Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1774)

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2 9tcs Stück. 
Gemeinnützige Sachen: 
Von der Vieh-Staupe oder Vieh-Sterbe. 
Aus des H. G. v. D. Schlesischen Landwirthschaft 2ten Th. 
"Ich habe viele Mittel vergeblich gebraucht, einige mit Nutzen, zu denen ich probatum 
setzen könte, in allem aber nichts mehr als die Entdeckung gemacht, daß das Gift dey den Krank 
heiten des Viehes, und besonders bey der würklichen Staupe sehr schnell und sehr bösartig in dem 
Körper wirke, dahero auch die Cur sehr geschwind und die Wirkung der Mittel auf das schleunigste 
befördert werden müssen. Ich bin der völligen Meynung, daß, wie bey dem Menschen, cher 
Magen der Hauptsitz aller Uebel, noch vielmehr ist dieses bey allem Vieh, ohne Unterschied. Aus 
dieser Quelle kommen die verdorbenen Safte, das verdorbene Blut und endlich durch die Fäulniß 
das abscheuliche Gift selbst. Die Erfahrung hat mich überfährt, daß alles Vieh bey gesunden 
reinen Futter, bey genügsamen Tranken und nicht übertriebenen Bewegung meistens gesund blei 
be, es sey denn, daß es durch anders angesteckt wird, davor die Absonderung, das Räuchern 
und die gute Vorsicht das beste Mittel. Ein Vieh kan viel mehr widrige Witterung, Frost, Kälte, 
Nässe und dergleichen vertragen, als die menschliche Natur. Es wird aber auch viel eher, wegen 
seines feinen Geruchs und Witterung, womit es der Schöpfer begabt, von Giften angesteckt, da 
her die.Fürft'cht, sich vor allen solchen Zufällen zu hüten, gewis das allernothwendigfte und sicher 
ste. Was ich also vor die Krankheiten, die aus dem verdorbenen Futter oder Weide ihren Ursprung 
haben, und in der Folge Staupen werden können, aus sicherer und gewisser Erfahrung erler 
net, ist dieses, wodurch ich mir schon dreymahl mein sämtliches Rindvieh von der Sterbe errettet. 
Man nimmt 2 Loth rein gesiebte Asche oder auch i Loth Potasche, eine gute Handvoll Salz, ein 
halb Quart Eßig, rührt alles untereinander, giesset diese Portion jedem Stück Vieh ein, nach 
einer Stunde läßt man es darauf saufen, so purgirt es gewaltig und fangt noch den nämlichen 
Tag an wieder zu fressen, wenn es auch vorher schon den Kopf gehängt und etliche Tage nicht 
gefressen. Ich versichere auf meine Ehre, daß dieses Mittel nicht etwa nur auf blosses Glück 
mitgetheilt und dem Drucke übergeben wird. Ich kan mein sämtliches Gesinde darüber eidlich 
verhören lassen und da ich es schon Z mal bewährt befunden, so halte es dermalen für zuverläßig. 
Ich bin durch Nachlesen von medicinischen und andern Schriften auf den Gedanken gekommen, 
daß Eßig der Fäulnis wiederstehet, daß Asche und Potasche ein Mittelsalz den Magen räume und 
laxire, daß bey den Salzquellen selten Viehstaupen, und dadurch habe es zusammengesetzt. Das 
andere sichere Mittel, was die in Magen und Gedärmen liegende Materie wegnimmt unfc in verbran- 
ten Stücken abrührt, ist dieses: Man nimmt ein halb Quart Milch, ein Loth Seife, ein halb 
Quartier Leinöhl, lässet die Milch lauwann werden, schabt die Seife hinein, giesset das Oel dazu 
rühret es gut, und giesset es dem Vieh ein, bis es anfangt zu laziren. Man kann es täglich smahl 
gebe». Dieses hat mir schon manches Stücke Vieh gerettet. 
Fremde und hiesige Personen, so vom 6ten bis den irten ZuliuS 
in Cassel angekommen. 
Leipziger-Thor: Den 6ten Dr. Rentmeister Lange, v. Frankenberg, l. b. Hrn. Registrai. Lange. 
Den 7ten 4Kaufl. k. v. Gött. l. i. g.. Engl. 5 Stud. k. dah. U i. Stralsi Isenburg. Regier.
	        

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