Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

N*, 195. 
Sonnabend den 29.Decembcr i8ro. 
oder Supplement 
Moniteurs. 
Kassel. 
Einem ?lustrage der Direktion dcS Moniteurs gemäß 
wird bicrdnrch bekannt gemacht, daß nur diejenigen 
Artikel des Feuilletons als officiel zu betrachten 
sind, welche direkt von Sr. Maj., Ihren Ministern 
und den in der Hauptstadt residirendcn Behörden aus 
gehen und von diesen unterzeichnet sind. Alle übrigen 
Artikel haben nichts offizielles für daü Fuldadcpar- 
tcment. 
Surrogate für Kolonialprodukte. 
'Pappelwolle betreffend. 
Im allgemeinen Anzeiger der Teutschen war die Rede 
von so schönen Hüthen, welche in München aus Wci- 
denwolle gefertigt werden. Wenn nun diese Wolle so . 
brauchbar befunden worden, fo sollte es wohl dicPapr 
pcluwolie noch mehr seyn. Es wird zwar in einigen 
Schriften behauptet, daß nach angestellten Versuchen, 
die Pappelwolle zu nichts zu gebrauchen sey, dies 
scheint aber doch nach obigem, wenn man analogisch 
schließen darf, nngegründer zu seyn; zum spinnen wird 
sie freilich so blos nicht gebraucht werden können: Al 
lein gibt es nicht noch gar viel Dinge, wo sie die 
Baumwolle ersetzen kann? z. B. zu Dochten in die. 
Ochliampen, zu Zwischenlager» in genähten Decken, 
Walten, Kiffen u. dgl.; wenn auch die Baumwolle 
wieder wohlfeiler werden sollte, so wäre diese Wolle 
doch als ein inländisches Produkt aller Aufmerksam 
keit werth, da wenn die Bäume einmal tragbar gewor 
den sind, sie es sicher jährlich seyn werden. Es haben 
sich hier dieses Jahr vier Baume kanadischer Pappeln 
von iSjahrigem Alter zuerst und sehr reichlich beladen 
gezeigt; eS wurde diesnur etwas zu spät gesehen, da man 
so etwas nicht vermuthete; dieDlühten waren also schon 
mchrenkheilö heruntergefallen, und da dir Bäume auf 
einem Weideplatz stehen, vom Vieh zertreten worden. 
Ich wollte.daher die Besitzer solcher Bäume auf diese 
Wolle aufmerksam machen, und weil die männlichen 
Pappeln nur Blüthen tragen, die weiblichen aber die 
schöse Wolle bringen, so müßte man diesen den Vor 
zug zur Anpflanzung vor jenen geben, da übrigens 
Wuchs der Baume gleich ist. Es giebt eine große 
Menge weitläuftigcr Viehtriften, wie z. B. die Ge, 
meine vor Bebra, Distrikts Hersfeld, wo für eine große 
Anzahl Platz genug ist, ohne der Weide viel zu fcha, 
den, besonders wenn so eine Anlage nach gewissen Re 
geln grillacht wird. Die italienische Pyramidenpap 
pel wird zwar wegen ihres mahlerischen Wuchses den 
mchrestcn andern Arten vorgegangen, die werblichen 
Baume wüsten auch eben so schöne Wolle tiefern, da 
sie aber gar zu hoch empor steigen, so dürfte das Eins 
sammle» fast unmöglich werden; bei der kanadischen 
aber ist dies leichter. 
Zucker Ahorn. 
Daß die Nordamerikaner aus dem Zucker«Ahorn- 
Baum nicht nur ihren Bedarf qn Zucker, sondern auch 
noch Uebcrflnß zum Verkauf herauHubringFN wissen, ist 
bekannt: Hat man in Westphalcn noch keine gelunge 
nen Versuche darüber auszuweisen? Die Bainnart muß 
nothwendig in den Gürten von Schwober und Harbke, 
-schon von ansehnlicher Größe vorhanden seyn: hat 
man da oder dort noch keine Proben gemacht, und wle 
sind sie ausgefallen? gewöhnlich ist in Pcnfylvanic'n 
die Zeit des Abzapfens im Februar oder Anfang März, 
zuweilen muß es aber auch schon im Dezember gesche 
hen, cs kovunt dabei hauptsächlich darauf an, daß der 
Zeitpunkt richtig gewählt wird; weis, zu früh, der 
Saft nicht fließt, und zu spät der Znckcrstoff ver 
schwunden ist. 
Welche inländische Gattung von Ahornen, ist dazu 
am brauchbarsten? der aoer Paeudo-platanus (>at 
Ähnlichkeit mit a. Sachavinum; acer Negamlo soll 
dazu gut seyn, der ist aber, wenigstens hier, sehr zärt 
lich , er verfricrt. 
Rotenburg an der Fulde, den ersten Dezemb. iZro. 
E. S. 
Ueber die kritische Lage, worin sich gegenwärtig 
England im Fall eineü Mißjahrs befinde» 
wird. 
Es ist eine bekannte Wahrheit und überdem doku 
mentier in Smiths Tracts on the trade oí Com, 
daß England nicht selbst das Korn hervorbringt, was 
es zu seinem Bedarf nöthig hat. Der Werth des cin- 
359 - . '
	        

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