Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1763)

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' IV. So lange die vier Wochen vor der erwartenden Niederkunst geschehende-oder 
J' auch zwey bis Z Wochen , ja daferne es die Leibes'Umstände der Gebährerkn nothwendig 
M machen , nach dem Ermessen des Medici noch länger zugestattende würckliche Aufnahme in 
Li dem Accouchement Haus wahret , bekomt eine jede solcher Persohnen, nebst freyer Woh 
nung, Holtz und Licht , auch der freyen Medicin aus der £of'Apothecke, zu ihrer Verkösti- 
' Mg Äöch ntlich einen halben Rthlr. sodann bey ihrem Abzug einen Gulden zur Zehrung, 
auch soll auf derselben Ansuchen wegen ohnentgeltlicher Erlassung der öffentlichen Kirchen- 
Buse vorzüglich reflectiret* weniger nicht die Taufe des Kindes, oder, dafern die Gebähre- 
f > rin oder die Geburth während dem Aufenthalt in diesem Hause verstürbe, und letztere nicht 
L. zur Anatomie verlanget würde, die Beerdigung auf Kosten der fundación bestritten, inglei- 
A chen die nöthigen Bettstellen und Betten, desgleichen zwey bequeme Aecoucsik-Bette und 
sj! die übrige zu di fem Geschäfte erforderliche instrumenra von gedachter fundación angeschafft 
u werden; doch sind die solcher gestalt aufzunehmende Weibs- Persohnen gegen den genieftnden 
» Unterhalt, soviel die Ihnen vorzüglich obliegende Säug-und Wartung der Kinder und ih- 
öt , re eigene Constitution es zulässet, schuldig und gehalten, Wolle und Flachs zu spin- 
¡ n , nm, auch sich zum Nähen, Flicken und ^Laschen, desgleichen zur Reinigung des Accon- 
)etj ckir-und Fünde!-Hauses gebrauchen zu lassen, damit das von deren Arbeit zu erhaltende 
sln Garn zur Anschaffung des nöthigen Linnens und sonstiger Kleidung angewendet werden kön- 
en , ne Älldieweilen über übrigens 
au- Y* Diese ^ranstaltung die Unterweisung derer Scudioforum Msdicinae & Chirurgie, 
desgleichen derer Heb -Ammen mit zum vornehmsten Augenmerck hat; Als ist der zu diesem 
ou , lnllicuw besonders bestellte Profe llar Medtícinae zugleich angewiesen, bey einer vorfallenden 
ß j (< Geburth, wie auch bey dem Wöchentlich in einer gewissen Stunde vorzunehmenden Tou- 
chiren die obgesagte Studirenbc - imD Heb - Ammen wechselsweise nicht allein gegenwärtig 
ch ffvn zu lassen, sondern auch selbige ausserdem in denen tbeo-etisch. sowohl als pradischen 
ct1 , Theilen des Accouchemencs gegen ziemlrcheBelohnung , oder auch die Heb'Ammen , dafer- 
an, ne diese dafür etwa zu bezahlen nicht im Stande, in Betracht seines davor geniesenden Sa- 
larii, ohnentgeltlich zu unt reichten So viel demnächst 
)lTi , Vi Oie besondere ^L-'ran Haltung wegen Aufnahme der Fündel-Kinder betrift: So hat 
die dessalls ernannte vkeÄron und Commission ebenfals bereits die Anweisung erhalten, da- 
"'u vor zu sorgen, daß die zu deren Unterbringung nöthige Zimmer und Wohnungen, auch 
>,■«! seniiige Beförderniffe eingerichtet und angeschafft werden, und ist daveneben 
kttt v, l Noch weiter zu veranstalten: daß, wie anderer Orten, in diesem Hause ein söge- 
nannter Tomo zu dem Ende angeleget und verfertiget werde, damit die abzugebende Kinder 
in selbigem des Nachts oder Abends eingesetzt - sodann dessen Oeffnung nach dem inwendi 
ger gen des Haufftz zugedrehet und mittelst einer daran zu bevestjgenden zu gleicher Zeit da- 
aen w Bewegung zu bringenden Glocke ein Zeichen gegeben werden könne, wodurch die 
¿\\t inwendig wohnende Wärter zu gleichbaldiaer Einnehmung des Kindes herbey gerufen, wie 
¿je, dann auch zur Vorsorge und -Verhütung alles Unglücks, wann etwann ein Kind aus dem 
Tomo ff le, inwendig ein Ben unt« r demselben zu stellen, der Tomo selbst ab er, sobald 
So als das tfinö aufgenommen worden , mit der offenen Seite wieder herauszudrehen ist. 
Der Beschluß folgt künftig. . l. Sa-
	        

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