Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1751)

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zufinden, wenn man einen sehr guten 
Freund durch den Tod verlohren hat/ und 
dessen Verlust einem sehr schmerzhaft ge 
wesen ist. Denn es kommt einem hernach 
öfters im Traum vor, als wenn man den 
selben wieder sähe und mit ihm spräche. 
Man .denkt aber gleich: ists auch wohl 
ein Traum? und beym aufwachen wird 
man gewahr, daß es ein leerer Traum 
gewesen ^ey. Ferner giebt es Menschen, 
die im Schlaf manchmal eine entsetzliche 
Angst empfinden und so starke Beklem 
mungen auf der Brust, daß ihnen fast der 
Athen: stehen bleibt. Die gemeinen Leute 
nennen das einen Alp, denn sie stellen sich 
ein. gewisses Thier vor, welches einem 
diese Angst verursache. Aber die Natur 
forscher haben schon längst gezeigt/ daß es 
nur ejn sehr klarer ängstlicher Traum sey, 
wozu freylich die Beschaffenheit des Kör 
pers etwas beytragen kan. Endlich so 
giebts auch solche Menschen, die da so 
klare Träume haben, daß sie in denselben 
eben-die Bewegungen des Leibes vorneh 
men, die sie beym wachen zu haben pfle 
gen» Sie stehen auf und gehen herum, 
ja sie steigen manchmal an die gefährlich 
sten Orte, ohne daß sie selbst etwas davon 
wissen. Man pflegt dergleichen Leute 
Nachtwanderer zu nennen, und es wer 
den viele wunderliche Geschichte von ihnen 
erzehlet. Unter andern erzehlet der be 
fante Naturlehrer Gaßendus von einem 
seiner Freunde, daß. derselbe oft des 
Nachts im Schlaf aufgestanden sey, alle 
seine Kleider angezogen habe, sich in sei- 
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nen Weinkeller begeben, und den Wem 
aus dem Faß gezapft habe, und derglei 
chen mehr Er habe auch zuweilen ge 
schrieben , ja auch seiner Frau, wenn sie 
ihn gesraget, recht auf ihre Fragen ge 
antwortet. Ja er habe sich auch jo gar 
im Schlaf ein Licht angezündet, weil es 
ihn: vorgekonnnen sey / als sähe er nicht 
deutlich genung.)- : 
Es giebt auch noch andere Einthei- 
lungen der Träume. Denn ein Traun: 
ist entweder einfach, oder zusammenge 
fügt- Ein einfacher Traum ist, der sich 
nur mit einem besondern Gegenstand be 
schäftiget hat, z. E. wenn ich von einem 
Buch träume, worin ich den Tag vorher 
gelesen habe. Beschäftige ich mich aber 
im Traume mit mehreren Dingen, so wird 
es ein zusammengesetzter genannt, z. E. 
wenn ich von Büchern, vom Krieg, von 
Gärten u. s. w. gleich nacheinander trau- 
n:e. Ferner ist ein Traum entweder na 
türlich oder unnatürlich oder übernatür 
lich. Ein natürlicher Traum ist der, wel 
cher in der eignen Vorstellungskraft des 
jenigen, der ihn hat, gegründet ist. Ist 
aber der Grund desselben nicht in der ei 
genen Vorstellungskraft, sondern in ei 
nem andern endlichen Ding enthalten, so 
wäre cs in Absicht auf den, so ihn hat, 
ein unnatürlicher Traum. Wäre der 
Grund in einer unmittelbaren Würkung 
GOttes zu finden, so heißt es ein überna- 
türlicher Traum. 
Die Fortsetzung folget künftig. 
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