Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1774)

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4Otes Stück. 
Aber es entstehet hier wiederum die Frage, warum man Hohlziegeln nehme? wo die bey 
Feuersbrünsten so nachteilige^Strohdocken angewendet werden wüsten? und warum man nicht 
sogenannte Brett- oder auch Schildziegeln, die manan andern Orten Bieberschwänze nennt, ge 
braucht? gestalten man dev diesen Arten von Ziegeln keine so schädliche Strohdocken nöryig hat. 
Man mögte aber sagen, ja, wo man nun alre Hohlziegeln vorräthig hätte, die man um der Spar 
samkeit willen brauchen, oder an einem Ort ein Dach in der Geschwindigkeit decken lassen n üste, 
wo man keine andere als Hohlziegeln, fände, da könnten doch die Strohdocken mcht vermieden 
werden. Und dieses wäre dann also auch der einzige Fall, wo die Anwendung von solchen guten 
Strohdocken zu machen wäre, die der Hr. Oberlandbaumeister von Bonn vorschlagt, und durch die 
Erfahrung so bewehrt gefunden hat, und hierbey wollen wir noch ein wenig stehen bleiben, denn 
so schön und so gut die Sache ausgedacht worden, die Strohdocken durch Leimen zu ziehen, auch 
mit bereiteten Leimen zu überstreichen, und so vortrefflich die davon verspührte Wirkung gewesen 
ist, nehmt, da sie seit 4 bis 5 Jahren eingeführt, und in Feuersgefahr nicht so geschwind zündend 
befunden worden, so fragt sichS, wann diese Strohdocken länger als 4 bis 5 Jahre gelegen, was 
alsdenn geschehen oder entstehen würde, wann eine Feuersbrunst sich äusserte? man weist daß durch 
die Fugen der Ziegeln und besonders der Hohlziegeln, durch die Winde, Schriee und Regen ge 
trieben wird, dringet nun diese Nässe längere Jahre als 4 bis 5 durch die Fugen und spühlet den 
Leimen, welches nothwendig geschehen muß, von dem Stroh ab, so kann nichts als das Stroh 
sechsten übrig bleiben, gestallen der Leimen gar bald vom Wasser aufgelöset wird, welches beson 
ders an denen Dächern zusehen, die mit Steinern Platten gedecket und inwendig an statt Kalk 
'tuit Leimen überzogen oder verstrichen sind. Wann nun ein Dach mit Strohdocken, welche so lan 
ge gelegen, daß der Leimen davon gegangen, in Brand geräth, so kan die so gute Angabe die 
Strohdocken mit Leinren zu überziehen, nicht mehr den guten und erwünschten Dienst leisten. Wann 
nun aber auch dieses ist, warum wolte man nicht, wie schon oben zum Theil erwehpet worden, 
die Hohlziegeln gänzlich abschaffen und dagegen, die Brett- oder Schildziegeln wählen. Welcher 
Ziegelmacher wolle auch wohl schwürig seyn, statt der schlechten Art von Hohlziegeln, Brett - oder 
^childziegelmzu machen? Man darf ihme ja nur die Forme geben, so ist es im machen, bey we 
niger Uebung einerley, und ob man zwar glaubt, daß bey letzterer Gattung von Ziegeln, auf 6 
Zoll gclattet werden rnüste, und folg!, dieses viel kostbarer wäre, als bey jener Gattung, wo man 
nur auf y Zoll weit latten dörfte; so har man doch ein Mittel, daß bey y zölliger Lattenweite, mit 
Schildziegeln eben so wohl gedeckt werden kann, als bey 6 zölliger Weite, folg!, auch in Ansehung 
der Latten und Nägel ic. letztere Gattung nicht kostspieliger sey , im Gegentheil aber unter allen 
Ziegeldächern, welche nur bekannt sind, ihren eigenen Vorzug haben. Der Hr. Obcrlandbaumei- 
sier sagt ferner „ Es ist demnach kein Wunder, wann verschiedene Privatpersonen darauf nachge- 
folgt sind, den Kalk weg zu lassen, und mit Leimendocken ihre Dächer haben unterlegen lassen." 
Hier fragt sichs aber, wie ist mau mit dem inwendigen Einkalkenzu Werk gegangen? wie 
ist der Kalk beschaffen gewesen, und haben die Dachdecker den Kalk gehörig zu bereiten und die 
rechte Verhältniß der Haare hineinzunehmen gewnst, dann man braucht an einigen Orten Leder 
kalk und an einigen Orten Mehlkalk zum Einkälken. Und vielleicht ist auch an denen Orten, 
wo man das Einkalken zu vermeiden gesucht, der Kalk besonders theuer, der Leimen aber sehr 
nahe und wohlfeil zu haben gewesen? als welche Orts Beschaffenheit im Bauen vieles verändert, 
wie zum Beyspiel an denen Orten wo man die schönsten Dächer mit Bruchplatten an statt der 
Ziegeln und Schleifern macht, wovon unter andern Beyspiele in Carlshaven zu sehen, und folg!, 
verändern die Umstände die Sachen dergestalt, daß das was an einem Ort Vortheilhaft an einem 
andern das Gegentheil ist, und so wiedrum umgekehrtes sich befindet. Alle Stroh-und Schindel- 
Dächer aber sollen billig nebst denen Strohdocken wegen Feuersgefahr verbannet werden. Wie 
wobl von dem was unter diesem Namen von Feuttsgefährlichkeit gehört, in der Baukunst noch 
vieles zu sagen seyn möchte. 
Krem de
	        

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