Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1811)

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dieser Eintragung, be! dem dazu bestellten Agenten, 
durch eine von der Polizei-Präfektur ausgefertigte Si- 
cherheitökarte legitimirt har, und mit einem westfä 
lischen Patente von i8u versehen ist. 
Art. 2. Diejenigen, welche physikalische und me 
chanische Künste machen, Gaukler, Laschenspieler, 
Seiltänzer, Musikanten und alle andere Personen, 
welche das Publikum durch ihre Künste, Geschicklich 
keit und herumziehende Schauspiele belustigen, sind 
gehalten, sich auf der Polizei-Präfektur zu stellen, um 
sich einen Erlaubnißschein auszuwirken. 
Diese Erlaubnisscheine werden alle Tage, von heute 
an gerechnet, des Morgens von 10 bis n Uhr, und 
des Nachmittags*von 2 bis 5 Uhr, ausgefertigt. 
Art. 3. Alle, sowohl in den zur Messe gehörigen 
Gebäuden als Straßen und öffentlichen Plätzen vor 
fallenden Vergehen oderUebertretungen sollen von den 
Polizei-Kommissarien gerichtlich verfolgt, und in Ge 
mäßheit des Gesetzes vom i6ten August desselben IahrS 
und der nicht aufgehobenen Verordnungen, bestraft 
werden. 
Art. 4. Die Gastwirthe, Vermiether von menblir- 
ten Zimmern und überhaupt alle diejenigen, welche 
Personen, die nicht in der Stadt Kassel einheimisch 
sind, langer als sechs Stunden ohne Sicherheits 
karte bei sich beherbergen, verfallen in die von den 
Kraft habenden Reglements, Verordnungen, Beschlüs 
sen, und insbesondere durch das königliche Dekret 
vom Zosten Junius 1310 festgesetzte Geldstrafe. 
Von den Verfügungen dieses Artikels sind auch die 
jenigen nicht ausgenommen, welche in Kassel nicht 
angesessen sind, aber oft dahin kommen und Absteige 
quartiere gemiethet haben. 
Art. Z. Jeden Abend um sechs Uhr sollen die zur 
Messe gehörigen Buden von den Polizei-Agenten sorg, 
faltig untersucht werden, um sich zu versichern, ob 
sie auch wohl verschlossen sind ; und werden diejenigen 
Kaufleute, deren Buden offen oder schlecht verschlos 
sen befunden sind, in Gemäßheit der nicht aufgehobe 
nen Verordnungen, zur Strafe gezogen werden. 
A r t. 6. Keine Handelöwaare soll vor Montag Mor 
gens in der Gallerie ausgepackt werden.^. Sobald die, 
sowohl in der Gallerie als in den äußern Buden ste 
henden Kaufleute ausgepackt haben werden, sind die 
selben gehalten, ihre Kasten, Koffers, Ballen u. s. w. 
dermaßen zu ordnen, daß sie den Durchgang nicht 
versperren. 
Art. 7. Die Meß-Handelsleute, welche ihre Waa 
renlager in Privathäuseru oder in portativen Buden 
aufgeschlagen haben, können Donnerstags den 2iten 
März auspacken. 
Art. 8. Es ist aufs neue verboten, weder in der 
Gallerie, noch in den zurMesse gehörigen Buden und 
Straßen, Tabak zu rauchen, oder Kohlen und andere 
Zündmaterialien brennend zu erhalten. Gleichermaßen 
ist es den Sängern und Spielleuten untersagt, ihr 
Gewerbe im Innern der Gallerie zu treiben. 
Art. 9. Es ist den Kaufleuten unter gesetzlicher 
Strafe untersagt, ihre Zeuge oder andere Gegenstände 
so auszulegen, daß sie den Durchgang und die Aus 
sicht hindern. 
Art. 10. Alle und jede, den Verfügungen der ge 
genwärtigen Verordnung zuwiderlaufenden Befehle, 
Reglements oderHerkommen sind und bleiben als nich 
tig und nicht bestehend anzusehen. 
Art. n. Keine öffentliche Lustbarkeit kann weder 
in der Stadt Kassel noch deren Bezirk statt haben, ohne 
daß diejenigen, welche sie geben, mit einem von der 
Polizei-Präfektur dazu ausgefertigten Erlaubnißfchein 
versehen sind. Diese Erlaubnißscheil.e werden derTaxe 
des von Sr. Majestät unterm 2zsten März iziO 
genehmigten Tarifs, wie folgt, unterworfen. 
Erste Klasse. 
Die Spielleute oder Sänger, herumziehende Sprin 
ger und andere dergleichen Leute, welche auf den Stra 
ßen und andern öffentlichen Plätzen u. f. w. ihre Künste 
zeigen, sollen täglich für jede Person, bloß die Kinder 
bis zu zwölf Jahren ausgeschlossen, für jeden Tag , 
wo sie ihr Gewerbe treiben, außer den Messen zwei 
Albus, und während der Meßzeit, drei Albus zahlen. 
Desgleichen die Zauberlaternen, Marionetten, Guck 
kasten und andere von Menschen auf dem Rücken um- 
hergetragcne kleine Schauspiele, abgerichtete Thiere 
auf offener Straße oder auf den öffentlichen Plätzen 
u. s. w. sollen unter denselben Einschränkungen und 
für jede mit dem Zeigen dieser Dinge beschäftigte Per 
son, und jedenTag, wo sie ihr Gewerbe treiben, außer 
den Messen zwei Albus, und während der Meßzett 
drei A-buS zahlen. 
Zweite Klasse. 
Die mechanischen, physikalischen und magischen 
Vorstellungen, Kunststücke zu Fuß und zu Pferde, 
Ausstellung seltener oder wilder Thiere und andere 
kleine herumziehende Schauspiele, welche in einem 
Hause, umschloffener Bude u. s. w. statt finden, sol 
len für jeden Tag, wo sie chr Gewerbe treiben, ohne 
Rücksicht auf die Anzahl der Personen, außer den 
Messen vier Franken, und zur Meßzeit sechs Fran 
ken bezahlen. 
Oeffentliche Tanzbälle von Arbeitern u. s. w. zehn 
Groschen oder 1 Frank 60 Cent, für den Tag, es mag 
in oder außer der Messe seyn. 
Oeffentliche Bälle von Bürgern zwanzig Gro 
schen oder 3 Franken 25 Cent, für jeden Tag, es Ma 
in oder außer der Meßzeit seyn. 
Kegelspiel unter freiem Himmel für den Tag einen 
Franken, es mag in oder außer der Meßzeit seyn. (Die 
jenigen, welche ein solches Spiel besitzen, können sich, 
einem Beschluß Sr. Exzellenz des Ministers des In 
nern zufolge, ein jährliches Abonnement lösen.) 
Konzerte und öffentliche Gärten für den Tag vier 
Franken, es mag in oder außer der Meßzeit seyn. 
Art. 12. Gegenwärtige, in französischer und deut 
scher Sprache abgefaßte Verordnung soll öffentlich ba
	        

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