Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1774)

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Fites Stück. 
zehlen, um meinen Leserinnen keine Röthe zn verursachen. Eine jede mag ihren Leibarzt darum 
befragen. Wie oft wird dem Friseur, dem Kopfputze, dem armen Spiegel oder andern unschul 
digen Dingen die Schuld beygemessen, wenn eine Schöne sehr blaß'aussieht, und doch wohl al 
lerley Beschwerden tut Körper fühlt, aber nicht entdeckt? Sollten sie wissen, daß ihr Feuerstäbgen 
vielleicht allein ihnen diese Uebel zugezogen hatte, so würden sie, hoffe ich, um so vielmehr solche 
auf ewig verbannen, da sie dieses mit so geringer Mühe und ohne alle Kosten thun können. Wie 
sehr würden sie solche verabscheuen, wenn sie wußten, daß oft eine gewisse und gefährliche Krankheit 
blos und allein davon ihren Ursprung nimmt! Es ist solches eine Krankheit die eine Aehnlichkeit 
mit dem Schnupfen hat, auch selbst unter die Classe der catarrhalifchen Krankheiten gehört, indem 
die Erfahrung lehret, daß dieses für das Frauenzimmer sehr gefährliche Uebel oft nachlasset, wenn 
ein Schnupfen mit einem schleimigten Auswürfe sich einstellet, sich aber auch so bald wieder ein 
findet, wenn dieser nachlässet. Da alle Catarrhen eine Erschlaffung der Fäserchen zum Grun-de 
haben, so ist es leicht einzusehen, wie leicht diese Krankheit entstehen kann, wenn der Unterleib 
durch die Warme der Feuersiübgen relapirr wird, und Congestionen der Safte dahin hervorgebracht 
werden. Man wird neugierig seyn, den Nahmen dieser Krankheit zu wissen, und sich wundern, 
daß ich ihr noch keinen beygelegt habe. Ich werde sie aber nicht nennen, sondern auf das Wort 
im Dictionair, wo fluor albus stehet, verweisen. Ich bin gewiß überzeugt, und schon lange vor 
mir sind es große Aerzte gewesen, daß man von dieser Krankheit weit weniger wissen würde, wenn 
die Mode, über einem Fenerstübgen zu sitzen, nicht im Gebrauch wäre. In Ländern, wo man 
solche nicht kennt, kennt man auch weit weniger diese Krankheit. Dieses gröstentheils langwierige 
und hartnäckige Uebel wird wiederum die Quelle so vieler anderer, die gefährlich und tödlich sind. 
Gliederreißen, Hypochondrie, Cachexie, Auszehrung, Wassersucht u. d. g. m. sind gar oft die 
unglücklichen Kinder, die sie hervorbringet. Und — welches junge Schönen gar wohl beherzigen 
mögenes verwelken dadurch die blühende Rosen ihrer Wangen; ihr schöner Teint, den ihnen 
die Natur schenkt, den keine Schminke ersetzen kan, gebet verlohren und endlich entstehet dadurch 
ein Schaden, den das ganze Publikum empfindet; die Bevölkerung leidet darunter. Mögtendoch 
also meine Leserinnen sich warnen lassen, und liebereine angenehme Wärme eine Zeitlang entbehren, 
als sich zeitlebens kränklich und ungesund machen! Von den Einsichtsvollen hoffe ich es. Die 
übrigen mögen sich gefallen lassen, den Aerzten in die Hände zu fallen. Vielleicht macht man mir 
den Einwurf, daß bey Abschaffung der Fenerstübgen dem Frauenzimmer die Füsse in der Kirche 
erfrieren würden. Dieses wäre freylich ein Unglück für die Schönen, und auch für mich, indem 
ich ihnen ein ander Uebel zuzöge, wenn ich sie von dem einen zu befreyen suchte. Die Fuösacke, 
tvird man sagen, sind für das Frauenzimmer zu unbequem. Sie dürfen sich ja aber nur ganz 
kleine machen lassen, welche über den Füssen mit Schnüren zugezogen werden, so ist diese Un 
bequemlichkeit gleich gehoben, und ihre Füsse sind gegen das Erfrieren gesichert. Sie dürfen also 
auch solchen nicht einmahl von einer Magd nach der Kirchen sich nach tragen lassen! Sollte ja 
mein wohlgemeinter Rath ihnen einige Unkosten verursachen, so wird die angenehme Hofnung, 
künftig von mancherley kränklichen Zufällen befreyetzu bleiben und ein blühendes Antlitz zu behal 
ten, sie gar leicht wegen der Kosten eines solchen Fnssacks, der überdem nicht mehr als eine Kar 
kasse oder Dormeuse kosten wird, schadlos halten. 
Fremde und hlejrge Personen, so vom 7tettbiö den izten Dee. 
in Cassel angenommen. 
Leipziger Thor: Den -ten Hr. Oberstlieut. Resius, v. hl. v. Wolff. Dr. Reg. l. i. s. Adl. a. M. 
Hr. Amtsverwalter Himmel, v. Münden, l. i. Helm. F. Waldeck. Geh. Rath Hr. v. Rernrgk
	        

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