Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1810, [2])

c 134° ) 
Herr Mehner, Unteramtmann zu Wenigsen, 
ist bei diesem Tribunal znmAssessor, und 
Herr R u tu a n n , eheinaligcr Kanzleirath zu 
Hannover, ist znm Prokurator des Königs er 
nannt. 
Hannover, den i6.August. 
Gestern Morgen um 5 Uhr verkündigte eine Salve 
von 50 Kanonenschüssen die Feier des Tages. 
Um io Uhr wohnte Se. Maj. der König dem Got 
tesdienste in Ihrer Kapelle bei. Um 11 Uhr war Zirkel, 
wo die Minister, die Großbeamten der Krone, die Ci 
vil- und Mtlitairbcamten des königl. Hauses und alle 
Personen, welchen die Grandes entrées vergünstigt 
sind, vorgelassen wurden, «mII.MM. ihre Aufwar 
tung zu machen. II. Durchl. die Fürstin Regenten 
von der Lippe-Detmold, der regierende Fürst ur»D die 
Fürstin.von Waldeck und der regierende Fürst von 
Schaumburg-kippe, welche nach Herrenhausen gekom 
men waren, um an der Feier des Napoleonsfestee Theil 
zu nehmen, haben ebenfalls II. MM. ihre Gluck- 
wüttschttttgen wegen dieses Tages abgestattet. 
Das zwölfte französische Kürassierregiment, eine 
Schwadron von den Chevaulegers der königl. Garde, 
und das erste westphalische Husarcnregimeut dcsilirten 
hierauf vor II. MM. in dem großen Schloßhofe, un 
ter dem Donner der Kanonen und dem Geschrei: Es 
lebe der Kaiser! Es lebe der König! 
Um Mittag batte Se. Maj. sich zu Fuß an das 
Ende des Orangeriegartcns begeben, und musterte 
daselbst die verschiedenen zu Hannover befindlichen Ab 
theilungen der Garde, so wie auch das siebente Linien- 
regiment und ein Bataillon vom Achten. Se. Maj. 
ertheilte dem siebenten Regiment seme Fahnen, welche 
der Bischof und erste Almosenicr einsegnete. 
Der merkwürdige Zeitpunkt, den Se. Maj. ge 
wählt hatte, um diesem Regimente die Fahnen zu er 
theilen, unter denen es in Zukunft fechten soll, muß 
dieselben den Kriegern, welche sie auf der Bahn des 
Ruhmes leiten werden, noch theurer machen. 
Da Se. Maj. geruhen wollten, jetzt zum ersten 
Male einem Ihrer Unterthanen dasgroße Band des 
königl. Ordens von der wefiphäl. Krone zu ertheilen, 
so dekvrirte Allerhöchstdieselbe mit diesem Ordens 
schmuck den Kommandeur, Grafen von Fürsten- 
stetn, Minister-Staatssekretair und der auswärti- 
gen Angelegenheiten. 
Se. Durchl. der Großkammerherr, Fürst Ernst 
von Hessen - Philippsthal, und der General, 
Graf von Hammer stein, empfingen die Dekoration 
als Kommandeurs. 
Der Ehrcnstallmcistcr, Oberst von Schlstheim, 
derKammerherr, Baron von Bigor, der Pallastprä 
fekt , Baron von Bu tt lar, der Baron vonZandt, 
Oberst des ersten Husarenregiments und der Etaatö- 
rath, Baron von Patje, empfingen die Dekoration 
als Rilter, und leisteten als solche den Eid. 
Die Frau Gräfinnen von S ch w i e ch e l d mW von 
Ob erg, welche zu Pallastdamen ernannt sind, wur 
den zur Eidesleistung in dieser Eigenschaft bei Ihrer 
Majestät der Königin zugelassen. 
Seit dem frühen Morgen waren die Gärten von 
Herrenhauscn schon dem Publikum eröffnet, und eine 
ungeheure Menschenmenge hatte sich, alle Zugänge 
und Wege um den Pallast frei durchstreichend, in die 
Schattengänge des Parks zerstreut. In diesem letzte 
ren waren Cocagnemaste aufgerichtet worden, um das 
Volk zu belustigen und die Gewandheit einer großen 
Menge von Wetteiferern anzuspornen; die Seiltänzer 
ergötzten durch ihre Geschicklichkeit die Menge der Zu 
schauer, welche sich um sie her drängten. Die Schön 
heit der Schattengänge, die Frische und das Rauschen 
der Springbrunnen, die Fröhlichkeit der Zuschauer, 
die Heiterkeit des Himmels, alles trug zur Verschöne 
rung dieses Festes bei. 
Bei Hofe waren mehrere Tafeln fervirt,. wozu die 
ersten Staatsbeamten und die auegezcichnesten Perso 
nen eingeladen waren. 
Die königl. Garde gab in der Stadt ein Gastmal 
von hundert und fünfzig Gedecken, wozu der Divi- 
siousgeneral Bruyiere, Befehlshaber der im Han 
noverschen stationirlen französischen Kürassier-Division, 
der Generalstaab dieser Division und alle i«r hiesiger 
Stadt befindlichen franz. und wefiphäl. Offijters ein 
geladen wurden. Der Generaloberst der Garde und 
der dienstthuende Adjudant Sr. Maj. führten bei die 
ser Tafel den Vorsitz. Der Kriegsminister war eben 
falls bei dieser Vereinigung zugegen, welche ein reiner 
Enthusiasmus und die herzlichste Fröhlichkeit belebten. 
Unter lauten Zurufungen wurden dabei die Gesund 
heiten des Kaisers, der kaiser!. Familie, des Königs 
und der Königin ausgebracht, und der letzte Toast 
galt dem Ruhme und den glücklichen Fortschritten der 
franz. und wefiphäl. Armeen, weiche auf immer durch 
die festesten Bande vereinigt sind. 
Um 8 Uhr begaben sich II. MM. ins Schauspiel, 
dem auch alle zum Feste eingeladene Personen bei 
wohnten. 
Die Gärten waren mit Pracht erleuchtet, und bei 
Sonnenuntergang wurde eine dritte Salve von 50 
Kanonenschüsse» gegeben. 
Nach dem Schauspiele begaben II. MM. sich in 
den Ballsaal. Um 10 Uhr wurde ein Feuerwerk ab 
gebrannt.
	        

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