Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1752)

* ( 40 * 1 # 
Briefschaften wohl conssrviren, und was 
überhaupt die Unterhaltung guter Archi 
ven nicht nur in diesem <L>tück, sondern 
durchgehends und besonders in Betracht 
dererGerechtsamen einesHaußes und Lan 
des/für eine höchstnothwendigeSache seye. 
Die Abstammung und das Geschlecht- 
Register derer in anno 1450. ausgestorbe- 
nen Grafen von Ziegenhain, ist ein Vor 
wurf der Genealogisten, darüber sie noch 
nicht einig worden. Man hat lange Zeit 
geglaubt,der erste Gral zu Ziegenhain wäre 
ein Sohn Landgrafens Ludovici Ferrei in 
Thüringen gewesen, der sich Friedrich ge 
schrieben. Woher es Henning«, der foi* 
cW in seinem Theatr. Genealog, für fest ge 
setzt, genommen habe, ist zurZeit noch un- 
bckant. Der Hr.von Eckart führet in feiner 
HistoriaGeneal. Princip. Sax. Sup. aus einem 
alten geschriebenen Chronico folgendes an: 
Der ander Sohn (Ludovici Ferrei) hieß 
Friedrich , der buwete Zeegenhayn und 
Trüße ude ward ein Graf daselbst, 
wanne man das Fürstenthum nicht 
wolle zcuriße. 
Winckelman in der Hessischen Lhronic 
P. lt. cap. 9. gründet darauf seine ganze Ge 
nealogische Tabelle derer Grafen von Zie- 
genham. Daß aber dieses Vorgeben un 
richtig und erdichtet seyn müße, solches hat 
der Herr Vice-Canzler Estor zuerst einge 
sehen und erkant. 
Conti Ejusd. Analecta Fuldens 
It. Anal. Hasliac. Coli. II. p. UNd p. 34* 
In gegenwärtigerAbhandlung will ich aus 
der beym>Vinche1mann 1. c. besindlichen Ge 
schlechts-Tabelle, welche der Herr von 
Eckart der Histor. Gen.Princ. Sax. Sup. bey- 
drucken laßen, ganz klar zeigen, daß es we 
gen derer darinnen sich ergebenden Wie 
dersprüche, ohnmöglich seyn könne, daß 
Landgraf Ludwig U in Thüringen, Oer 
Stammvater derer Grafen von Ziegen 
hain gewesen. 
Dieser Landgraf Ludwig 11. der eißerne 
zugenant, war gebohren im Jahr Christi 
II » 9 . 
Reyheri Moniun. Landgr. Thuring. & March. 
Miih. in Menckenii Tomo II. Script, rer. 
German, p. 8n. 
Daß solches sich also verhalten müße, ist 
unter andern auch aus dem Lhronico Bi- 
gaugieniiadannum 1140. in welchem Iaht 
Landgraf Ludwig J. verstorben, nicht un 
deutlichzu schlüßen, wann es daselbst von 
Landgraf Ludwig n. also heißt: 
Caesar habet curiam Wormatiae, ihl Lild 0 Vi m 
CHS adhuc puer ) provincialis efficitur. 
So schreibt auch Ayrmann in feiner Ein 
leitung zur Hessischen Historie ?. i$$. von 
ihm: Landgraf Ludwig n. war nur zwölf 
Jahr alt, da sein Vater verstorben, und er 
zu Wormbs von Lonrado in. mit der Land 
grafschaft Thüringen belehnt worden. 
Wann es nun also gewiß ist, daß dieser 
Landgraf, als der angebohrne Stammva 
ter der Grafen von Ziegenhain, in anno 
1 129. gebohren, mithin in anno 1144. in sei»' 
nem funfzeheuden Jahr gestanden,so folgte 
nothwendig, daß sein vermeintlicher Enkel, 
Graf Poppo zu Reichenbach, so nach der 
Winckelmannischen Tabelle in eben diesem 
Jahr 1144. gelebet und schon eine Gemah 
lin Nahmens Berta gehabt,wo nicht älter, 
doch wenigstens eben fo alt als sein Groß 
vater müste gewesen seyn. 
Damit niemand glauben möge, ob wäre 
vielleicht ein Irrthum in der Jahrzabl zu 
suchen, so will ich die in voriger Abhand, 
lung (No. 26.) beygefügte Urkunde vom 
Kavser FridericoBarbaroliä, de anno 1170. 
mit zu Hülfe nehmen. Es wird in derselben 
einesGrafen vonZiegenbain alsAdvocaten 
derFuldischen Kirche, NahmensRudolphi
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.