Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1813)

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Uw 9 Uhr rief uns das feierliche Geläute zur ho- ! 
hen Messe. Die Bürgerschützen, Compagnie, und 
dse junge Bürgerschaft war unter den Waffen. Aus 
der Mttle ihrer Fahne strahlte der Namenszug um 
sereö Durchlauchtigsten Kurfürsten Wilhelm 1 - 
sie bildete vom Rathhause bis in die Kirche eine 
Allee, in welcher sich der Herr Commisswns, Rath 
und Friedensrichter Licentiar Nöffel vom Elberberg 
in feiner Kurhesslfchen Uniform, der Hr. Kantons, 
Maire Haas und Herr Marre-Adjunkt Schmandt, 
die ganze Munizipalität und Honoratioren zu der 
Kirche verfügten. Ein Theil der SchützemCompagnie 
mit zwei Offizieren und der Fahne erschien rm Chore 
vor dem schvngeschmückren, und von lebendigen und 
wohlriechenden Blumen umgebenen hohen Altare, 
der andere Theil versammelte sich vor der Kirchrhüre, 
um unter der hohen Messe die gewöhnlichen Salven 
durch ein regelmäßiges Peletonfeuer zu geben. Um 
ftrHr.Kaplan P.plusFischer sang mir seiner angeneh, 
men Stimme die hohe Messe, die wir uns nicht ohne 
Anhörung des Worts Gottes denken und deren Ein, 
gang aus dem Lieblingstiede bestand: „Erfreue dich 
o Hessenland!" „Für unsern Kurfürst beren wir K." 
welches auch zwischen der Epistel.und dem Eoange, 
lium fortgesuugen worden. 
Nach dem Evangelium bestieg unser Hr. Stadt, 
Pfarrer in seinen feierlichsten Ornate £>ie Kanzel, 
wählte sich den Zcft Malach. Z, 7. „Kehret zu mtr 
zurück, und ich will zu euch zurückkehren." Aue der 
buchstäblichen Erklärung dieses Teures, deren wir 
uns! immer versichern können, nahm er Gelegenheit, 
von der sehnlichst gewünschten und ersteheten Rückkehr 
Sr. Kurfürst!. Durchlaucht zu predigen , und die 
Eigenschaften zu berühren, mit welchen wir und 
alle Kurhessische Unterthanen, nach einer siebenjäh, 
eigen beiderseits harten Prüfung zu unserem gelied, 
ten Landesvater Wilhelm zurückkehren, und un, 
ftr Landesvater zu uns seinen geliebten Landee-Kin, 
dern zurückkehren will. Wir erinnerten uns der von 
ihmamHuldigungötageanHieronymus Napoleon ge, 
halrenen Rede, in welcher wir durch seinen Mund 
uns nicht scheueten, öffentlich und laut zu bekennen, 
daß uns die christlichkatholische Religion verpfiich, 
tet, vor der aubefohlenenHuldigung die großen Vor, 
theile zu erzählen, die wir unter der weisen Regie, 
ru«g unseres Kur, und Landesfürsten Wilhelm I- 
genossen habe«, ihm dafür kindlichst und feierlichst 
zu danken und zu der allwaltenden Fürsicht zu beten, 
daß fein theures Leben vor Krankheit, und feine ge, 
heiligte Person vor Mißhandlung bewahret werde, 
daß er als Nachahmer der Wetßheit Gottes aus 
seiner Flucht und sonstigem Schicksale alles mögliche 
Gute herausziehe, und den besten Ausgang, sollte 
es such am Abende seines Lebens seyn, noch schrecken, 
de Drohungen im Grande seyen, die Gefühle dieser 
Erkenntlichkeit und dieses Dankes in uns zu ersticken, 
daß kein seinenVater verspottender Cham, und kein sei, 
) 
nem.fliehenden Fürsten fluchender Seme! unter «nt 
sey, und daß wir als ehemalige Mainzer an Elfter, 
bleligkeil und Treue gegen unfein Kur« und Landes, 
Fürsten gewöhnet, es ein für alle Male mit MofeS 
und Paulus hielten, welche im Namen Gottes ge, 
bieten und sagen: „Dem Volks,Fürsten sollst du 
Nicht fluchen." 
Nach der Predigt betete unser Herr Stadt Pfar 
rer im rührendsten Ton das von ihm auf 
diesen Tag ausgesetzte christkatholische Volkslied: 
„Erfreue dich , 0 Hessenland!" dis zum letzten Ver, 
fe. Man war nicht im Slanoe, den mindesten lau 
ten Athmeuzug, so voll auch die Kirche von Men, 
schen war, unter oer Predigt und diesem Volksliede 
wahrzunehmen. So war Alles ein Ohr- Dicke Thrä, 
nen quollen leise aus unseren Augen. - 
Nach der heiligen Wandelung inronirte der Priester 
das lelleurn, welches übersetzt: „Herr! Gott! 
dich loben wir," abwechselnd unter Pauken und 
Trompeten, unter dem Geläute nur ollen Glocken, 
und forldaurendem Donner aus den kleinen Kano, 
nen aus voller Kehle abgesungen worden. Nach die, 
sem Te Deum wurden die Danksagungs t Collecren 
aus dem römische» Missale abgefangen, der vor, 
mittägige Gottesdienst mir dem Oetensor noster 
„O Gort! du unser Schirmer bist!" beschlossen, 
und wir nach erhaltenem Weihwasser entlassen. 
Nach diesem feierlichsten Gottesdienste ging der Zug 
ins Rathhaus zurück, und zum Beweise des guten, 
Einverständnisses zwischen der geist» und weltlicher 
Obrigkeit eröffnete denselben unser dazu gebetene 
Herr Stadlpfarrer mit dem Herrn Kaplan. Unter 
Paraoierung der Schützenkompagnie und jungen 
Mann chaft, unter dem Paucken, und Trompeten, 
schalle, unter den abwechselnden Salven, und un, 
ter der wehenden und schwenkenden Bürgerfahne 
wurden die höchsten Gesundheiten Sr. Kurfürst!. 
Durchlaucht von Hessen W i l h e l m I., Jhro König!. 
Hoheit der Frau Kurfürstin, Sr. Durch!, des Hrn. 
Kurprinzen, Jhro König!. Hoheit der Frau Kur, 
Prinzessin und des ganzen Kurfürstlichen Hauses, 
und aller Anverwandten, getrunken. Die Luft er, 
tönte von dem sich rm beständigen Vivatrusen aus, 
drückenden Freudenjubel der Stadt, und der her, 
bei geeilten Nachbarschaft. Die ganze Ordnung 
der Dinge an diesem Danksagungsfeste, und des 
Grad von Bieder-, Froh, und Gemeinsinn, von 
Ordnung und Wohlstand gereicht unserem Herrn 
Kantons, Maire Haas, und Herrn Maire, Adjunkt 
Schmandt und der ganzen Munizipalität zur beson, 
dern Ehre. 
Naumburg, den 29. November i 8 i 3 * 
Der Tag des Einzugs unsers vielgeliebten Kurfürsten 
in die Residenz Kassel, war in Melsungen ein Tag 
der Freude. Alle Klagen waren vergessen, und es 
ertönte beständig der Ruf: — Es lebe der Kurfürst.
	        

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