Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

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redete ihn türkisch an: nimm meine Uhr, mein Geld, 
meine Uniform, todte mich nicht! Er erwiederte: das 
ist doch mein, dein Kopf auch, und hiermit lößte er 
mir dar Band auf, was die Husarenmütze (Tczakow) 
unter dem Kinn hält, dann die Haiebinde. Ich ba 
faß nicht die geringsten Waffen, an Wchrfetzen war 
nicht zu denken, er hatte gleich sein breites Messer ge, 
zückt, und stieß es mir sicher bei der ersten widerspen 
stigen Bewegung in die Brust- Ich faßte ihn stehend 
um d-'n Leib, indem er mit Entblößung meines Hal 
ses beschäftigt war: Habe Barmherzigkeit, ich bin von 
reicher Familie, nimm mich gefangen, dir soll eine 
hohe Ranzion werden! das ist zu wcitläuftig, entgeg- 
ncte cr, halt nur still, daß ich fchncidan kann; und 
zog schon die Nadel aus meinem Hemdkragen. Ich 
hatte ihn bittend umschlungen, er im Vortheil der Lei- 
hcsstarke, der Bewaffnung, und sogar mit einigem 
Mitleid (was er nicht über den Dukaten vermogte), 
hinderte es nicht. Indem er jene Nadel auszog, 
fühlte ich etwas hartes an seine« Gürtel. Es schien 
ein eiserner Hammer. Er sagte bereits noch einmal: 
nun hall still, und dies wären meine letztgehörttn 
Worte dieser Weit gewesen, wenn mirs nicht die To 
desangst angegeben, plötzlich den Hammer aus dem 
Gürtet zu reißen. Er versah sichs nicht, hatte mit 
einer Hand meinen Kopf, mit der andern das Messer 
gefaßt, und ich kam durch eine heftige Bewegung auf 
einen Moment los. Dieser ward genutzt, ihn den 
Hammer ane Leibeskraft ins Antlitz zu schlagen. Er 
war schwer, ich traf nicht fehl, der Arnartt taumelte. 
Die kostbare Zeit rief zum zweiten Schlag. DerFürch- 
tcrliche jank, das Messer entfiel. Daß ichs werde cr- 
i k'ffen und khn mchreremal in den Leib gesenkt haben, 
cdarf kaum der Erzählung. 
Ich floh gegen unsere Vorposten, deren Waffen im 
Sonnengianz blitzten, und gelangte ins Lager. Man 
machte mir wie einem Gespenst Platz. Noch den Tag 
w-wd ich am hitzigen Fieber erkrankt zum Feldspital 
geführt. Das wird niemand sonderbar finden. 
Nach sechs Wochen hatten mich indessen die Aerzte 
»vn Krankheit und Wunden befreit, und der Beruf 
führte mich wieder zum Heer. Nach meiner Ankunft 
brachte jene Zigeunerin den bedungenen Ungarwein, 
und ist) mußre vou andern hören, daß ihr wahrend 
der Zeit merkwürdig bestimmte Weissagungen geklin 
gen sie dadurch zu einem vielbczahlten Ruf und meh 
reren Erbschaften gelangt sey. Das war höchst son 
derbar. 
Indessen kamen nachher zwei Ueberläuftr, servische 
Christen, beim Troß der Ottomanen angestellt, und 
aus Furcht vor einer verwirkten Strafe entfiohn. Diese 
sagten, die ägyptische Seherin erblickend, aus, sie 
käme oft nächtlich ins türkische Lager, um über uns zu 
kundschaften. Das befremdete nicht wenig, da sie 
oft für uns gethan, und man die Gewandheit bewun 
dert hatte, mit der sie häufig die gefährliche Sache 
ausgeführt. Jene bezeugten aber, dabei gewesen zu 
seyn, wenn sie unsre Positionen beschrieben, unsre 
Vorhaben entdeckt, und die Türken zn mehreren her 
nach wirklich erfolgten Angriffen angefeuert habe. Sie 
hatte, hieß es, eine türkische Chiffcr, welche als Paß 
diente.- Man fand diese bei ihr und verdammte so 
gleich die Spionin zum Strag. Vor der Vollstreckung 
fragte »ich sie noch über das Nichtzuenträthftlnde. Sie 
gestand: bei der doppelten Kundschafterei, des dop 
pelten Gewinns halber; habe sie vieles, was vorge 
hen würde, erfahren, um so mehr, da diejenigen, 
welch? sich ihrer Nativitätstellung ins Geheim bedient, 
sehr vertraulich gewesen. Der Zufall habe sie auch 
begünstigt. Bei mir hatte sie eine recht glänzende Au- 
tvrität erlangen wollen, nachdem sie lange vorher ei 
nen bcdcntlichen Termin anss Gerathewohl genannt. 
Im Annähern des zwanzigsten Augusts wären t>i< 
Feinde von ihr vermögt, in einer Nacht auf den Po 
sten unsere Regiments etwas zu unternehmen. Bei ih 
rem Verkehr mit Offizieren hatte sie erfahren, daß 
zwei in der Reihe vor mir ständen und dem ersten 
eine Schädlichkeit in Wein verkauft.. Dem zweiten 
da er wcgrciten wollen, auch mit Zudringlichkeit et 
was zu Kauf angeboren und dabei unvermerkt dem 
Pferde ein Stück brennenden Schwam hoch ins Nasen 
loch gesteckt."
	        

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