Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1737/38)

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v.Alle Personen/ so ein raggici bey sich í>oí, müssen in dem Paß ebensals genau'angemercktund beschtte 
ben werden. 
Vi. Oie passagker sollen auf den Gräntz-Plätzen Ihre Pässe vorzergen, und sich auf folgende Fragen 'exa* 
mittlren lassen : >.) Wie er heisse. 2.) Von was Kondition. z.) Wo er wvbnhafftig. 4.) Von wannen 
er komme. ?.) Don weichem Ort er zu erst ausgereiset. 6.) Auf was vor Orte er zugekommen. 7.) Wse 
lange er sich an diesem oder jenem Orte aufgehaltcn.8.')I" was Geschä.slen.y.) Ob er in 6 Wochen an einem 
ungesunden Ort gewesen. 10.) Ob er binnen der zeit mit nsskkten oder vichen Personen / die an klickten 
Oettern gewesen,umgangen.n.)Ob er ein Paß habe.i2.)Wo er weiter!) naris woile.r;.) Ob er taé ausgesagte, 
insonderheit daß sein Paß nicht falsch,eydlich bekräfftigen könne. Auf solche art seynd alle Passagier, und zwar 
jeder ins besondere aufs genaueste zu examinan nach denen im Paß angemerckten umstanden. 
vü. Wü rde sich einiger verdacht beym examine àusern, seynd die Personen anzuhalten, und der Obrig, 
kcit anzuzeigen / welche wann Haupt - conlideranda dabey vorkommen,an dle Regierungen, Cantzelleyen und 
Obcr-Aempter, und diese ferner an das Königl.FürstlGcheimbde Raths Kollegium zu berichten haben. 
viir.Auf richtige Paste soll der Paß-Schreiber seyn Namen,den Paß-Ort unir dämm schreiben, und es mit 
dem Paß-Sregcl bekräfftigen, welches ein Löwe, worüber der Nahme des Grantz-Passes gestochen. 
ix. Würde jemand aus entfernten Landen in einer Hessenland angrantzendcn Provinz ein neuen Paß Peh 
men,so soll darin mit deutlichen Worten ausgedruckt seyn,woher solcher Passagker, und wan er an den letzten 
Ort kommen , wie lang er sich daselbst aufgehalten, wan und weder erste Paß und von wem unterschriebe» 
seye, welcher mit dem neuen zu gleich zu cxkibircn ist, in Massen ohne den alten niemand soll Passi« wer 
den , damit man daraus ersehen könne, ob der Vorzeiget, wan er von einem verdächtigen Ort kombt, bereit- 
6.Wochen davon entfernt gervesen. Nicht minder soll auch fleissig acht gegeben werden, ob der Paß-Ordnung- 
massig von Ort zu Ort unterschrieben,und der Passagker nachher» wieder an keinen verdächtigen Ort gewesen 
seye.Wittte sich befinden daß derselbe weiter herkomme,als er ausgesagt,so soler dem befinden nach,amLeben 
Leib und Guth bestrafft werden. 
x. Wer von Frembden sich in Hessen eine zeltlang aufhalten will, der soll vor sich und alle mit bey sich hg, 
bende Person en den Paß von 6>Tage zu 6.Tage von des Orts Obrigkeit attestken lassen,daß er solchezeit da 
selbst gewesen, die Obrigkeit sol auch die Frembde visitken, und wen sie jemand ohne dergleichen Attest« 
findet, so ist derselbe genauzu cxaminircnmnv dem befinden nach mit einer considerabkn Geld - Busse zu 
belegen, allenfalß auch auf desen kosten aus dem Lande zu> bringen. Dieses haben die Paß - Bediente unv 
Wirthe allen Frembden bey ihrer Ankunfft bekant zu machen. 
xl. Wer aus Ungarn, Temeswarbannat, Siebenbürgen, Türckey, Podolten, Weiß-Reussen, Caminjeck 
und andern infickten Orten kombt, und m Hessen eingelassen werden will, muß zuforderst mit einem tüch 
tigen Attestat ) wclestes an allen passitten Orten unterschrieben, docken ) daß er an einen uninlickten Orte 
6.Wochen quarantaine gehalten, slucl) auf erfordern solches mit einem Eyd erhärten, wan sich der geringste 
verdacht solté hervorthun , , 
Wan sie aber gifftfangende Sachen bey sich fuhren,alsKleydervonWolle vderSeyden,Leinwand,Pernquen, 
von Wolle gemachte Sachen, Federn, Bette, Garn, Flachs, Zwirn , halb seiden Zeuge, Spitzen, Pcltz- 
werck, unl ercitete auch bereitete Häute, woran noch Haare seyn, Fleisch, Speck, Talch, Liechter, Seyffe, 
Fett, Käse, gemahlen und geraspelt Holtz, das soll alzumahlen nicht ins Land cinigelassen werden. Die 
Kleyder so sie auf dem Lerbe tragen, seynd den Passagier« zu lassen, wan sie mit einem Cörperlichen Eyd be- 
theuren , daß sie solche auf ihrer Rcyse, und wenigstens ö.Wochen lang am Leibe getragen, oder unter wegen- 
an unverdächtigen Orten gekaufff. Wo aber ,vlchcs nicht geschicht, so seynd sie damit nicht zu Passken, son 
dern müssen sich zuforderst aus ihre kosten Kleyder aus hiesigen Landen anschaffen, die alte aber seynd in qe- 
qcnwart des Paß-Bedienten und des vrts Obrigkerten oder z.Männer zu verbrennen. Wofern aber der Paß- 
Bedicnte solches nicht thäte, und dergleichen Gisst fangende Sachen behielte, oder Passken ließ, so soi 
er dem befinden nach am Leben gestrafft,oder Lebenslang'ad oxu« publicum ¡condemnkt werden. 
Alle Metalle und Mineralien werden pai%t,rocn sie zuvor eimge zeit wohl gewittert seyn. 
Keine Bettel-Leute, sie seyen Christen oder Juden, haben Pässe oder nicht, werden eingelassen. 
xil.Wer zwar aus unverdächtigen aber denen inkickten Orten nahe gelegenen provincien kombt,alsOeñ, 
reich, Ober-Schlesien, dem theil von Pohlen,«elches an Ungarn,Siebenbürgen, Podrlien stoset, wird nicht 
eingelassen, er habe dan durch ein Obrigkeitlich Attestat erwiesen , daß an dem Ort seiner abreise keine infk 
cirende Kranckhett grassre, oder auch nur der germgste verdacht seye, wobey er zugleich an Eydsstatt ver 
sichern muß, daß er binnen 4o.Tagen an kernen mit der Seuche behaffteten Ort gewesen. Sein gerathet 
so er mit sich führt, wan es nicht Gifftfangig,muß er durch scharffen Estig ziehen,und mit Wachholder-Birn 
offtersberäuchern lassen. 
xm. Wer von infukten Orten mehr dan 4 c>.Mevlen entlegen, oder aus hiesiger Nachbarschafft ins Laub 
wil raffircn, muß einen guten Gesundheits-Paß haben. w * 
XIV'
	        

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