Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

fche Kalkül'ans Gewinst/ fährte das Akzise - und Kon- 
rrebandsystcm ein, dessen unendlich verderbliche Fol 
gen auf die Moralität von Europa ein künftiger Mon 
tesquieu mit Zügen schildern wird/ die eben so schau 
derhaft als wahr sind. Vom Ackerbau/ welcher ge 
sunde/ kräftige Menschen erzeugt/ wurde das Volk 
in die Städte gelockt/ an Fabrikstühlc gefesselt/ zu 
Maschinen herabgewürdigt, die für den Reichthum ih 
res Fabrikherrn eben so mechanisch sich bewegen/ wie 
ein Mühlrads für den Erwerb des Müllers. Die Baum 
wolle, von Negersslaven gepflanzt und geerntet/ bedarf 
noch mehr europäische Sklaven zu ihrer Bearbeitung — 
Menschen werden dadurch ernährt/ sagt ihr? Aber 
häkle sie der vaterländische Boden nicht auch ernährt/ 
und ihnen noch dazu einen gesunden Körper und ein 
frölichcs Leben verschaft, wenn der Ackerbau so'kulti- 
virt worden wäre/ wie die Fabriken? Und wäre diese 
Nahrung nicht sichrer gewesen? Euer armseliges Me 
tall / könnt ihr euch damit nur einen Augenblick daz 
Leben fristen? Und wie/ wenn es ausbleibt? wenn 
eure Fabriken die Konkurrenz mit andern nicht aushal 
ten? und sind nicht unzählige deutsche Fabriken rui- 
nirt worden? wenn nun eure sichern Arbeiter nach 
Nahrung schreien? Mitten in den sogenannten blü 
henden Zeiten des Handels haben wir ja »ieses entsetz 
liche Elend erlebt! Während auf den Tischen der Rei 
chen die Erzeugnisse aller Weltthcile aufgeschüsselt wur 
den, entriß man den Hunden ihre Nahrung, dreKno 
chen, und entdeckte die Kuuft — eine Sättigung für 
die Armen daraus zu bereiten. O schreiendes entsetz 
liches Mlsverhältniß zwischen Menschen einer Nazion, 
eines Glaubens, eines Landes! — Wie brüstet sich 
der dumme Stolz des Reichthums! Mir wichtiger Mie 
ne schreitet Mancher einher, der kein andres Verdienst- 
Hat, als daß er vielen Kaffee und Zucker verkaufte; 
mit lächerlichem Dünkel bläht sich ein andrer, von 
dem weiter nichts zu rühmen ist, als daß er Tobacks- 
rauch in viele Mäuler, und ekelhaften Schnupftoback 
in noch mehr Nasen brachte; und kümmerlich lebt der 
Gelehrte, dtlrch dessen Kunst und Wissenschaft erst der 
Reichthum jener Leute möglich gemacht wurde, wie 
der arme Bergmann, der das edle Metall aus dem 
Schachte förderte, mit seiner Familie hungert, wah 
rend die Früchte seines Fleißes Leckereren auf die Ta 
feln der Reichen zaubern! 
Durch feine Infularifche Lage, durch die Betrieb 
samkeit seiner Bewohner, und durch die Ausmnnte- 
ruug seiner Regierung, hat sich Großbritannien das 
Monopol des Welthandels errungen. Mit einer Be 
völkerung von ungefähr vierzehn Millionen Menschen 
hält es eine ungeheure Menge Kolonien in allen Welt- 
gegenden besetzt, behaupte: ein weitläusriges Reich in 
Ost-Indien, bedeckt alle Meere mit seinen Schiffen, 
überhäuft alle Magazine mit seinen Fabrikaten, und 
mischt sich in alle Sraatshäudek vcu Europa. Es hat 
alle Kräfte aufgeboten die Welt in Erstaunen zu fetzen, 
und Europa in den Abgrund des Unglücks zu stürzen. 
Seine mechanischen Talente, worin cs alle curopair 
schew Völker üöertrift, 'ersetzten den Mangel an Ar 
beitern, und erfanden Maschinen zu Bereitung der 
Fabrikwaaren, wodurch schöne Produkte so wohlfeil 
geliefert wurden, daß unzählige Fabriken des festen 
Landes dadurch zu Grunde gingen, und Millionen 
redlicher Arbeiter an den Bettelstab gebracht wurden. 
Alles Geld von Europa stürzte in diesen unersättlichen 
Schlund, und Großbritannien, immer besorgt durch 
Emporkommen andrer Nazionen in diesem Besitze ge 
stört zu werden, nährte damit den landerverwüstendei» 
schrecklichen Krieg, und belastete sich mit den Verwün 
schungen aller'europäischen Nazionen, während es 
selbst in einen Zustand versetzt wurde, wo seine Schul 
den weit größer sind wie seine Reichthümer-, sein na 
her Untergang wahrscheinlicher, als sein fortdauernder 
Flor, und wo die prekaire Existenz se nes Finanzsyr 
stems durch ungeheure Lasten seiner Bewohner und 
durch Gewaltthätigkeiten gegen alle Völker der Welt, 
nur mühsam erhalten werden kann. Und worauf zie 
len alle diese Besitzungen Englands, alle diese rastlo 
sen Anstrengungen, alle diese schrecklichen blutigen 
Kriege? — auf Die erbärmliche Lächerlichkeit, mit Kaf 
fee, Zucker, Tabak, Gewürze, Baumwolle, Indi 
go re. allein handeln zu wollen, und die freien Wellen 
des Ozeans ausschließend zu armseligen Kramereien 
zu benutzen. — So ist der Handelegeift die Quelle 
des Unglücks, unter welchem Europa jetzt seufzt! 
O mütterliche Erde, warum verschluckst du so viele 
Thränen und so vieles Blut deiner Kinder, die doch 
alle auf deinen Fluren reichliche Nahrung fanden! 
Schöner Himmel, warum wölbst du dich über so viele 
unglückliche sorgenvolle Herzen, die doch alle in dein 
heitres Blau fröhlich hiuauffchauen könnten. Die nie 
drigste Gewinnsucht ist die Quelle des Unglücks, dev 
Sorgen, und der zahllosen Thränen, welche das arme 
Leben der jetzigen Menschheit verglften! 
Vorladung der Gläubiger. 
i. Hannover. Alle Staategläubiger, welche aus 
den seit 18O3 in den vormals Hannöverschen Pro 
vinzen auf allgemeinen Landes-Kreoit eröfneten An 
leihen Forderungen an die Gesammtheit der ehema 
ligen Landschaften haben, die sich auf schriftliche 
Urkunden z. B. auf Obligationen und Zins-Lou- 
pemsau korteur lautend gründen,' werden hierdurch 
aufgefordert, solche vor der unterzeichneten, in Gc- 
mäshcir des königl. Dekrets vom Lyten August d.I. 
Hieselbst zur Liquidation der Staats-Schulden der 
vormals Hannöverschen Provinzen koustituirteu Kom 
mission entweder in Person oder durch Bevollmäch 
tigte vom 22teu d. M. bis zum ZOtcn November 
d. I. Morgens 10 Uhr unter Produzirung der Ori- 
ginallDokumente zu verisiziren, auch deren Zinsfor- 
derungen genau und von siedem Obligations-Buch 
staben besonders zu spezifiziren. Wegen der von 
einzelnen Landschaften angeUebenen Gelder, der Do-.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.