Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1813)

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jctfre rnaren indessen noch nicht abgelaufen, als ver 
mittelst Uebercinkunft zwischen der Verpächterinn 
und dem Päch:er, letzterer dte Pachtung mir abtrat, 
und mir das von ihm angekaufte Keidelsche Inven 
tarium nach vorhergegangenem Taxatum wiederum 
käuflich überliess Ich bezahlte solches nach Verein 
barung der Verpächterinn und des abgehenden Päch 
ters mit meinem baaren Gelde, und zwar theils an 
die Verpächterinn, für rückständige bedeutende 
Pachtgefäkle, Deteriorationen und Entschädigung, 
theils für rückständigen Liedlohn, Arbeitslohn, Le 
bensmittel und nothwendige Gertchtskosten, mit 
einer Summe von 2790 Rthlr. in Golde, und behielt 
ausserdem noch 420 Rrhlr. in Golde zurück, zur Si 
cherung einer Forderung, welche der Herr Pr. R. 
Westfeld an Herrn Wiebe hatte, wie hierüber eine 
Notariats-Urkunde des Herrn Districts-Notar Nvlte 
vom 7. März i8i2 zeigt. — Ich zeigte dem Herrn 
Pr. R. Westfelv an, daß jene 4¿Q Rthlr. Hon rbm 
in Empfang genommen werden kennten, welches je 
doch unterblieb. Vielmehr legte derselbe bald nach 
her auf diese Summe bei mir Arrest, und leitete 
ein eben so kostbares als unnützes Verfahren ein. 
Wahrend dem Gange desselben legre auch der Kauf 
mann Meyer aus Hildesheim — am I1. Zuny 1812 
wegen einer angeblichen Forderung an Herrn Wiebe 
Arrest bei mir, indem d^fer sowohl, als der Herr 
Pr. R. Westfelv eine Hypothek ans das Wiebesche 
Inventarium zu haben, behaupteten. Uncer diesen 
Umständen durfte ich nun dem mir am 2. July i8i2 
insinuirten Erkenntnisse, welches mich anwieß, dem 
Herrn Pr. R. Westfeld die mit Arrest belegte Sum, 
me für Rechnung des Herrn.Wiebe zu zahlen, keine 
Folge leisten. Ich depontrte vielmehr diese Gelder, 
und zeigte dem Herrn Pr. R. Westfeld dieses und 
die Beschlagnahme des Herrn Meyer an. So blie 
ben nun die Sachen bis zum 19. July d. I., ohne 
daß der Herr Pr. R. Westfelv das erforderliche 
Rangorönungeverfahren eingeleitet, — an welchem 
Tage der Herr Tribunal-Huisster Wenzel mit zwei 
Zeugen, zwei Gendarmen und einem Schlosser bei 
mir auf Kerstlingervderfeld erschienen, und ersterer 
mein ganzes Feld- und VichItwemarium, Schtss- 
und Geschirr, Brennerei, Küche und Keller, in 
Beschlag nahm, und alle Böden und Thören 
durch den Schlosser öffnen ließ. — Ich behaupte 
nicht zuviel, wenn ich sage, daß die mit Arrest 
belegten Gegenstände gewiß gegen 9000 Thaler be 
trugen. Ich will nur das Wichtigste davon nennen, 
so wie es im Protokolle des Hm. Huifi. Wentzel 
befindlich: 8 Pferde; 2oKühe; r Ochse; 4.Kälber; 
43Schweine; iZiSchcvke; HZHämmel; 28Läm- 
mer; 4Ackcrwagen; 73 Morgen Gerste; 63 Mor 
gen Waitzen; 77 Morgen Roggen; 62 Morgen Ha 
fer; 2 Morgen Erbsen; 3 Morgen Lucern; 6 Mott 
gen Sommer Saat ; 36 Morgen Ranz eug; 5 L Mor 
gen Klee; 6 Morgen Kartoffeln; 2Z Morgen Run 
kelrüben; 54 Malter Roggen auf dem Boden; 7 
) 
vollständige Betten; den gefammten Dünger; Lei 
tern; Pfluge; Eggen; Sensen; Flachscepen; Fäs 
ser ; diejganze Brennerei mit allem Zubehör; sämmt 
liches Küchen -Geschirr; Kessel und Topf; Heerd; 
Waageschalen Gewicht; Futterladen; Ketten ; Brau- 
Kessel.; kurz alles, was vorgefunden wurde. Dies 
unerhörte, Gesetz- und Prozeß- widrige Verfahren 
begann ohne alle vorherige weitere Anzeige. Art. 
2169 §. S., abgesehen davon, daß der Herr Huis. 
Wentzel wenige Tage zuvor den Versuch machen 
wollte, mein Inventarium mit Beschlag zu belegen, 
wobei ich erklärte, daß es mit meiner Zustimmung 
plattektings nicht geschehen könne. Dieß widerrecht 
liche Verfahren begann am Ly. Juli Morgens, und 
endete am 20. Juli Abends. Das Vieh stand ohne 
Futter, die Schaafe lagen vom ry. bis zum roten 
-Abends in den Hürden ohne Speise und Trank. 
Mein ganzes Hauswesen wurde zerrüttet. Kiste» 
Und Kasten geöffnet, viele Schlösser gewaltsam er 
brochen und rutnirr. Doch am 24 July wurde die 
Sache bey Königl. Districts,Tribunal in Göttinge» 
EU référé verhandelt, und mittelst Erkenntnisses des 
Herrn Präsidenten von demselben Tage das ganze 
Verfahren als ordnungswidrig und unstatthaft auf 
gehoben , dem Herrn Huissier Wentzel befohlen, die 
angelegten Siegel auf die mir gehörigen Jnventa- 
vienstücke sofort wieder abzunehmen, den bestellten 
Aufseher wieder zu entlassen, und mich wiederum 
in den unbeschränkten Besitz meines. Eigenthums z« 
setzen, verurtheilte auch den Herrn Pr. R. Westfeld 
tn die Kosten. So erlitt ich denn einen unersetzliche» 
Schaden, eine öffentliche nie zu redressirende Be 
schimpfung/ einen Verdruß, der auf meineGesund- 
cheit einen höchst bedeutenden Einfluß hatte; welches 
alles durch eine demnächst anzustellende Entschädt- 
gungs- und Injurien-Klage mir nie wieder ersetzt 
werden wird. Der Gerechcig» und Billigkeitelie- 
bende.Mann wird mirs nicht verargen, die Skitze 
dieser merkwürdigen Geschichte, deren Erinnerung 
stets den gerechtesten Unwillen erregen wird, mftzu, 
theilen, und ihm eine richtige Idee von der Sache 
beizubringen. Auch werde ich nicht verfehlen, das 
Resultat in der Hauptsache demnächst bekannt z« 
machen. 
Göttingen den 23. August I8î> 
Or. L. H. Jordan, ' A. W. Stel-tzner. 
aU Anwalt des Herrn Oekononüe-Rachs Steltzner, 
und in dessen speziellem Aufträge. 
Bücher- Anzeigen. 
r. In der Griesöachschen Buchhandlung ist zu haken, 
" neue SportchTaxe für die Huissiers des Königreichs 
Westphalen 4. Göttiogen 8 Ggr.. Dieselbe ins. 
: Heilige,istadt 4 Ggr. • 
2. Bei Thurneiftn in Kassel ist so eben wieder ange 
kommen, und von nun an stets vvrrächig zu fin,
	        

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