Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1813)

( 949 ) 
«och den Wunsch Hinz«, daß auch von diesen ihren 
Gesinnungen ihre erhabene Monarchen unterrichtet 
werden mögen. 
Besondere Avertissements. 
Men hiesigen Wirthen und andern, welche Fremde 
zum logiren aufnehmen, wird hierdurch zur War« 
nung bekannt gemacht, daß sie bei 30 Kammergul, 
den Strafe keine Fremden über Nacht loaircn dür 
fen , welche sich nicht durch Pässe und Sicherheits- 
Karten in Rücksicht ihrer Verhältnisse, des Zweckes 
ihrer Reise, und der Erlauoniß zu ihrem hiesigen 
Aufenthalt gehörig ausweisen, und daß sie jeden 
Abend einen Nachtzettcl, die Anzeige der bei ihnen 
logirenden Fremden enthaltend, auf die Hauptwa, 
che abzugeben haben, welcher von dort an dre Poli 
zei-Direktion zu befördern ist. 
Kassel, am 16. Dezember i8tZ. 
Kurfürstliche Polizei, Direktion. 
Ha sfenpflug. 
Von Seiten der Kurfürstlichen Polizei, Direktion wird 
hierdurch allen hiesigen Buchdruckern bekannt ge, 
macht, daß sie alle Manuskripte von Gedichten, 
Flugschriften und besonders Ausspottunostn des vo, 
rigen Gouvernements, deren Druck man von ihnen 
verlangt, ehe sie dieselben zu drucken übernehmen, 
erst der Polizei-Direktion vorzuzeigen, und von die, 
ser das ilNprimatur zu crwürken habe«, bei Strafe 
strenger Ahndung. 
Kassel, am 16, Dezember 1815 . 
Der Polizei, Direktor , 
Hafsenpflug. 
Während dem Bau am Museum sind viele Dupletten 
der Bibliothek entwandt und hier verkauft worden. 
Diejenigen, welche dergleichen noch besitzen, fordere 
ich auf. sie an mich baldigst abzuliefern. Alle sind 
an dem Bibi>otheck, Stempel auf der hintern Seite 
des Titelblatts kenntlich. Auch ersuche ich alle, 
welche noch geliehene Bücher von der Bibliothek be, 
sitzen, diese gegen ihre Scheine zurückzugeben. 
Kassel, den l 5 Dezember isiZ. 
L. Völkel, 
Hoftath und erster Bibliothekar. 
Die Feier des gestrigen DanksagungsiFestes wegen der 
glücklichen Rückkehr Sr.Kurfürstlichen Durch, 
taucht von Hessen Wilhelm 1 . wurde uns am 
vorgestrigen Morgen nach der Messe vom Altare, 
und am Abende durch ein dreimaliges Geläute mit 
allen Glocken, durch den Donner aus kleinen Kano, 
nen, durch den Wirbel der Trommeln und durch das 
Jauchzen der Jugend: Es lebe unser Kurfürst 
Wilhelm 1 Vivat hoch! zu unsrer allgemeinen 
Freude verkündiget. 
Dieses Geläute, dieser Donner und Wirbel weckte 
uns auch in der gestrigen Frühe aus dem Schlafe. 
Eine frische Fluth von Lebensgeistern wallte durch 
unsere Adern, und unsere erste Neigung und Mei, 
nung war, dem Allmächtigen, Allweisen und Allgü, 
Ligen für das Geschenk zu danken, daß er uns un, 
seren geliebtestcn Lantzesvater Wilhelm, nach ei, 
ner siebenjährigen fchmerzlichenTrennung endlich wie, 
hergegeben har. Wir fanden uns wie neu gebore».— 
Die Freude, an allen Sonn, und Feiertagen um 
ter der Frühmesse eine Homtlie über die einschlagende 
Epistel zu unserer Belehr, und Erbauung anhören 
zu können, vermehrte sich unaussprechlich, indem 
unser Herr Stadt:Pfarrer, nachdem er über Röm.D, 
n bis 14. von dem Glücke eines Staates gesprochen, 
in welchem die christliche Religion als die sicherste 
Führerin im Leben, die gründlichste Trösterin im Lei, 
den , und die einzige wahre Beruhigerin im Tode 
Herrscher, und als Grundpfeiler des Thrones vereh, 
rer wird, das Trauern der Propheten über ihre 
durch den Verfall der Religion, und durch die will, 
kührliche Behandlung fremder Herrschaft äußerst ge, 
drückten und tiefgesunkenen Nation, ihr Verlangen 
nach Befreiung durch den Cyrus und nach der allge, 
meinen Befreiung durch Christus, diesen Allbeglücker 
des ganzen Erdbodens, sodann das Seufzen der 
Altvärer in der Vorhölle nach dem erlösenden IesuS 
angeführet, von der heiligen Adventezeit und von 
dem ersten Tage des Kirchenjahres veranlasset wurde, 
über die Unzufriedenheit mit einer uns durch Gewalt 
aufgedrungenen, uns Deutschen nicht anpassenden, 
und einer Gefangenschaft gleichenden Verfassung, 
über das allgemeine Verlangen und die wehmüthig, 
sten Seufzer der Kurhessifchen Unterthanen nach der 
Rückkehr ihres alten Landeevaters und nach der da 
mit verbundenen Befreiung und Erlösung und über 
das Glück unserer endlich befriedigten Seufzer und 
Wünsche ins Herz zu sprechen, welches wir dem 
Allmächtigen wegen der auf einander erfolgter Siege 
der verbündeten Mächte Europene, und wegen der 
dadurch geschehenen Rückkehr unseres geliebtesten 
Kur, und Landes fürsten zu verdanken baben. 
Freudeuthränen zitterten in unseren Augen, als wir 
angstentlastet für unseren besten Landesvater die frier, 
lichen Fürbinen bei d.m, der über den Sternen 
thront, einlegen konnten» -
	        

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