreiten wollenen Band, das etwa 
2 Ellen lang seyn muß, bestriche solches mit einer 
Mischung aus gleichen Theilen venekianifchen Ter 
pentins und Terpentinöls, welches man bei nicht zu 
großer Ofenwärme untereinander rührt. Das Haor- 
f«U wird zugebunden, und jeden Morgen mit etwas 
von sbiger Mischung bestrichen, und etwas fortge, 
rückt. Will das Haarseil nach 8 Tagen nicht gehö 
rig etter«, so setzt man etwas Spanischfliegcnpulver 
oder die reifende Salbe, unter welchem Namen diese 
in allen hiesigen Aporhecken zu haben ist, zu der Mi, 
schmig. Dann löset man 2 bis 6 Loth Glaubersalz, 
nach Verhältniß der Größe und des Alters des 
Stücks, in einem halben Maas lauwarmen Wasser 
auf, und giebt dies milchwarm jedem Stück auf 
einmal ein, welches man nach 48 Stunden wieder 
holt. DaS Vieh, welches diese Laxtermtttel einbe 
kommen, wird, so oft es saufen will oder der Re, 
ael nach saufen muß, mir abgebrühtem lauwarmen 
Weizenkleyen- oder Gerstenschrodwasser, worunter 
jedesmal so viel Küchensalz, als man mit drei Fin, 
gern fassen kann, gemischt wird, getränkt. Wäh 
rend der Kur giebt man dem Thier so viel gutes Heu 
zu fressen als es mag. Hat das Thier aber schon 
wirklich die Krankheit, so ist die erste Behandlung 
zwar die eben beschriebene; nur muß man, wenn 
Zittery der Glieder, feste Haut, ein dumpfer Husten 
sich zeigt, ja nicht ein Aderlaß vornehmen, sondern 
gleich zweiHandvoll Hollunderblüte mir einem Maaß 
kochenden Wasser aufgießen, diesen Thee ein wenrg 
ziehen lassen und durchseichen, damit nichts von den 
Blumen beim Eingeben dem Thier in die Luftröhre 
komme. Dieser Thee wild ihm warm, aber nicht 
heiß eingeschüttet, und es alsdann mir Stroh oder 
Decken wohl zugedeckt. B i starker Fieberhitze, 
wenn die Augen aus dem Kopf hervortreten, das 
Maul und die Zunge sehr hcrß find, wird zu Ver 
hütung der Entzündung sogleich eine Ader an der 
linken Seite des Halses geöffnet, und nach Größe 
und Alter des Stücks ein Vrerlel bis ganzes Maas 
Blut abgelassen, auch wohl nach zwei Tagen der 
Aderlaß wiederholt, wenn das Fieber nicht nachläßt. 
Gewöhnlich ist in diesem Falle auch Verstopfung und 
Verhaicuug des Urins vorhanden. Dagegen giebt
	        

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