Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1755)

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ix. Gelehrte Sachen. 
j) Es wird dem Publico eine Medicin bekannt gemacht, die ihre ungemeine Wirkungen in den schwere» 
sien und meisten Krankheiten erwiesen hat. Es bestehet dieselbe in einem puh,ere solari, welches aus 
folgende Weise würcket, daß es i) das Blut und alle Safte des Körpers bis in die Nerven durchgehet, 
und ihnen die gehörige consistenz giebt, indem es die dicken und zähen Safte auf das gelindeste rewivirr, 
2) Die Unreinigkeiten der vorher verdünneten Safte durch die subtileste transspiration ausführet, Z) daß 
es auch sogar die vesien wiedcrnatüllichverharteten Theile des Körpers auflöset, indem es die unheilbar» 
sien Verstopfungen derselben eröffnet, und endlich 4) die Verletzungen und offene Schaden von innen 
heraus heilet. Es ist also daffelbe oft mit unglaublichem Succeis gebraucht worden, 1) in allen den 
langwierigen Krankheiten, die von zähen und verdickten Säften entstehen, und hat solche mehrmals 
einmal völlig und aus dem Grunde gehoben; E. alle Cachexie, die angehende Wassersucht und Ge» 
schwulsten, die schwarze Sucht, das malum hypochondriacum , die Metancholey, SchlagflnFe und 
Lähmungen, das tägliche und das (hartan -Fieder, wie auch den Mangel der monatlichen Zeit und 
den weiffcn Fluß der Weiber, u. s. w 2) Ist cs in folgenden unreinen Krankheiten bewahrt gciunben, 
wo die ganze Masse des Bluts angesteckt izt, als un Scvrdut, in der Krätze und allen gcindigten Aus» 
schlagen und bösen Köpfen, so auch, wo sonst Unreinigkeiten im Körper stecken, die eine geschwinde 
Ausführung verlangen, und wo man doch mit hitzigen schweißtreibenden Mitteln nicht kommen darf, 
als in allen Fiebern wo die Ausschläge nicht heraus wollen oder zurückgetretten sindin Blattern und 
andern, imgleichen wenn sonst tödtliche conuuliiones, Zittern und Zückungen der Sehnen in Fiebern 
von stockenden Säften entstehen: so thnn einige doscs die beste Würkung, die man nur von einem Mc- 
dicament verlangen kann. Doch sind hievon diejenigen Fieber völlig auszuschliessen, die eine blosse 
Hitze und Wallung des Bluts zum Grunde haben. Bey inüammationen aber, wo der Brand zu be» 
fürchten, wenn die Säfte würklich schon merklicher stocken, geben gleichfalls einige doscs die beste Hülfe, 
der unordentlich schlagende Pnls muß dieses bestimmen. Im übrigen können alle venerische Krankheiten, 
auch die im dritten Grade, hiedurch ohne alle saliuation und Schweißcur völlig gehoben werden , wenn 
auch mit grossem Schaden eine vergebliche salivaron vorhergegangen wäre, so lange nur die Knochen 
noch nicht zu sehr verletzt sind; so wie alle die Zufalle, wo der im Leide steckende Mercurius Schaden 
angerichtet hat. 3) Eröffnet es alle verstopften Befasse, Drüsen und Nerven, und hebt also die Dürr, 
sucht und Abzehrungen, schwache Augen, den schwarzen Staffr und Augenfälle, die von unrecht tracktir» 
ten Fiebern oder sonst entstandnen sogenannten Fieberkuchen, und andre knotichte scirrhose Verhärtun 
gen, den verborgenen Krebs und die bubones. Was es bey Gichtknoten, Podagra und andern schmerz 
haften Kranckheiten thue, hat man, zu erfahren, uoch nicht Gelegenheit gehabt, indem diesen noch auf 
andere Art besonders geholfen wird. 4) Thut es ganz besondern sichtbaren Effect e tn Heilung 
vornemlich äusserer sonst unheilbarer offener Schaden und bösartiqter Geschwühre, sie mögen salzige, 
seorbutischc seyst, ober sonst Namen haben wie sie wollen. Bey innern Geschwühre» braucht man es 
nur in dem Fall, wo die Materie einen Abgang haben kann, mit besonderem succesi. In dem Fall ist 
oft die gefährlichste Schwindsucht dadurch geheilet. Dabey ist zu merken, daß dieses Goldpulver kein 
Medieament sey, das man wie wol andre schlechtere Arztneyen in wenigbedeutenden Zufällen oder gar 
zur Lust einnehmen kann. Es wirb daher nicht anders weggegeben, als wo man versichert ist, daß die 
Kranken desselben denöthigt, und cs nebst der dabey gehörigen Cur recht nach der Vorschrift zu gebrau 
chen, gemistet sind, indem es sonst eher Schaden als Vortheil bringen würde. Von der nach der jedes» 
mahligen Krankheit insonderheit einzurichtenden Cur wird mündlich weitere Nachricht gegeben. In der 
Diät müssen dabey alle unreine fette, blähende, salzige und saure Dinge, auch Milch, ungegvhrenBier 
und Wem so viel nur möglich vermieden werden. Wenn die Kranken sich alle Morgen eine Stunde be 
wegen können, ist solches nicht zu unterlassen, sowie man auch die Warme und die transipiration des 
Nachts im Bette wohl abzuwarten hat. Eine Halde Stunde vor dem Einnehmen muß auch allemal we 
nigstens ein Schoppen rein Wasser kalt getrunken werden. Bey Vollblütigen ist eine reichliche Aderlaß 
am Fuß vor Anfang der Cur nothwendig. Zu einer ordinahen geringen Cur ist übrigens ein 'Packctgen 
von i4Pulvern auf i4Tage zu gebrauchen hinlänglich, welches i Rthlr. kostet. In andern Fällen ge 
hören auch wohl 3. derselben auf 12. bis 14 Wochen zu gebrauchen zur Cur. nachdem die Kräfte des 
Kranken und tiefgewnrzelte Krankheiten es erfordern. Doch müssen die nöthigen Kräfte niemals 
mangeln. Und es wird deswegen alle Morgen eine dofis gewisser stärkender Pillen dabeygegeben. Das 
übrige wird mündlich oder auf Verlangen schriftlich verordnet. Der Verleger giebt weitere Nachricht.
	        

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