Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1787, [1])

fȧrlkanten Johannes George in Marburg ar- 
Helten, gleichfalls eine Pistole. Mehrere Pror 
Heu aus Armen und Waisenhäußern in Cassel u. 
Marburg welche zu späte und als Arbeitsproben 
der Kinder überhaupt djeßmal nur einkamen, zei-- 
gen die Hoffnung dieser die Armen ganzer Länder 
nährenden Spinnerey. 
Angewendeter Fleiß in Arbeiten, auf welche 
kein Preiß gesetzt war, erkennt die Gesellschaft 
als Beweiß, der ihr gnädigst gegebenen Landes« 
väterlichenAbsichten und den Beruf sie als patrio» 
tisch anzupreisen, auch nach Umständen und Ver 
mögen zu belohnen. Diesmal zeigte sich folgen 
des. 
Die durch eine Medaille und die verdiente Lo 
beserhebung andern Haußmüttern im Lande als 
Nachahmungswerth schon angeprießne Frau 
pfarrin Habicht zu Carlshaven hatte auch dieß, 
mal zum Beweiß der von ihr empftmdnen öffent 
lichen Ermunterung ein Stück Linnen mit Cala- 
manc Sitzstreifen nach Art der Calamanke, 
Piquee von Hessischem Flachs, ein rothes und 
blaues Stück braun Linnen zu Weiblicher Klei 
dung von inländischen Flachs, alles nach ihrer ei 
genen Angabe gemacht, eingeschickt. Sie giebt 
also den ruhmwürdigen Beweiß, daß man durch 
Benutzung einheimischer Vortheile in manchen 
Bedürfnissen, sich von denen oft kostbaren Aus 
gaben an auswärtige, zum Theil unabhängig 
machen könne, wenn man wolle. 
Der Gemeine Ernsthausen,Amts Frankenberg, 
wird wegen Verbesserung eines sonst grundlosen 
Hudebezirks das öffentliche Lob hierdurch er 
theilt. Da der schon mit Lob genannte Förster 
Dehncrczu Roda solches durch seine Aussicht be 
fördert hat, und der Grebe- Adjunctns Trusheim 
daselbst, solches vorzüglich durch Abzugsgraben 
bewirkt, so erhält jeder von den beyden fleisigen 
Männern, eine mit seinem Flamen bezeichnete 
Medaille zu ihrer eignen und andrer Ermunte 
rung. 
Der LeinweberFriedrich Herborth von Wolfs- 
anger, erhalt wegen eines schönen Stücks fein 
und gut gearbeiten Linnens eine Pistole. 
Michael Burchard Ablenschmid Meister in 
Schmalkalden wird wegen eingeschikter Proben 
seiner Arbeit gelobt. 
Vonpreistschrifren über die im vorigen Jahr 
gegebene Frage: von Verbesserungs-Mitteln 
verwiesen überhaupt, und der insbesondre 
in Hessen, waren vier eingekommen. Eine hatte 
sich'zwar über künstliche Wasserung nickt ohne 
practische Kenntniß, auch durch beygefügte Zeich, 
nung gezeigt, enthielt aber übrigens nur die über 
dies!» bisher viel behandelte Materie schon be 
kannte Sachen. Die Andre hatte dieß leztre zum 
Theil faßlich vorgetragen, dock so, daß manches 
nöthige vermißt wurde; eine Dritte zeigte den 
guten Willen eines wohldeukenden Landmannes. 
Allem die Abhandlung mit dem Wahlspruch: 
O fortunatos nimium sua ii bona normt 
Agrícolas! 
erfüllte nach aller Mitglieder einstimmigem Ur 
theil, durch gründliche Kenntniß, redende Ersah« 
rung und zweckmäßige litterarische und ökonomi 
sche Ausführlichkeit, die Erwartung der Gesell» 
schaft. Bey Eröfnnng des versiegelten Namens, 
fand sich als Ihr Verfasser 
Herr Georg Sebastian Mund, erster Pfar 
rer der Markckirche und Eonsistorialis zu 
Goslar. 
Die Gesellschaft erkannte also dem Verfasset 
den ausgesehen Preiß von zehen Pistolen zu. 
' Die Gesellschaft wird das ihrige thun, sie durch 
den Druck so gemeinnützig fürs Land zu machen/ 
als möglich; allein die Patrioten des Vaterlan 
des werd«'" es, weil sie für solches gegeben ist, an 
ihrem Theil auch möglichst zu bewürben suchen. 
Endlich fand die Gesellschaftes vor zweckmäßig 
den nunmehrigen durch seine ökonomische Kennt 
nisse und Erfahrungen berühmten Marburger 
.Professor derCameralwissenschaftenHerrn Jung, 
'in dessen Person, des Durchlauchtigsten Be 
schützers weife und gnädigste Absicht daselbst dem 
Vaterland einen Lehrer, eines so nothwendigen 
und gemeinnützigen Unterrichts geben wollte, bey 
Höchstdenenselben als ordentliches Mitglied in 
üniertbänigsten Vorschlag zu bringen, und den 
Herrn Hofgerichtsrarh und Professor Sommer- 
ring zu Maynz, als einen auswärtigen Gelehrten 
von bekanntem Verdienst, zum Ehrenmitglieds. 
Des Herrn Landgrafen Hochfürstl Durch!, ha 
ben solches auch schon gnädigst genehmigt. 
Am Schluß dieser feyerlichen Sitzung der Ge 
sellschaft wurden des Herrn Geheimen StaatS- 
Minifter von der Malsburg Excellenz zum 
dießjährigen Präsidenten, der Herr Dämmer» 
herrauch Driegs- und Domainenrath von 
Iasmund aber zum vice-Präsidenten, der 
Gesellschaft des Ackerbaues u»d der Künste, von l 
den Mitgliedern gewählt. 
Cassel den 28ten May 1787. 
M. I. C. G. Casparson, 
Rath, P. und der Gesellschaft beständiger 
Sekretair, auch Mitglied derChursächsi- 
schen ökonomischen Gesellschaft zu Dres 
den.
	        

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