Full text: Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung (1735/36)

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der geliebe es nur nach Jena an Herr Oo-A. Rus oder Herr Professor Stolle, 
ober nach Weymar an den Hern AuLtorem franco fordersombst. einzuschicken.' 
Nachdem wird er die Pieudonymos vor die Hand nehmen, und dm Placcium hin 
und wieder verbessern. 
2.) Denen Liebhabers guter Poelien wird hiermit communiclrr eine pie^e aut 
Schweden, welche zwar originale in Schwedischer Sprach begriffen, aber 
von dem Herr Palior David Evensjon zu Norckoping in unser Mutter,Sprach 
übersetzt worden. Sölten dergleichen stücke mgres finden, so wird man hinkünff- 
tig mit mehreren dienen. Argi. 
Der Armuth und der Quaal entgeht. Dis Himmels, 
Woranffdas Ungelück mit schnellen Strömen rinnt, 
Wird in den Koth geschmissen, 
t lngegen die , durch Lasser hingerissen, 
rech und verwegen sind , 
Ersteigen bald der Ehre gülden Spitzen, 
Und bleiben da in Anfehn sitzen. 
Ich muß mich selbst vergessen, 
Und kan es m,t Gedancken nicht ermessen, 
Warum des Schicksahls-Hand 
So manchen Fehl begehet, 
Und ob diß Rund auf Spiel und Glück sich selber 
, drehet? 
Ob ienes blaue Firmament, 
Das von vrel tausend Lichtern brennt, 
Zu seinem Bau selbst Grund geleget, 
Und sich durch eigne Kraffte traget? 
So spricht mein hitziges Gemüth , 
Dem Arm der Allmacht frey entgegen. 
Ein solcher Eyffer überzieht 
Mein Hertz mit Blindheit. So verwegen!, 
Streit ich mit Fleisch und Blut, 
Das diese Wünsche thut: 
Ach möcht ich kurtze Zeit den Erden-Kreyß regieren, 
Und m dem Schrff der Welt, das Steuer-Ruder 
führen? 
Bethörte Welt, 
Wo geht dein flüchtiger und schneller Sinn 
Sv unbedachtlich rasend hin 
Ins weite Feld? 
Ihr Wellen die ihr schäumend sauset, 
Wer hat gemacht, daß ihr so brauset ? 
Warum legt man dem Volck, ingleichen der Natur 
Nicht Zaume und Gebiß' ins Maul,‘ 
Und schliesset sie in enge Schrancken ein? 
Wie ? Soll die Spuhr 
Von einem flüchtigen und wilden Gaul 
An beyden dann zu finden seyn. 
Wer im verwirken krepß der*Welt 
Was rechtes sucht, ist wie ein Trunckener, 
Der itzo stund, 
Bald aber fält; 
Ein Lumpenhund wird offt ein grosser Herr, 
Ein Herr auch offt ein Lumpenhund. 
Ein Wurtzel-fester Baum wird durch den Sturm zer, 
knickt, 
Das schönste Korn von Unkraut unterdrückt. 
Ein alter grauer Mann 
Der seinen Stecken kaum für Zittern halten kan, 
Ist frisch/ein Jüngling stirbt in frühen lebens,Tagen. 
Wie offt hat feiger Menschen Hand 
Behertztein des Grabes Sand, 
Durch blindes Glück getragen ? 
Der Hcßllche ist frisch und starck, 
Die Schönheit leget man zu zeitig in den Sarg. 
Der Rosen Blätter fallen*bm, 
Ae müssen früh' verwelckt, sich zu der Erde neigen, 
Wenn Dornen durch den Wachsthum steigen. 
Wer viele Schätze hat, dem folget der Gewinn; 
At guten wird er überladen , 
Dagegen hat der Arme Schaden. 
Er hat nach Nothdurfft kaum sein Brod, 
vern gröster Reichthum ist die Noth. 
Das meiste, was mich kränckt, und was mein Sinn 
™ nicht fasPt 
-w / baß die Tugend nicht der Centner-schweren Last , 
Doch, ewiges Verhangnüß, ach! 
Befindest du dich Schwach : 
So straffe nur in deinem Zorn Gericht, 
Mein Sündlich böses Murren nicht, 
Wie kan ich deine Weisheit meistern ? 
Ach würdigte doch deine Gnade, 
Mich armen Wurm, mich schlechte Made,' 
Da wo die Zahl von denen reinen Gestern , 
Dich stets umgiebt,mit hertzlichem Erquicken, 
In deinen Rath nur einmal hin zu blicken l 
Ein Adler schwinget sich mit Lust, 
Von dieser Erden liessen Wust, 
Zu den Saphirnen Himmels-Hohen, 
Den Hellen Glantz vom Sonnenlicht, 
S 3 
Mi*
	        

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