Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

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A k t. 2ä. Die MitPrüfuttgöschrelbett versehenen jungen 
teufe sollen sich bei dem Examinanten an dem Orte 
und zu der Stunde, die durch dae ministerielle Um, 
Laufschreiben bestimmt sind, einfinden, und bei dem 
Gouverneur der Schule, und in dessen Abwesenheit 
bei dem Kommandanten, sich einzeichnen lassen. Nach 
dieser Förmlichkeit sollen sie geprüft werden. 
Art. 24. Die Prüfung soll in Gegenwart von Ge 
schwornen geschehen. Diese sollen bestehen: 
t, aus dem General-Direktor der Artillerie; 
2. aus dem Staabs-Offiziere, Kommandanten der 
Schule; 
3. aus zwei Staabs-Offizieren von der Artillerie und 
dem Geniewesen, welche der Kriegsminister hierzu 
' ernennt. 
Art. 25. Die zugelassenen Subjekte sollen auf Ko 
sten der Regierung unterhalten werden. 
Fünf andere sollen in halbe Pension aufgenommen 
werden. 
Die andern bezahlen die ganze Pension, welche tau 
send Frauken betragt. 
Die Pensionen werden vierteljährig und zum Vor 
aus bezahlt. 
Art. 27. Die zehn Plätze, für welche die Regierung 
die ganze oder halbe Pension bezahlt, sollen von Uns 
auf den Vorschlag Unseres Kriegsministers vergeben 
werden. Sie sind dazu bestimmt, die geleisteten Dien 
ste der sich auszeichnenden Staatsbeamten und beson 
ders der im Dienst des Staates getödtelen oder ver 
stümmelten Militairpersonen in deren Kindern zu be 
lohnen. Sic können auch den Militairpersonen jedes 
Grades gegeben werden, welche die erforderliche Kennt 
nisse, aber nicht genug Vermögen besitzen, um in die 
Schule sich aufnehmen zu lassen. 
Art. 28. Vermittelst der Summe von tausend Fr., 
welche für jeden Zögling, entweder von ihm selbst, 
oder von der Regierung, bezahlt wird, soll die Schu 
le die Nahrung, Kleidung, Wohnung, Heitzung, 
Licht, die geringen Kosten des Unterrichtes, mit einem 
Worte jede Ausgabe des Zöglings bestreiten, mit Aus 
nahme des durch den 19. Art. den Sprach - und Fecht 
meistern bewilligten Honorars. 
Art. 29. Die in die Schule aufgenommenen Zög 
linge sollen den Rang von Unterlieutcnantö haben. 
Sie sollen die unterscheidenden Zeichen derselben tra 
gen, und alle diesem Grade beigelegten Ehrenbezeu 
gungen und Vorzüge genießen. Ihre Uniform soll die 
des Artillerie - und Genie-Korps seyn. 
Art. 30. Die Zöglinge sollen so lange, als sie in 
der Schule sich befinden, der Konskription nicht unter 
worfen seyn; aber die, welche jene verlassen, ohne in 
dem Artillerie - und Genie-Korps angestellt zu seyn, 
kommen wieder unter die Gesetze der Konskription. 
Zweites Kapitel. Unterricht und Studium. 
Art. Zi. Der Unterricht soll zum Gegenstand haben: 
r. die mathematischen nnd Physikalisch-mechanischen 
' Wissenschaften; ' 
2. die Chemie, die Physik und die Mineralogie; 
3. die Befestigungs - und die Kriegsbaukunst, so wie 
die militärischen Wissenschaften; 
4 das Entwerfen der Risse und die Erbauung von fe 
sten Plätzen, deren Angriff und Vertheidigung; die 
Minenarbeiten; das Entwerfen der Risse und Er 
bauen der Schanzen u. s. w.; das Zeichnen; die 
Aufnahme von Planen; die Topographie und die 
Zeichnung der Landcharten; 
Z. die Verfertigung aller Arten von Feldstücken, so wie 
der Artillerie-Wagen und Geräthschaften; die Bil 
dung und Fortschaffung der Equipagen der Feld- 
Belagerungs , und Festungs-Artillerie; die Bildung 
und Forschaffung der Drücken-Equipagen; alle Ar 
tillerie -Manoeuvres, und endlich eine kurzgefaßte 
Unterweisung in den Infanterie- und Kavallerie- 
Manoeuvres; 
6. das Verwalrungs- und Rechnungswesen der Trup 
pen, und insbesondere der Artillerie - und des Gc- 
niewesens bei den Armeen und in den Festungen; 
7 . die französische Sprache, die teutsche Sprache und 
die Fechtkunst. 
Art. 32. In der Schule sott cinUntcrrichterath, be 
stehend aus Offizieren der Artillerie und des Genie- 
wesens, welche hierzu von Unserm Kriegsminister so 
wohl unter denen der Schule, als denen außer dersel 
ben, zu ernennen sind, wie auch aus den Professoren 
gebildet werden- Dieser Rath, in welchem der Ge 
neral-Direktor der Artillerie und desGeniewesens den 
Vorsitz hat, soll die Ordnung der Studien bestimmen. 
Art. 33. Der Uliternchtörath soll aLc zwei Monate 
sich versammeln, um über die Vervollkommnungen zu 
berathschlagen, welche in dem Unterrichte und den 
Studien noch statt finden könnten. 
Drittes Kapitel. Polizei und Disciplin. 
Art. 34. Die Polizei und Disciplin der Schule sind 
dem General-Direktor der Artillerie und des Genicwc- 
sene und unter dessen Befehlen dem Kommandanten der 
Schule übertragen. 
Zwei dazu erwählte Zöglinge der Schule sollen den 
Dienst von Adjuvanten verrichten. 
Art. 35. Die bereits vorhandenen oder noch zu er 
lassenden militairischen Gesetze und Verordnungen über 
die allgemeine Polizei und die Disciplin der Truppen 
sollen n der Schule von den Zöglingen und den zu 
ihrer Bedienung angestellten Personew beobachtet wer 
den. Es soll außerdem noch ein besonderes Dienst- 
und Pvlizeireglcmenr, unter welchem die Zöglinge ste 
hen sollen, verfertigt werden. 
Viertes Kapitel. Austritt aus der Schule. 
Art. 36. Die Zeit, welche in der Schule zugebracht 
werden muß, ist zwei Jahre; dem zufolge soll jedes 
Jahr eine Prüfung der anstrctenden Zöglinge in Ge 
genwart der durch den 2^ten Art. angeordneten Ee- 
schwyrnen angestellt werden. ... .
	        

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