Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1781)

i66 rotes Stück. 
weiter r ' 
Ist ber bisherige Pfarrer Becker zu St. Goarshausen, zum Evangelisch-Lutherischen Staabs-Pre- 
diger, und 
Der Caudidatus Theologia Erepou zum Feld-Prediger beym Hochlöbl. Leib-Infanterie Regt. be 
stellt, sodann ist 
Der bisherige Eommiffionö-Scribcnt Noll zum Couttibutions-ReceMr alhier in Cassel gnädigst 
ernennt. 
Gemeinnützige Sachen. 
Fortsetzung über das Mitleiden gegen die Thiere. 
Echt, Freunde, so werden euere Handlungen, euer Verhalten gegen euern Nebenmen sehen 
such mehr, gegen die Creature«, deren Herr ihr seyd, oft euch unbewnst belauscht: und wenn 
denn in Trübsal ein Wohlthäter euch in der Ferne wird, denkt, der war auch ein Zeuge irgend 
einer guten Handlung. 
Jenem Grausamen unter die Armen greifen, herßt einen Tropfen Wasser auf glühende 
Steine giessen. Glaubt ja nicht, Freunde, daß es Mangel an zeitlichem Gute ist, die bey dem 
Unmenschen Hunger, Blöse und Elend wirkt: Mangel an Seegen ists, der ihn drückt. Ohne 
Seeaen muß ein König darben. Gebt dem Unmenschen Thaler für Pfennige, die er erwirbt, 
baut ihm Hans, Stall und Scheune, gebt ihm Heerden von allerley Vieh: ohne Seegen wird 
verfolgender Fluch und strafendes Verderben, wie Flammen im Sturmwinde alles zerstreuen, al. 
les verzehren. Grausamkeit zeugt von hartem Herzen, und ein hartes Herz ist eine nnerschöpf. 
licke Quelle von Bosheit. MerktS euch, Freunde, merkts euch! Wer fei» Vieh unbarmherzig 
debandelt, wenn es fehlt, der wird euch mit hundert Stichen ermorden, wenn ihr euch mit ihm 
«ntzweyetet. Flieht den Unmenschen, verbannt thu aus eurer Gesellschaft, damit ihr nicht iw 
aend einmal das Opfer seiner Rache werdet. 
M Wenn Ungeziefer eure Felder verwüsten, und eure Fruchtbaume entblättern, steuret ihnen, 
tödtet sie, aber martert sie nicht: sie schaden euch nicht vorsätzlich. Fern von euern Gärte« uud 
Geldern, würde der Maulwurf wühlen, und in die entlegensten Einöden würde der Schmetterling 
L e Eyer hintragen, wenn jener wüßte, daß sein Gang nach Speise, und dieser, daß Vorsorge 
Lür seine Brut, Schaden für euch werden sollte. Und wenn denn auch der Sperling ein Körnqe« 
von euerm Acker ließt, oder eine Kirsche von euerm Baume raubt; lasset ihm den geringen Loh« 
vafür, daß er tausend schädliche Thiere wegfängt, die eure Felder verwüstet und eure Bäume em- 
dlättert^hätten^ ^ , euern Ochsen straft, straft sie so, daß die dienstbare Creatur die euer 
Lkeld bauet, euch eure Nahrung schaft, dem Schmerze nicht unterliege, und ein großer Theil eu 
res Guts mit ihr dahin sterbe. Straft die Creatur nicht, wenn sie nicht weiß, warum ihr straft. 
Wenn ihr das Unglück hättet in Sklaverey zu gerathen, und euer Aufseher ertheilte euch Befehle 
in einer euch unbekannten Sprache, und schlüge unbarmherzig über euch her, träte euch mit Füssen 
in die Seiten, schlüge euch^mit umgekehrter Peitsche ins Gesicht und wider die Schienbeine, wenn 
ihr seine Befehle nicht befolgtet; — würdet ihr wohl wissen, was ihr tbun solltet; Gewiß 
.E . — und doch ist leider dies der Fall, in dem sich euer Vreh alle Augenblicke befindet. Straft 
die^Creatur', wann sie es verdient, nur martert sie nicht. Martert sie nicht die Creatur! Mar 
sch der Wurm, den ihr muthwillig zertretet, seufzt um Rache f und Schrecken für den Mar 
terer, daß seufzende Creatur ihrer Erhörung gewiß ist. — . . ; 
' £ C'2 ' Wen»
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.