Volltext: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1752)

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durchschnitten, da lauft zwar das Blut 
so getrieben wird heraus , das aber so 
von diesem heraus gelaufenen solté getrie 
ben werden bleibt in denen Adern stocken. 
z) Je mehr das Blut abnimmt, je 
enger werden die Adern vermöge ihrer 
zusammenziehenden Kraft, welches zu 
sammenziehen der Adern so lange geschie 
het bis ihre Durchschnitte der Oefnung 
der zerschnittenen Gefäße, so klein worden, 
daß keilt Blut mehr durch kann. 
4) Bleibt auch das Blut in den 
kleinen Adern vermöge der anhängenden 
Kraft kleben, welches also hinlänglich be 
weiset, daß nicht alles Blut bey Ver 
wundungen aus dem Cörper lauft. Das 
Blut also so die Alten in der Brust fan 
den , gab ihnen Gelegenheit nach dem 
Gewicht zu urtheilen, daß nicht über 8. 
bis 10. Pfund Blut im Cörper wäre. 
Mit dieser Meynung ist man lange zufrie 
den gewesen, bis endlich Rolsinck Gelegen 
heit hatte, daß er auf andere Gedanken 
gebracht worden, der also der erste gewe 
sen, so weiter zu gehen sich getrauete und 
behauptete, daß 30. Pfund Blut in ei 
nen erwachsenen Cörper wären. Dis 
ist aber auch noch nicht genug, wenn 
man das zu Hülfe nimmt, welches uns 
die Erfahrungen deutlich dargethan, so 
uns weit mehr Blut da zu seyn Glauben 
macht. Denn Bartholinus hat eine Ob 
servation gehabt, daß ein subjectum in 
Zeit von z . Tagen 48. Pfund Blut durch 
Nasen - Bluten verlohren habe, solches 
bezeugen auch die Observatione« Andreas 
Argolas und die Acta Lipsiensia , ja auch 
Keil erinnert, daß ein Jüngling von 25. 
Jahren (-holerischen Temperaments. Ha 
gerer Statur, nach gehabten heftigen Ge 
müthsbewegungen mit einem solchen aus- 
erordentlichen Bluten aus der Nasen be 
fallen, daß derselbe in Zeit von 10. Ta 
gen 75. Pfund Blut verlohren habe. 
Wolte man null hier sagen und einwen 
den, ja, die Menschen haben doch gegessen 
und getrunken, Lsts Demi nicht möglich, 
daß innerhalb der Zeit vieles Blut durch 
Speise und Trank ersetzet worden ist? 
Wir wollen auch zugeben es wäre bey 
obgemeldetem Jüngling täglich 1. Pfund 
Blut durch essen und trinken ersetzet, so 
aber gewiß nicht wohl zu glauben ist, ja, 
die Ohnmöglichkeit dessen wäre wohl zu zei 
gen, wenn anders der Raum solches auszu 
führen erlaubte. Wenn man nun doch 
dis quantum annimmt, so folgt , wenn 
auch gleich jedem Tag über 1. Pfund 
Blut ersetzet worden, dennoch nach deren 
Abzug nach dem ersten Exemple 45. Pfund 
nach dem letzteren aber 65. Pfund Blut 
noch übriggeblieben, die aus dem Cör 
per gelaufen sind. Weilen nun nicht 
seyn kann daß alles Blut nach dem letz 
teren Exemple aus dem Cörper gewesen, 
indem der Mensch im Leben geblieben, so 
folgt, daß gewiß noch mehr Blut außer 
gemeldeter Anzahl in dessen Cörper zurück 
geblieben seyn muß. Denn das LebeN 
ist nicht möglich, ohne daß die Feuchtig 
keiten im Cörper circvliren : damit aber 
auch die Circulation geschehen könne , so 
müßen die Gefäße so angefüllet seyn, daß 
die Häute derselben die Feuchtigkeiten al 
lenthalben berühren, und darin vermöge 
ihrer zusammenziehenden Kraft drücken 
können, so eine höchstnöthige Mit-Wür- 
kung ist, die Bewegung derselben zu be 
förderen , denn ohne dieselbe Würkung 
ist solche nicht einzusehen, ja, weil die 
drücken
	        

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