Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1788, [1])

Musikalische Rachricht. 
gtftcf der, zum unleugbaren Bortheil der Erbauung, in den hessischen Landen erfolgten Ein- 
«£-/ führung verbesserter Kirchenlieder, sah man sich bisher aus Mangel einer hinlänglichen 
Anzahl Melodien, gezwungen, so viele nach einerlei Weift zu singen, baß, z. B. der ein 
zige Choral: wer nur den lieben Gott läßt walten, mehrern als siebenzig Liedern zur Melodie 
dienen mußte. Daher bin ich selbst von obrigkeitlichen Personen, die zum Theil meine hohen 
Vorgeftzten, und dabey bekannte Musikkenner sind, öfters erinnert worden, mich der Ausgabe 
eines neuen Lhoralbuchs zu unterziehen. Ich habe dieser, für mich schmeichelhaften, Aeuße 
rung um so weniger widerstehen können, da das fürstliche Lonsistorium zu Marburg den gnä 
digen Befehl ertheilt hat, daß mein Choralbuch im ganzen Oberfürstenchum eingeführt wer 
den ft Le. 
Ich werde daher nur von der Einrichtung meines Lhoralbuchs einige Nachricht zu geben 
haben. Es enthält Einhundert drei und fünfzig Melodien/ mehrcnthetls alte, mit natürlichen, 
fiiessenben, dem Kirchengesange angemessenen Mittelstimmen und Basse, nach den Regeln des 
reinen Satzes. Die Lieder von einerley Metro folgen auf einander, und überhaupt ist das 
Ganze zweckmäßig vertheilt worden. Ein Hanptregister zeigt in zwei Säulen erst die zu jedem 
Liede schicklichste, und dabei zugleich die alte Weise desselben an. Ein zweites Register für 
die Melodien, stellt zugleich den Inhalt jeden Liedes, ob es ein BLt-odcr Danklied u. f. w. sei, 
dar, damit das Choralbuch, auch außer Hessen, für jede Gemeinde brauchbar werde. 
Den Melodien selbst habe ich eine mit Beispielen zmd einem besondern zur Uebung einge 
richteten Choral versehene kurze Anleitung vorausgeschickt, die selbst Anfänger und Ungeübte in 
den Stand sezt, diese und- andere Chorale vierstimmig rein zu spielen. Auf diese kan jeder Schul 
meister, mittelst des für die Kirche angeschafften Exemplars, seine Schüler unterrichte«. 
DaS Mannscript ist bereits zum Druck abgegeben, und ich, ft wie meine Freunde, welche 
sich bei derHorausgabe meiner gedruckten Sonaten für mrchinteressirt haben, in Cassel namentlich 
Herr Cantor Georgi, nehmen darauf bis Ende des Augusts dieses Jahrs, i Rthlr. 6 Ggr. Säch 
sisch, Pränumeration, oder auch Subscription an, wenn die Briefe nebst dem Gelde frei einkommen. 
DerLadenpreiS wird wenigstens einen französischen Laubthsler betragen. Sollten sich Theilneh- 
mer genug finden, so bin ich bereit, die Psalmen, samt noch einigen ChoralMelobten hlnzarnfü- 
gen, wofür die Pränumeranten, oder Subscribenten noch 6 Ggr. weiter zahlen. Der Laden 
preis würde hernach »Rthlr. isGgr. Sächsisch ausmachen. Wer xcr Exemplare unterbrinat. 
erhält das irte frei. 
Da unter den mir bekannten Choralbüchern keines mit meinem besondern Errtzweck und 
der angegebenen Einrichtung übereinkommt, indem ich auf vierstimmigen, der Kirche angemesse 
nen reinen Satz , und zugleich auf geringe Fähigkeit der Spieler sehe, und die Spieler vorher 
unterrichte, einen Choral auf drei- viererley Art rein, mit enger und in beide Hände vertheil- 
ter Harmonie, zu ftielen: so schmeichle ich mir bei Freunden des reinen Satzes, besonders bei 
angehenden Compomsten, welche den vierstimmigen Satz ftudrren wollen, so wie bei thätigen 
Beförderern der Anbackt und gottesdienstlichen Erbauung durch eindringenden Kirchengesang» 
Aufnahme u»d Unterstützung zu finden. Schmalkalden, den Mai 1788» 
3* G. Vierling, Organist.
	        

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